Starkes Badminton-Jahr

Leona Michalski: "Der Fokus liegt klar auf 2024"

Leona Michalski mit ihrer Silbermedaille im November bei der Junioren-EM in Finnland.

Leona Michalski mit ihrer Silbermedaille im November bei der Junioren-EM in Finnland.

Foto: Verein

Oberhausen  Ausnahme-Talent Leona Michalski hat ein starkes Jahr hinter sich. Die ehemalige Spielerin der Spvgg. Sterkrade-Nord im Gespräch.

Leona Michalski ist eines der ganz großen Talente in ihrer Sportart. Die 18-Jährige schloss das Jahr mit dem Gewinn der Silbermedaille bei der Jugend-EM ab. Ihr großes Ziel: die Olympischen Spiele in Paris. Das in jeglicher Hinsicht besondere Jahr endete für die ehemalige Nordlerin mit einem großartigen Erfolg. Sie gewann bei der Jugend-Europameisterschaft im finnischen Lahti im Doppel mit Thuc Phuong Nguyen die Silbermedaille (wir berichteten). Im Interview spricht sie über die EM, ihre Ziele und ihr Leben im Sportinternat in Hamburg.


Wie fühlen Sie sich nach einem so glänzenden Erfolg bei der Jugend-EM?
Michalski: Ich bin extrem zufrieden mit der Silbermedaille. Mein Ziel war, eine Medaille im Damendoppel zu holen. Dieses habe ich mit Thuc nach dem Halbfinalsieg erreicht. Alles danach war wie eine Art Traum. Wir wussten, dass wir gute Chancen aufs Finale hatten, haben ohne Druck gespielt und einfach alles gegeben. Die Taktik ging voll auf und schließlich standen wir im Finale.

War dort vielleicht sogar mehr drin?
Michalski: Wir wussten, dass die Russen ein starkes Doppel spielen, trotzdem hatten wir einen genauen Plan, wie gegen die beiden zu spielen ist. Gesamt betrachtet wäre mehr drin gewesen, aber die Russinnen haben es am Ende echt solide und verdient besser gemacht. Wir haben in beiden Sätzen zu Beginn und nach der Pause geführt, wurden dann aber nervös. Weil wir wussten, dass wir Chancen hatten den Satz bzw. das Spiel zu gewinnen.

Aus solchen Situationen lernen

Michalski weiter: Klar war es im Nachhinein schade, aber auch aus solchen Situationen lernt man und wird nur stärker. Trotzdem waren Freude und Emotionen enorm. Ich bin sehr stolz und zufrieden über Silber. Jahrelang habe ich hart darauf hingearbeitet, um mir diesen Traum zu erfüllen. Und wie viele Menschen können schon von sich behaupten, dass sie Vizeeuropameisterin geworden sind.

Sind Sie neidisch auf Partnerin Thuc Phuong Nguyen, die im Mixed den EM-Titel gewonnen hat?
Michalski: Neidisch auf keinen Fall. Sie hat es auf jeden Fall verdient, ich habe mich sehr für sie gefreut. Thuc spielt mit ihrem Partner Matthias Kicklitz ein sehr starkes Mixed, welches es verdient hat, diesen Titel zu holen.
Natürlich bin ich über die Leistung im Mixed mit meinem Partner (Aaron Sonnenschein, die Red.) nicht hundertprozentig zufrieden, da wir uns etwas mehr erhofft hatten. Hauptsächlich lag es aber wohl daran, dass wir – anders als Thuc und Matthias – nicht täglich gemeinsam trainieren können. Aaron trainiert in Mülheim, gemeinsames Training war daher nur sehr selten möglich. Aber „shit happens“. Ich habe aber durch meine mentale Stärke gezeigt, dass ich diese Enttäuschung ausblenden konnte.

War das der bisher größte Erfolg in Ihrer noch jungen Karriere?
Michaslki: Ich würde sagen, dass der Gewinn der Silbermedaille definitiv einer meiner größten individuellen Erfolge ist. Für mich zählen aber noch einige andere hinzu. Gold bei der DM im Dameneinzel U19 ist für mich immer noch ein Höhepunkt meiner Jugendkarriere. Dazu kommen die anderen Medaillen, die ich in meinen Jugendjahren bei den Deutschen Meisterschaften gewinnen konnte. Ebenfalls hat jede internationale Medaille, egal ob Gold, Silber oder Bronze einen großen Stellenwert.
Auch Bronze bei der Team-Europameisterschaft im estnischen Tallinn 2018 war für mich und das ganze Team einfach nur unglaublich. Diese Medaille bedeutet mir ebenfalls sehr viel.

Sie mischen ja auch schon bei Turnieren der Erwachsenen recht erfolgreich mit, oder?
Michalski: Meine internationalen Erfolge im Erwachsenenbereich sind schon beachtlich. Aber nicht nur international, auch national bin ich bei den Erwachsenen erfolgreich. Bei den Deutschen Meisterschaften O19 in Bielefeld stand ich in den vergangenen beiden Jahren als Jugendspielerin fünfmal im Viertelfinale und habe in den Runden zuvor starke Erwachsenenspieler geschlagen.
In diesem Jahr habe ich mit Thuc zweimal ein DBV-O19-Ranglistenturnier gewonnen. Diese Erfolge zählen ebenfalls mit zu den größten meiner Karriere. Wir haben gegen erwachsene Nationalspieler gewonnen, die in Saarbrücken mit der deutschen Nationalmannschaft trainieren. Dieses Gefühl ist einfach unbeschreiblich.


Was sind Ihre nächsten sportlichen Ziele?
Michalski: Mein erstes ist es, mein Abitur erfolgreich zu absolvieren. Danach möchte ich an den Bundesstützpunkt nach Saarbrücken wechseln, um dort mit der O19-Nationalmannschaft im Doppel und Mixed trainieren zu können. Wenn ich auf meinen Turnierkalender schaue, stehen einige Turniere an, aber man muss schauen, wie sich die Lage bezüglich des Covid-19-Virus entwickelt. Wenn Turniere stattfinden, ist das Ziel, oben mitzuspielen und Edelmetall mit nach Hause zu bringen. Und ich möchte fest in der 1. Bundesliga spielen.

Träumen Sie auch von einer Teilnahme an den Olympischen Spielen?
Michalski: Das ist mein größter Traum und mein Ziel, welches ich seit zwei Jahren klar vor Augen habe: Olympia 2024 in Paris. Ich werde hart dafür arbeiten. Die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles habe ich als zweiten großen Traum im Hinterkopf. Doch der Fokus liegt ganz klar auf 2024.

Die meisten Erfolge haben Sie in Doppel und Mixed geholt. Warum läuft es im Einzel nicht so gut?
Michalski: Ich bin keine Einzelspielerin, sondern habe meinem Fokus seit einem Jahr nur aufs Doppel und Mixed gelegt. Trotzdem trainiere ich oft Einzel, da es positive Effekte für Doppel und auch Mixed mit sich bringt. Ich kann auch gut Einzel spielen. Es macht mir auch Spaß, aber mein Schwerpunkt liegt jetzt ganz klar auf den anderen beiden Disziplinen.

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