Kanuslalom

Das Boot ist Udo Raumanns zweite Heimat

Udo Raumann aus Balve (vorne) rast mit seinem Partner Rüdiger Hübbers die Wildwasserkanäle in ganz Deutschland herunter.

Udo Raumann aus Balve (vorne) rast mit seinem Partner Rüdiger Hübbers die Wildwasserkanäle in ganz Deutschland herunter.

Foto: privat

Balve.  Deutscher Meister, Weltmeister, Olympia-Teilnehmer: Udo Raumann aus Balve hat im Kanusport so ziemlich alles erlebt, wovon viele Sportler träumen

Es ist dunkel, der Sorpesee liegt ganz ruhig da, einzig ein paar Tiere sorgen hin und wieder für ein Rascheln in den Gebüschen oder Wellen auf dem Wasser. Durch die Dunkelheit arbeitet sich zwei kleine Lichter langsam immer näher Richtung Ufer, umso näher die Lichter kommen, desto lauter wird auch die Geräuschkulisse. Langsam aber sicher ist ein Boot zu erkennen, in dem zwei Personen sitzen. Einer der beiden Paddler ist Udo Raumann aus Balve – ein Mann, der mit seinem Partner Rüdiger Hübbers schon so einiges im Kanu erlebte und auch noch aktuell erlebt.

Das Training auf dem Sorpesee in der Dunkelheit gehörte für den Balver Kanuslalomfahrer lange zum Trainingsalltag. Mit Stirnlampe ausgestattet reißt Udo Raumann aber auch heute noch ab und an ein paar Kilometer gemeinsam mit seinem Düsseldorfer Partner Rüdiger Hübbers ab. „Das ist aber deutlich weniger geworden als in der Vergangenheit“, sagt Raumann. Doch auch mit dem verringertem Trainingspensum reicht es für die beiden Slalomfahrer in den Wildwasserkanälen in Deutschland und Europa noch für die Plätze ganz vorne.

Jungen Fahrern die Rücklichter gezeigt

Anfang Oktober sichern sich der 50-jährige Raumann und sein drei Jahre älterer Partner Hübbers in Neuss den deutschen Meistertitel der Senioren, zwei Wochen zuvor sorgten die beiden aber auch in der Leistungsklasse der deutlich jüngeren Konkurrenz noch einmal die lange Rücklichter. „Den jungen Booten noch einmal zu zeigen, dass wir es immer noch drauf haben, war natürlich toll“, sagt Udo Raumann. In Hohenlimburg, wo der Balver auch als Trainer und Aktiver noch regelmäßig im Boot sitzt, gelingt ihm der Titel in der Mannschaft. Ähnlich wie in Neuss, wo sich Raumann und Hübbers über insgesamt drei Titel freuen durften.

Inzwischen sind die beiden leidenschaftlichen Paddler aber nicht mehr immer gemeinsam unterwegs, nicht wie in der Vergangenheit wo sie die deutschen Farben bei Welt-und Europameisterschaften und den Olympischen Spielen 1992 vertreten durften. Inzwischen hat sich Udo Raumann eine zweite Sportart gesucht, die ihm auch für den Kanuslalom sehr nützlich ist. Der Balver nimmt inzwischen an Marathon-Läufen und Triathlon-Rennen teil, über das dafür nötige Training schafft er auch gleichzeitig die Grundlage für den Sport im Boot.

Glück und Spaß gehören dazu

Seit 2005 sitzen die beiden wieder gemeinsam im Boot, ein paar Jahre hatte sich Udo Raumann rausgenommen, um sich auf seinen Beruf und die Erziehung seiner Kinder zu konzentrieren. Wobei ganz raus war Raumann nie so ganz beim Kanuslalom, schließlich hat er seine Begeisterung für die rasanten Fahrten im Wildwasserkanal weitergegeben. Drei seiner vier Kinder sind oder waren in Wettbewerben ähnlich unterwegs wie der Vater, aktuell ist nur noch der jüngste Sohn Felix aktiv.

Doch bevor sich Udo Raumann auf berufliche und familiäre Verpflichtungen konzentriert, gehört die freie Zeit ganz der Leidenschaft. „Ich bin ins Boot reingeboren worden“, sagt er. Sein Vater war begeisterter Kanute, die Entwicklung von Raumann junior schein determiniert. „Über den Spaß und das Quäntchen Glück, dass einfach dazu gehört, bin ich dann immer besser geworden“, sagt er heute mit Blick auf seine Anfänge. 1986 wird er Junioren-Weltmeister, ab 1991 ist er Teil der Nationalmannschaft. Ein Jahr später folgt der Höhepunkt seiner aktiven Karriere mit der Teilnahme an den Olympischen Spiele.

Die Luftmatratze als Bett in der Küche

Damals ist er mit 23 Jahren noch sehr jung, er und Hübbers haben bis dato kaum an große internationale Wettkämpfen teilgenommen. „Olympia ist etwas ganz besonderes, wir waren ein klein wenig überfordert“, sagt Udo Raumann mit Blick auf die Spiele im spanischen Barcelona. Sie beenden den Wettkampf auf dem 14. Platz, die Enttäuschung über das sportliche Abschneiden gerät aber schnell in Vergessenheit.

„Wir haben uns morgens zusammengesetzt und einen Plan gemacht, welche Sportarten wir uns alles ansehen möchten“, erinnert sich der Balver Kanusportler. Nach den eigenen Wettkämpfen, die damals in den Pyrenäen stattfanden, geht es in das olympische Dorf in die katalanische Metropole – auch wenn dort eigentlich gar kein Platz ist. „Die Zimmer waren alle voll, also haben wir uns eine Luftmatratze in die Küche bei anderen Sportlern geworfen“, schildert Raumann. Doch das provisorische Bett bleibt meistens verwaist, oft sind er und Hübbers mit Sportlern aus aller Welt bis spät in die Morgenstunden unterwegs.

Inzwischen ist es deutlich ruhiger geworden um Udo Raumann, auch wenn für die Zukunft noch große Ziele hat. „Die Qualifikation für die deutsche Meisterschaft der Senioren sollte es noch einmal sein“, sagt er. „Aber eigentlich wollen wir einfach nur Spaß haben und dann sehen wir, was sich ergibt“, so Raumann weiter. Noch hat der Paddler nicht genug – was die jüngeren Fahrer in diesem Jahr zu spüren bekam.

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