Kreisliga-Legende

Christian Diestler: „Im Endeffekt sind wir eine Familie“

Christian Diestler vom FC Ebenau, hier in einer Szene im August, hat den Ball sicher in seine Pranken. Als Torwart zeichnet er sich vor allem durch seine Reflexe und durch seine Erfahrung aus. Sonntag bestreitet er sein 500. Punktspiel.

Christian Diestler vom FC Ebenau, hier in einer Szene im August, hat den Ball sicher in seine Pranken. Als Torwart zeichnet er sich vor allem durch seine Reflexe und durch seine Erfahrung aus. Sonntag bestreitet er sein 500. Punktspiel.

Foto: Hans Peter Kehrle

Elsoff.  Christian Diestler vom FC Ebenau bestreitet sein 500. Punktspiel. Ein Gespräch über Derbys, eingerenkte Finger und was Kreisligafußball ausmacht

Als Christian Diestler 2001 das erste Mal für die Senioren des TuS Elsoff im Tor stand, hatte Oliver Kahn mit drei gehaltenen Elfmetern dem FC Bayern den Champions-League-Sieg beschert. 18 Jahre wartet nun sein Jubiläumsspiel gegen die SG Siegen-Giersberg II. Dabei hatte der Routinier, dessen Verein längst Teil des FC Ebenau ist, die Torwarthandschuhe eigentlich schon ad acta gelegt. Ein Gespräch über Lokalderbys, eingerenkte Finger und was Kreisligafußball ausmacht.

Herr Diestler, die obligatorische Frage vorab. Wie sehr freut sich Ihr Körper auf das 500. Meisterschaftsspiel?

Christian Diestler: Ich spiele ja seit meinem sechsten Lebensjahr Fußball, hinzu kommen auch noch 26 Jahre Volleyball. Natürlich knirschen da die Knochen inzwischen. Doch ich hatte bis auf Bänderdehnungen und ein paar ausgekugelte Finger nie große Verletzungen. Das Schlimme ist gerade: Ich habe mich beim Volleyballtraining etwas verletzt. Ich hoffe, dass ich Sonntag überhaupt spielen kann.

Einen Moment mal. Ein „paar ausgekugelte Finger“?

Ja, das ist zwei, drei Mal passiert. Ich kann mich noch an ein Spiel in Salchendorf erinnern. Da denke ich plötzlich: Warum steht der kleine Finger meines Handschuhs nach oben? Da stimmt doch was nicht! Ich habe das erst gar nicht registriert. Hinter meinem Tor liefen sich Spieler von Siegen-Giersberg warm, die ich um Hilfe bat. Einer sagte, dass er sich damit auskenne. Handschuhe aus, Hand hoch, Finger eingedreht, fertig! (lacht)

Apropos Siegen-Giersberg. Wie kam es, dass Ihr Jubiläumsspiel gegen die Grün-Weißen in ihrem Elsoffer „Wohnzimmer“ stattfindet? Schließlich hat der FC Ebenau in Schwarzenau und Beddelhausen zwei weitere Plätze.

Ja, es war schon mein persönlicher Wunsch, dieses Spiel hier in Elsoff auszutragen. Ich wohne in direkter Nähe des Sportplatzes, um den ich mich seit 15 Jahren als Platzwart kümmere. Dass es so kommt, war ja eigentlich nicht geplant. Im Sommer kam unser Trainer auf mich zu und teilte mir mit, dass mein geschätzter Torwartkollege Julian Benner erstmal nicht zur Verfügung steht. Also habe ich zugesagt. Dann kamen fünf Wochen Vorbereitung, das war schon nicht einfach. Aufwärmprogramme wie früher sind nicht mehr drin, ich kann das nur noch mit Auge und Erfahrung machen. Der Rasenplatz in Elsoff ist ein spezieller, manchem Gegner graut es vor dieser Kultstätte.

Welche besonderen Momente kommen Ihnen in den Sinn?

