Sport und Coronavirus

Wie Oberhausener Vereine durch die Corona-Krise kommen

Die Tennis Stadtmeisterschaften liegen gerade mal drei Wochen zurück, schwer vorstellbar.  

Die Tennis Stadtmeisterschaften liegen gerade mal drei Wochen zurück, schwer vorstellbar.  

Foto: Foto: Verein

Oberhausen.  Peter Räkow (TC 69) und Hartmut Schmidt (TC Babcock) berichten, wie sie ihre Clubs durch die Krise bekommen wollen.

Der Sport mag ruhen in diesen Tagen, aber er wurde vor ganz neue Aufgaben gestellt. Vereinsvorstände mussten sich infolge der Corona-Krise mit Fragen beschäftigen, die bislang nicht anstanden: „Wie bezahle ich meine Mitarbeiter weiter.“ Dabei geht es nicht nur um die bereits in Kurzarbeit befindlichen Profi-Fußballer oder Angestellten bei Rot-Weiß Oberhausen. Nein, jeder Verein in Oberhausen ist gleichzeitig auch Unternehmen und beschäftigt Mitarbeiter.

Peter Räkow, Vorsitzender des Großvereins TC 69: „Das war eine völlig neue Situation für uns.“ Auch Hartmut Schmidt, Vorsitzender des Spartenvereins TC Babcock, traf der Ausbruch der Krise hart: „Gerade eben habe ich Post vom Tennis-Verband Niederrhein und vom Deutschen Tennis-Bund bekommen. Die gesamte Medensaison ist bis zum 8. Juni ausgesetzt.“

Tennis ist bis zum 8. Juni ausgesetzt

Und da am letzten Juni-Wochenende die Ferien beginnen, würden den Tennisspielern dann ab der zweiten August-Woche gerade einmal sechs Wochen für ihre Saison bleiben. „Ich glaube, dass uns die ganze Spielzeit flöten geht“, sagt Schmidt. Und wundert sich nur pro forma darüber, dass Tennis zu zweit gespielt doch eigentlich die Abstandsregeln einhalten würde. „Aber aus Solidarität zu allen anderen haben wir natürlich auch sofort eingestellt.“

Wobei auch der TC Babcock beim Problem Bezahlung der Mitarbeiter, Übungsleiter, Mini-Jobber oder Solo-Selbstständiger gelandet ist. Der TC 69 hat mit dem Turntrainer Sydnee Ingendorn einen Mitarbeiter auf Honorarbasis, der jetzt kein Geld bekommt, da kein Training und keine Übungen mehr anfallen. Auch Übungsleiter im TC 69 bekommen keine Unterstützung mehr. Auch Reinigungskräfte oder Hausmeister als Mini-Jobber werden nicht mehr bezahlt.

In die Kurzarbeit schicken

Räkow: „Wir haben eine Kraft für den Reha-Sport auf Steuerkarte, die werden wir wahrscheinlich jetzt auch bald zur Kurzarbeit anmelden.

Ähnliches gilt für zwei Tennis-Trainer beim TC Babcock oder den Clubwirt. Alle drei stehen ohne Einnahmen da und brauchen Unterstützung. Schmidt: „Bei ihnen greift dann wohl das Programm für Solo-Selbstständige, wo bis zu 15.000 Euro beantragt werden können.

Räkow, Schmidt und auch SSB-Geschäftsführerin Sabine Grajewski raten allen Vereinen, den Status ihrer Mitarbeiter auf den Info-Seiten des Landesportbundes (LSB) zu ermitteln und welche Unterstützung wann möglich ist (siehe Text-Ende).

„Soziale Härten auffangen“

Den Fortbestand ihrer Vereine sehen Räkow und Schmidt dennoch gesichert. Räkow ist froh, dass die meisten Mitgliedsbeiträge im Januar und Februar verbucht wurden, so dass dem TC 69 die finanzielle Basis fürs Jahr gegeben ist. Eine Rückerstattung der Jahresbeiträge bei ausgefallenen Leistungen gibt es laut LSB nicht, da die Beiträge dem Erhalt des Vereins zu dienen haben und noch keine Extra-Leistungen mit umfassen. Schmidt räumt aber ein: „Wenn wir merken, dass soziale Härten auftreten, wenn Mitglieder in Kurzarbeit gehen und Familien bedroht sind, werden wir ihnen entgegen kommen.“

Aber um ihren Betrieb über die Corona-Krise hinaus zu gewährleisten, unterliegen Vereine auch fixen Kosten. Versicherungen sind zu zahlen, Energiekostenbeiträge zu leisten. Räkow: „Jetzt gerade hätten wir das erste Quartal bezahlen müssen. Wir hoffen, dass da was geht bei der Stadt.“ Der Stadtsportbund ist in dieser Hinsicht auch tätig.

Kommunikation über Telefon oder Kurznachrichten

Was die Selbstorganisation betrifft, praktizieren die Vorstände: Ich bleibe zuhause. Die Kommunikation läuft über Telefon oder Kurznachrichten, die Geschäftsstellen sind herunter gefahren. Räkow: „Bei uns wechseln sich zwei Mitarbeiterinnen ab. Die Hauptversammlung des TC 69 wurde vom 4. Mai auf den 31. August verschoben.

Die Tennis-Halle beim TC Babcock ist selbstredend geschlossen und stellt, da in einer eigenen Gesellschaft untergebracht, laut Schmidt (Foto oben) keine Gefahr für die Existenz des Vereins dar. „Wir haben noch keine Austritte. Aber es ist eine wahnsinnig schwierige Situation für alle Vereine in Oberhausen.“

Deswegen schaut er in die Zukunft, die hoffentlich eine bessere ist: „Ende September feiern wir unser Sommerfest. Ich hoffe, dass das eine richtig große Party wird.“

Informationen beim LSB zur Corona-Krise

Der LSB hat auf seinen VIBSS-Seiten im Internet alles zusammengefasst, was in Sachen Vereinsmanagement in diesen Zeiten rechtlich zu beachten oder zu beantragen ist. Dazu gehören etwas ein Merkblatt zu Kurzarbeit, Informationen zum NRW-Sport in der Corona-Krise oder ein musterschreiben für Vereine an ihre Mitglieder. Der Link dazu ist auch auf der Seite des Stadtsportbundes Oberhausen zu finden. Zu dem gibt es für existenzielle Notfälle im Verein auch eine telefonische Beratung beim LSB: 0203/7 38 17 77 (mo - fr 9 - 16 Uhr).

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