Reitsport

Das will Mario Stevens in Balve Deußer und Co. nachmachen

Der amtierende Deutsche Meister der Springreiter und Titelverteidiger Mario Stevens am Springstadion in Balve.

Der amtierende Deutsche Meister der Springreiter und Titelverteidiger Mario Stevens am Springstadion in Balve.

Foto: Falk Blesken

Balve.   Als amtierender Deutscher Meister tritt Mario Stevens bei der DM der Springreiter in Balve an. Er will ein seltenes Kunststück schaffen.

Das sind die Namen, welche er in einer Reihe mit seinem sehen möchte: Daniel Deußer, René Tebbel, Ludger Beerbaum, Paul Schockemöhle oder Hartmut Steenken. Dieses Quintett aktueller und ehemaliger Stars im deutschen Springreiten eint vielleicht mehr, aber vor allem eins, denn bis dato gelang nur diesen Fünf bei einer Deutschen Meisterschaft mindestens einmal die Titelverteidigung.

Mario Stevens möchte dieses doch seltene Kunststück, die DM in der heutigen Form gibt es seit 1959, auch schaffen.

Er, der im vergangenen Jahr quasi aus dem Operationssaal zum Titel ritt, geht zwar mit einem Handicap in die Titelkämpfe, die beim Balve Optimum (13. bis 16. Juni) ausgetragen werden, aber insgesamt deutlich besser vorbereitet. „Den Titel zu verteidigen, ist eine große Hürde, die noch nicht viele geschafft haben, aber das ist mein Anspruch“, sagt Stevens.

Not-OP kurz vor der DM

Vor Jahresfrist reist der Niedersachse mit ganz anderen Gedanken ins Sauerland. Sechs Wochen vor der Deutschen Meisterschaft muss er wegen eines geplatzten Magengeschwürs notoperiert werden und außerdem sitzt er vor den Titelkämpfen nur einmal im Sattel seines Pferdes Talisman. „Aber ich liebe diese Meisterschaft und wollte unbedingt bei der DM reiten“, erzählt er zurückblickend.

Mario Stevens: Erst Not-OP, dann DM-Titel
Mario Stevens: Erst Not-OP, dann DM-Titel

Auf Grund der Umstände handelt Mario Stevens in bester Huub-Stevens-Manier, denkt wie der ehemalige Fußball-Trainer unter anderem vom FC Schalke 04 nur von Runde zu Runde, bei der DM gibt es vor dem eventuellen Stechen derer vier, und legt Wert darauf, dass im Parcours die Null steht. Ohne Hindernisfehler, dafür untypisch für ihn mit drei Zeitfehlern, liegt er vor dem letzten Starter und großen Favoriten Marcus Ehning in Führung. Als der zweimal patzt und später sogar aufgibt, ist Stevens’ Titel-Premiere perfekt.

„Alle diskutierten vor dem vierten Umlauf heiß, wie viele Galoppsprünge bis zum großen Wassergraben gemacht werden müssen – ich wusste gar nicht, ob Talisman überhaupt über das Wasser springt“, sagt Stevens lachend. Über das Wasser, in das er anschließend von Vizemeister Guido Klatte jr. und dem drittplatzierten Michael Kölz geschmissen wird. „Nach dem Titelgewinn ging es sportlich steil bergauf“, sagt der 36-Jährige. Starts beim CHIO in Aachen, bei der hoch dotierten Global Champions Tour – beim Nationenpreis in Abu Dhabi gehört Mario Stevens mit Talisman sogar zur siegreichen deutschen Mannschaft.

Ein Tipp für Christian Ahlmann

„Was mich aber noch mehr beeindruckte“, erzählt er, „war der Respekt und die Anerkennung der Kollegen.“ Oft schonen die nationalen Top-Reiter, wenn sie überhaupt antreten, bei der DM ihre Stars für Turniere mit viel höherem Preisgeld und satteln Nachwuchspferde. Der Titel an sich reizt dennoch. „Christian Ahlmann zum Beispiel hat mir etwas neidisch gesagt, dass er noch nie Deutscher Meister gewesen sei“, erzählt Stevens und ergänzt grinsend: „Da habe ich ihm nur gesagt: Du musst halt mal nach Balve kommen.“

Balve Optimum: Titelträger gehen baden
Balve Optimum: Titelträger gehen baden

Ahlmann fehlt auch dieses Mal in der Starterliste. Daniel Deußer ebenso, er gehört wie Katrin Eckermann, Gerrit Nieberg oder André Thieme zum deutschen Team, das mit Bundestrainer Otto Becker zeitgleich beim Nationenpreis in Sopot/Polen antritt. Weltmeisterin Simone Blum wird zwar im Sauerland sein, sie beschränkt sich aber auf die Deutsche Meisterschaft der Damen, weil ihr WM-Pferd Alice planmäßig pausiert. „Ich komme mit Cool Hill“, sagt Blum, „der ist neunjährig, da käme die richtige DM ein Jahr zu früh.“

Der Blick auf das Starterfeld ringt dem amtierenden Deutschen Meister Mario Stevens trotzdem eine Menge Respekt ab. „Holger Hetzel bereitet sich seit Wochen akribisch vor, Marcus Ehning oder Markus Beerbaum sind in Topform, Jens Baackmann, Guido Klatte – ach, es können so viele gewinnen“, sagt er.

Sich selbst sieht Stevens natürlich auch im Kreis der Titelkandidaten. Obwohl er auf sein Siegerpferd Talisman verzichten muss. „Er ist leicht verletzt“, sagt Stevens. Das ist sein Handicap, aber ein kleines im Vergleich zum vergangenen Jahr – und eins, das an seinem großen Ziel nichts ändert.

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