Bob

Celine Harms: Vorfreude auf die Jugend-Winterspiele

Celine Harms (Mitte) mit ihren Teamkolleginnen Maja Wagner (l.) und Charlotte Candrix.

Celine Harms (Mitte) mit ihren Teamkolleginnen Maja Wagner (l.) und Charlotte Candrix.

Foto: Privat

Königsee/Schameder.  Celine Harms ist im Bob im Grunde Neuling, wird aber wohl bei den Olympischen Jugend-Winterspielen dabei sein. Das Dorf Schameder wird mitfiebern

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Es hat tatsächlich geklappt: Wenn am 9. Januar die dritten Olympischen Jugend-Winterspiele in Lausanne eröffnet werden, wird Bobfahrerin Celine Harms aus Schameder mit der deutschen Mannschaft einlaufen. Die 16-Jährige fuhr auch bei den Monobob-Rennen am Königssee auf den Plätzen 3 und 4 vorne mit. Sie schloss die Qualifikationsserie zu den Jugend-Winterspielen als Gesamtdritte als beste Deutsche ab. „Darauf bin ich sehr stolz“, sagt die Wittgensteinerin.

Auch wenn es „nur“ um die Jugend-Variante geht: allein der Begriff Olympische Spiele hat schon einen besonderen Klang. Er weckt Emotionen und lässt Assoziationen zu großen Wettkämpfen und Sportlern zu. Celine Harms geht es da nicht anders: „Ich kann das noch gar nicht richtig fassen. Das ist doch ein Traum für jeden.“

Worauf die Gymnasiastin allerdings eindringlich hinweist: Offiziell ist die Sache noch nicht, denn der Weltverband IBSF vergibt die 18 Startplätze für Lausanne erst nach Abschluss der Qualifikationsrennen in Nordamerika am 9. Dezember.

Praktisch kann Harms aber für die Reise in die Schweiz planen, denn in Nordamerika müssten Sportlerinnen aus 16 Nationen besser sein als Harms. Was unwahrscheinlich ist. Außerhalb Europas haben nicht einmal so viele Länder überhaupt Sportler bei der IBSF gemeldet.

Großer Empfang

Und so pinselten sie in Schameder am Sonntagmorgen spontan die Olympischen Ringe und Glückwünsche auf alte Bettlaken, um Celine Harms bei der Ankunft gemeinsam zu empfangen. „Ich habe mir bei der Autofahrt eigentlich vorgenommen, nur zu Duschen und dann sofort ins Bett zu gehen. Und dann sind so viele Leute da“, berichtet Harms von einer gründlich gelungenen Überraschung.

Die Spiele in Lausanne waren natürlich ein Thema, bei denen sich Celine auch auf das Verfolgen der anderen Sportarten freut, vor allem auf Eishockey und Skeleton. Zu den Skeletonis zählte sie selbst bis vor eineinhalb Jahren noch, ehe man ihr am Olympiastützpunkt in Winterberg zu einem Umstieg zum Bobfahren riet. Wofür einiges an Überzeugungsarbeit nötig war. „Die kamen zu mir und sagten, dass ich genau das Alter für die Jugend-Winterspiele habe, dass Größe und Statur passen würden. Ich habe nur gedacht: ,Ja, ja, ist klar.’ Dass es so kommt, hätte ich vor zwei Jahren nicht gedacht.“

Erster Versuch „eine Katastrophe“

Der erste Test machte es nicht besser. Statt des mit 32 Kilogramm schon recht schweren Skeleton galt es für die damals 14-Jährige einen 170-Kilogramm-Bob anzuschieben. „Wie ich den in Bewegung gebracht habe, das muss kurios ausgesehen haben. Das Ding in Bewegung zu bringen, dann reinzuspringen… es war eine totale Katastrophe.“

Harms machte aber weiter und nahm besonders athletisch eine prima Entwicklung. Bei den ersten Rennen der Omega-Youth-Series im vergangenen Frühjahr verlor sie beim Anschub im Schnitt zwei bis drei Zehntelsekunden zu den besten Starterinnen, nun ist es nur noch gut ein Zehntel. Klingt nicht nach viel, ist es im Bobsport aber.

Möglich gemacht hat die Entwicklung Andreas Neagu, Stützpunkttrainer in Winterberg, der seinen Schützling regelmäßig zum Athletik-, Kraft- und Bahntraining bat.

„Fahrerisch hatte Celine immer ein gutes Verständnis. Als sie im Sommer gesehen hat, dass sie bei den Anschubzeiten nicht mehr so weit weg ist, hat sie endgültig Blut geleckt. Ich denke, wir haben bisher das Maximale rausgeholt“, sagt Neagu, der Harms’ Fleiß lobt und betont: „Die ganze Sache funktioniert nur, weil die Familie dahintersteht. Celine wohnt ja nicht um die Ecke.“ Von Schameder sind es mit dem Auto 35 Minuten zur Kappe bei Winterberg. Für die sportliche Perspektive und der Adrenalinschub nahm Celine Harms den enormen Aufwand gerne hin. „Wenn du so ein Ziel vor Augen hast, hilft das natürlich. Und für das Fahren habe ich mittlerweile ein Gespür entwickelt. Inzwischen verstehe ich auch ein bisschen die ganze Physik dahinter“, sagt Harms, der dies in der Schule aber nicht hilft. Sie schmunzelt: „Da stehe ich in Physik bei einer soliden Drei.“

Montags geht es zur Feuerwehr

Die Schule hat Celine ebensowenig aus den Augen verloren wie die Feuerwehr, bei der sie weiter montags dabei ist. Und was sagen die Kameraden und die Mitschüler zu Harms’ ungewöhnlichem Hobby? „Wenn es heißt, dass ich wieder zwei Wochen fehle, verdrehen manche die Augen. Aber im Grunde sagen alle, dass sie es megacool finden.“

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben