Fußball-Landesliga

Hannes Schneider: An der Seite seines Bruders

Hannes Schneider (l.) spielt beim VfL Bad Berleburg auf der Sechs vor der Abwehr – meistens an der Seite seines Bruders Benedikt (rechts verdeckt). Diese Konstellation ist für den 19-Jährigen eine extra Motivation

Hannes Schneider (l.) spielt beim VfL Bad Berleburg auf der Sechs vor der Abwehr – meistens an der Seite seines Bruders Benedikt (rechts verdeckt). Diese Konstellation ist für den 19-Jährigen eine extra Motivation

Foto: Florian Runte

Bad Berleburg.  Die Saison von Hannes Schneider beim VfL Bad Berleburg ist bisher von Höhen und Tiefen geprägt. Dennoch erfüllt er sich derzeit seinen Traum.

Es sind vermutlich jene Momente wie das Spiel im Fußball-Kreispokal am Mittwochabend, die Martin Uvira manchmal zweifeln lassen. Beinahe die gesamte Spieldistanz düpierte der Bezirksligist SuS Niederschelden den Landesligisten VfL Bad Berleburg und siegte am Ende folgerichtig mit 4:1.

Nach dem 2:1-Achtungserfolg drei Tage zuvor in der Liga über den SV Hüsten ist der Auftritt im Scheldener Rosengarten für Uvira ein Spiegelbild der vergangenen Wochen, da es seine Mannschaft nicht schafft, konstante Leistungen abzurufen: „Wir müssen uns eigentlich bei allen mitgereisten Zuschauern für diesen Auftritt entschuldigen“, erklärt der 43-jährige Trainer des VfL. Vor dem anstehenden Duell mit dem BSV Menden herrscht also eher Katerstimmung statt Zuversicht (14.30 Uhr, Huckenohl-Stadion Menden). Zumal Uvira den kommenden Gegner besonders auf physischer Ebene „als eine der besten Mannschaften der Liga“ ansieht – für das junge Bad Berleburger Team offeriert sich Charakterprobe und Chance zugleich. Mit einem Sieg wären die Odebornstädter nämlich wieder im Mittelfeld der Tabelle und zudem nach dem Pokalaus halbwegs rehabilitiert.

Chance beim TuS Erndtebrück in der Oberliga

Diese Hoffnung hat auch einer der Jüngsten im Kader des VfL, Hannes Schneider: „Ich hoffe, dass wir uns als Mannschaft die verbleibenden Spiele bis zur Winterpause nochmal zusammenraufen, da eigentlich Jeder von uns die Qualität hat, eine gute Partie zu spielen.“

Hinter dem Mittelfeldspieler selbst liegt bisher eine turbulente Saison, die – ähnlich wie die der gesamten Mannschaft – durchaus von Höhen und Tiefen geprägt war. Den schwierigen Saisonstart verfolgte der 19-Jährige überwiegend von der Bank aus, erst am fünften Spieltag, beim 6:1-Sieg über den VSV Wenden kam er an der Seite seines Bruder Benedikt auf der Sechs vor der Abwehr zu seinem Startelfdebüt – so wie er es sich immer gewünscht hatte. Denn mit seinem Wechsel im Sommer aus der A-Jugend des TuS Erndtebrück auf den Berleburger Stöppel konnte sich Schneider endlich den „Traum erfüllen, mit meinem Bruder zu spielen“. Dabei bestand am Pulverwald im zweiten Jahr der A-Jugend sogar die Chance, ins Oberliga-Team der Erndtebrücker zu rutschen.

Die Sommervorbereitung der Saison 2018/19 machte der gebürtige Sassenhäuser nämlich unter dem damaligen Trainer Ivan Markow mit und wusste bereits mit zarten 17 Jahren zu überzeugen. Letztlich entschied sich Schneider aber bewusst für den Wechsel zum VfL, allerdings nicht etwa – wie teilweise medial dargestellt – aus egozentrischen Gründen, sondern vielmehr aus persönlichen: „Mein Bruder und ich sind sechs Jahre auseinander, da ist es nicht selbstverständlich, dass man zusammenspielt“, so Schneider.

Nach seinem Startelfdebüt beim VfL setzte Uvira auch in den kommenden vier Partien auf den Jungspund, aus denen immerhin zwei Siege, aber auch drei Niederlagen resultierten: „Hannes ist für sein Alter schon extrem weit und hat es verdient zu spielen, aber er muss weiter hart an sich arbeiten“, lobt Uvira.

Ersatzgeschwächtes VfL Bad Berleburg

Umso ärgerlicher verlief dann aber die Partie gegen Rot-Weiß Hünsborn vor zwei Wochen (0:3). Beim Stand von 0:2 kassierte Schneider nach übermotiviertem Einsteigen gegen den RW-Keeper die Gelbe (29.) und kurze Zeit später wegen Ballwegschießens (38.) die Ampelkarte. „Die erste Karte war unnötig von mir, bei der zweiten hatte der Schiedsrichter vergessen, dass ich schon verwarnt war, denn eigentlich war das kein typisches Ballwegschießen“, erläutert Schneider und gibt aber zu, dass es ihm „ein bisschen an Erfahrung“ fehle. Ähnlich verhält es sich in so mancher Drucksituation, in der Schneider teilweise zu überhastet agiert. Auf der anderen Seite liest der zweikampfstarke Sechser für einen 19-Jährigen überraschend reif das Spiel und antizipiert Umschalt- oder Gegenpressingsituationen blitzschnell. Qualitäten, die wohl auch am Sonntag gegen Menden gefragt sein werden, denn mit Alexander Krowarz (Muskelbündelriss) und Christopher Geisler (Innenbandanriss) fallen zwei potenzielle Sechser aus. Zudem sind Yannik Lückel, Steffen Arnold und Tarek Benyagoub noch fraglich. Schneider steht dagegen bereit. Es ist, wie für das gesamte Team, eine Chance auf Wiedergutmachung.

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