Puh, das sind natürlich viele. Der Platz ist speziell, weil er mit 90 m Länge und 54 m Breite eben sehr klein ist. Wenn spielstarke Gegner auf uns zukommen, versuchen wir die natürlich hier und nicht auf dem großen Platz in Beddelhausen zu knacken. Als besonderer Moment ist mir mein erstes Spiel für die Senioren in guter Erinnerung geblieben – ausgerechnet ein Lokalderby gegen Schwarzenau, das wir mit 4:2 gewannen. Da ging mir ganz schön die Pumpe! (lacht) Oder kürzlich das Pokalspiel gegen den TuS Erndtebrück, wo ich auch am darauffolgenden Sonntag noch Muskelkater hatte. Hier waren 200 Leute, das hat nochmal richtig Bock gemacht!

Seit Ihrem Debut 2001 hat sich auch im Kreisliga-Fußball viel getan. Wie hat sich das Spiel selbst verändert?

Besonders die Einführung der Dreier- oder Viererkette hat vieles verändert und war natürlich auch für mich eine Umstellung. Zum Beispiel muss ich einige Meter aus dem Tor kommen, um für Mitspieler besser anspielbar zu sein oder Flanken aus der Tiefe abzufangen. Gut, so weit wie Manuel Neuer laufe ich jetzt nicht heraus, weil ich weiß, dass ich so schnell nicht wieder hinten bin. (lacht)

Im Spiel gegen SV Feudingen II wurden Sie von allen Seiten für Ihr Fairplay gelobt, als Sie dem Schiedsrichter mitteilten, dass der Ball im Tor war und Feudingen so ausglich. Was ging ihnen in der Situation durch den Kopf?

Zunächst einmal ging mir vor dem Spiel durch den Kopf, dass es mein 499. Spiel und ein Derby ist, das ich auf keinen Fall verlieren wollte. Dann kam die Flanke angeflogen, auf einem Platz, der zu 80 Prozent unter Wasser stand. Ich packe zu und lege mich vor den Ball. Der Schiedsrichter konnte auf keinen Fall erkennen, ob Ball drin war oder nicht. Hinzu kam, dass es das erste Seniorenspiel für den jungen Schiri war, der auch noch unter Beobachtung stand. Ich sage es mal so: Wir spielen Kreisliga, im Endeffekt sind wir doch alle eine große Familie.

Sie hatten in Ihrer Laufbahn auch die Chance, Bezirksliga zu spielen. Warum wurde nichts daraus?

Ich war Mitte zwanzig und stand voll im Saft, da habe ich schon überlegt. An einen Anruf erinnere ich mich noch. Mein Handy klingelte am Samstagabend des Elsoffer Schützenfests. Zu der Uhrzeit war man ja schon ein bisschen „passend“, also habe ich um Rückruf am Montag gebeten. Und wann ging mein Handy wieder? Am Sonntag während des Festzugs. Dann habe ich erstmal nachgefragt, ob schon wieder Montag sei. (lacht) Nein, wie gesagt – ich habe da überlegt. Auch Unkosten wären bezahlt worden. Aber ich habe niemals für Geld gespielt und wollte das auch nie. Da sitze ich lieber nach dem Spiel bei einem Bierchen mit der eigenen und der gegnerischen Mannschaft zusammen. Das ist für mich Kreisligafußball: nicht gleich unter die Dusche rennen und direkt wieder abhauen, das gehört sich einfach nicht.

###### Weitere Infos ######

Seit seinem sechsten Lebensjahr spielt Christian Diestler leidenschaftlich Fußball. Auf dem heimischen Sportplatz in Elsoff kennt der Routinier „jeden Grashalm“ – was auch an seiner 15-jährigen Tätigkeit als Platzwart liegt.

Großes ist für das Jubiläumsspiel von seiner Seite aus nicht geplant. Freunde und Familie sind herzlich eingeladen, um anschließend bei ein paar Kisten Bier zusammenzukommen.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben