Handball

So blicken die lokalen Experten auf die Handball-WM

Fokussiert: Alfred Gislason geht mit einer neu zusammengestellten Mannschaft ins Turnier. Das DHB-Team zählt zu denGeheimfavoriten.

Fokussiert: Alfred Gislason geht mit einer neu zusammengestellten Mannschaft ins Turnier. Das DHB-Team zählt zu denGeheimfavoriten.

Foto: Julian Stratenschulte / dpa

Menden/Arnsberg  Morgen um 18 Uhr startet das DHB-Team gegen Uruguay in die Handball-WM. Fünf lokale Funktionäre äußerten sich zum Turnier in Ägypten.

Das Warten hat ein Ende. Morgen um 18 Uhr startet die deutsche Nationalmannschaft in die Handball-Weltmeisterschaft in Ägypten mit ihrem Auftaktspiel gegen Uruguay. Es ist eine ungewöhnliche WM, die aufgrund der Corona-Pandemie nur mit einem Hygienekonzept und scharfen Maßnahmen durchgeführt werden kann. So gibt es beispielsweise in den Hallen keine Zuschauer und die Spieler befinden sich, abgeschottet von der Öffentlichkeit, in einem Hotel, dass sie während des Turniers kaum verlassen dürfen.

Die WP-Redaktion sprach mit fünf Funktionären aus den heimischen Handball-Vereinen in Menden und Arnsberg. Sie schilderten ihre Erwartungen, ihre Hoffnungen, formulierten ihre Favoriten und äußerten sich zu den Chancen der deutschen Mannschaft.

Frank Schlücking freut sich auf spannende Spiele

"Trotz der aktuellen Situation ist es schön, endlich wieder tolle Handballspiele zu sehen. Ende Dezember hat der THW Kiel die Champions League gewonnen. Das hat Spaß gemacht zuzusehen und hat Lust auf mehr gemacht", sagt Frank Schlücking, Vorsitzender der Handballer der SG Menden Sauerland.

Dass die fehlenden Zuschauer die Spiele beeinflussen werden, bezweifelt der 48-jährige Funktionär. "Die Deutschen sind das ja schon aus der Bundesliga gewohnt und in den anderen Ländern ist es überwiegend auch nicht anders. Man kann auch nicht sagen, dass die Atmosphäre darunter leidet, denn ohne Fans gibt es erst gar keine Atmosphäre. Alle Spieler, die dabei sind, sind Profis genug und werden damit sicherlich auch umgehen können."

Schlücking sieht bei dieser WM keinen klaren Favoriten. "Das ist wirklich ganz schwer einzuschätzen. Viele Mannschaften können nicht auf ihren Top-Kader zurückgreifen. Ich denke, dass Frankreich, Spanien und Kroatien die besten Chancen haben - auch Deutschland möchte ich nicht ausschließen. Das letzte Spiel gegen Österreich in der Vorbereitung hat gezeigt, dass die Mannschaft besser ist, als viele vielleicht dachten." Der Wölfe-Vorsitzende geht davon aus, dass die deutsche Mannschaft die Vorrunde überstehen wird. "Danach ist alles möglich, es hängt auch ein bisschen von der Konstellation und den Punkteständen ab", erklärt der 48-jährige Funktionär

Joshua Schefers nicht in WM-Stimmung

"Ich bin aktuell noch gar nicht in WM-Stimmung. Es passieren aktuell zu viele Sachen im beruflichen und privaten Bereich. Da ist es schwer räumlich und gedanklich bei einer Weltmeisterschaft in Ägypten zu sein und sich darauf zu konzentrieren", räumt Joshua Schefers, der sportliche Leiter der Handballer der DJK Bösperde, ein. Seiner Meinung nach zeigen die vielen Absagen der deutschen und anderer Topspieler, womit sich die Welt gerade wirklich beschäftige. "Es geht in erster Linie um die Gesundheit der Menschen und nicht um Handball", sagt der 29-jährige Funktionär entschieden.

Auch er sieht die fehlenden Zuschauer nicht als Problem. "Die Spieler kennen das schon aus der Bundesliga. Allerdings fehlt den Spielen ohne die Zuschauer das nötige Flair. Dennoch ist es in diesen schweren Zeiten die einzig richtige Entscheidung ohne Publikum zu spielen."

Für Schefers ist Frankreich der Top-Favorit auf den Titel. Auch Kroatien und Dänemark hat er mit auf der Rechnung. Deutschland sieht er als Turniermannschaft auch nicht chancenlos. "Das Ziel sollte das Halbfinale sein. Dafür muss aber alles passen. Entscheidend wird sein, wie die Abwehr das Fehlen der Kreisläufer Hendrik Pekeler und Patrick Wiencek verkraftet. Die Deutschen sind dafür bekannt, dass sie sich während eines Turnier in einen Rausch spielen kann und sich stetig steigern können. Wenn das passiert, ist definitiv alles möglich."

Der Funktionär freut sich darauf "einfach mal den Fernseher anzumachen und etwas anderes zu sehen als Fußball. Handball und speziell die Nationalmannschaft konnte man ja lange nicht mehr sehen. Es ist schön den Sport zu sehen, den man mit Leidenschaft ausübt und den man aktuell sehr vermisst."

Olaf Pokroppa fehlt das Public Viewing

Etwas negativer ist die Stimmung bei Olaf Pokroppa, Vorsitzender der Handballer von Westfalia Halingen. "Mich interessiert die Handball-WM dieses Mal gar nicht so richtig. Es ist wie in der Handball-Bundesliga alles ganz nett, aber ich habe nicht das gute Gefühl, das ich sonst bei großen Turnieren habe. Trotzdem werde ich mir die WM im Fernsehen anschauen."

Anders als im Fußball glaubt auch der 48-Jährige nicht daran, dass die fehlenden Zuschauer etwas ändern werden. "Dadurch, dass unser Sport sehr schnell ist, gibt es keine großen Unterschiede. Höchstens wenn die Spiele ganz knapp sind, wird die Unterstützung der Fans fehlen."

Für Pokroppa ist Dänemark der Favorit Nummer eins. Bei den Deutschen ist er sich nicht ganz sicher. "Es ist ganz schwer einzuschätzen. Das Erreichen das Viertelfinals wäre schon ein Erfolg", erklärt er zurückhaltend. Dem Funktionär wird vor allem das Public Viewing in der heimischen Sporthalle fehlen. "Darauf hatte ich mich früher immer gefreut, aber das ist dieses Mal leider nicht möglich."

Thomas Weber: Deutschland wird Weltmeister

"Ich erhoffe mir eine spannende WM und darauf, dass das Turnier positiv auf den Amateursport abstrahlt", erklärt Thomas Weber, Leiter der Handballer der SG Ruhrtal. Zudem hofft er, nach den Rückzügen von den USA und Tschechien, dass alle anderen Mannschaften durchspielen können und die Spieler gesund bleiben.

Das fehlende Publikum ist auch für den 53-jährigen Funktionär kein Problem. "Die Profis kennen das schon. Trotzdem kann das Publikum gerade bei engen Spielen der achte Mann auf dem Feld sein. Aber ich glaube die Spieler können damit gut umgehen, vor leeren Rängen zu spielen. Sie kennen es ja bereits aus ihrer Heimat."

Weber hat die deutsche Mannschaft ganz oben auf der Rechnung. "Deutschland wird Weltmeister. Ich glaube, dass das Team um den neuen Trainer Alfred Gislason die Situation am besten lösen wird und wir als Überraschungsteam den ganz großen Wurf schaffen. Oder zumindest einen Platz unter den ersten Drei." Die Vorfreude ist beim SGR-Leiter groß. "Alle sollen sehen, wie geil dieser Sport sein kann - gerade in diesen schwierigen Zeiten."

Frank Mähl: Deutschland kann überraschen

Frank Mähl, Trainer der Handballer des TV Arnsberg, ist von einem positivem Abschneiden des deutschen Teams fest überzeugt. "Deutschland hat ja schon häufiger mit ersatzgeschwächtem Kader für positive Überraschungen gesorgt. Wenn es unserem Trainer Alfred Gislason gelingt, die verbliebenen Routiniers und die ehrgeizigen Debütanten zu einer verschworenen Einheit zu formen, sollte mehr als nur das Überstehen der Vorrunde möglich sein."

Und mit dieser Hoffnung gehen alle Handball-Experten und Fans der deutschen Mannschaft in dieses in jeglicher Hinsicht ungewöhnliche Turnier.

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