Regel-Revolution

Volleyball: Jungen mischen jetzt in der Frauen-Kreisliga mit

Das Volleyballteam des VfL Bad Berleburg IV in der Frauen-Kreisliga mit (von links) Tobias Kühn, Marie August, Cathrina Schäfer, Paul Reinhard, Jakob Lach, Alexa Ekimowski, Miriam Lauber, Marius Wache und Mia Knebel.

Das Volleyballteam des VfL Bad Berleburg IV in der Frauen-Kreisliga mit (von links) Tobias Kühn, Marie August, Cathrina Schäfer, Paul Reinhard, Jakob Lach, Alexa Ekimowski, Miriam Lauber, Marius Wache und Mia Knebel.

Foto: Verein

Bad Berleburg.  Der Volleyball-Verband segnet eine von unten initiierte Revolution ab: Warum in der Frauen-Kreisliga jetzt auch Jungen mitspielen.

Die Volleyball-Kreisliga der Damen ist wiederauferstanden – auch dank männlicher und vor allem jugendlicher Unterstützung. Die Liga ist jetzt bunter und jünger. Weite Reisen sind das große Dilemma der Vereine, die – allen voran im Altkreis Wittgenstein – in der Volleyball-Diaspora ihr Zuhause haben. So führen Vereine wie der VfL Bad Berleburg oder die Siegerländer Vertreter VTV Freier Grund und TV Dresselndorf schon seit Jahrzehnten einen Kampf gegen weite Fahrten, wollen sie ihrer Sportart frönen.

Und je weniger Mannschaften aus dem Volleyballkreis Siegen/Olpe melden, umso weiter die Fahrten für die letzten Aufrechten. Die Nachwuchswerbung bereitet vielen Vereinen Sorgen. Innovative Maßnahmen sind gefragt. Nicht so ganz neu, aber im südlichen Südwestfalen noch nicht erprobt, ist die Einführung einer untersten Spielklasse, in der außer Frauenmannschaften jeden Alters auch männliche Teams der U16 sowie Mixed-Mannschaften am Spielbetrieb teilnehmen können.

Philipp Mörschel (CVJM Siegen) brachte den Antrag zur Einführung einer modifizierten Kreisliga für die Saison 2019/20 auf dem Kreistag ein – „trotz einiger Bedenken bezüglich eines akzeptablen Spielbetriebs in der Bezirksklasse“, wie es im Protokoll des Kreistags heißt. Die Delegierten stimmten jedoch geschlossen zu. Besondere Modalitäten legten die betroffenen Verein gemeinsam fest. Der Verband gab sein Placet.

VfL Bad Berleburg geht eine Klasse runter – als „Vize“

Vereine wie der VfL Bad Berleburg sind besonders betroffen. Weil Feudingen nicht mehr mitmischt und Biedenkopf einem anderen Verband angehört, müssen die Frauen vom Stöppel 50 Kilometer bis zum nächsten Gegner in Kauf nehmen – einfache Fahrt versteht sich. VfL-Abteilungsleiter Jürgen Reinhard kennt die Problematik nur zu gut: „In der Bezirksklasse müssten wir mehrfach in die Region Hagen fahren, das sind eineinhalb bis zwei Stunden.“

Nach Einführung der neuen Kreisliga zog er die Reißleine und zog seine zweite Mannschaft, letztjähriger Vizemeister der Bezirksklasse, zurück. Er rechtfertigt den sportlichen Rückschritt wie folgt: „Mit Emma Althaus, Lara Böttger und Jana Lauber gehören jetzt drei starke Jugendspielerinnen zum Stammkader unseres Landesliga-Teams, die noch im Vorjahr in der Bezirksklasse spielten. Diese vereinsinternen Umstrukturierungen führten zur Auflösung unserer zweiten Mannschaft.“

Massenflucht aus der Bezirksklasse 8

An diesem Fall zeigt sich das Dilemma der peripheren Lage des Wittgensteiner Vereins. Die Bestandsaufnahme ergab, dass neben dem VfL Bad Berleburg II nur noch der VC SFG Olpe V sowie die VTV Freier Grund II aus der alten Bezirksklassengruppe übrig geblieben wären, erklärt Jürgen Reinhard weiter. „Alle anderen Teams zogen sich aus der Bezirksklasse zurück, wollten lieber in der Kreisliga starten. Dies hatte zur Folge, dass vier Teams aus dem Hagener Raum in die neue Bezirksklasse 8 umgruppiert wurden.“

VfL stellt auch ein Mixed-Team

Der Volleyballtrainer zieht ein klares Fazit: „In Anbetracht der personellen Schwächung sowie der deutlich weiter entfernten Auswärtsspielorte war für den VfL Bad Berleburg II der Rückzug aus der Bezirksklasse 8 die logische Konsequenz.“ In der Kreisliga Siegen/Olpe ist das Team nun als VfL Bad Berleburg III dabei, betreut von Uwe Homrighausen – und nach vier Spielen Tabellenführer. Zudem stellt der VfL ein Mixed-Team.

Vereine sind zufrieden

Die Liga hat ihren Betrieb aufgenommen. Je vier Spiele haben die neun Vereine absolviert. Staffelleiter Sebastian Geisler vom CVJM Siegen ist zufrieden: „Es läuft sehr gut, es gibt keine Klagen. Wichtig sind regelmäßige Spiele ohne übermäßig lange Anfahrtswege. Die meisten jugendlichen Spieler können viele Erfahrungen sammeln.“

Dem pflichtet auch Reinhard bei: „Bis dato haben wir eigentlich nur positive Erfahrungen gesammelt. Das Mixed-Team des TV Attendorn spielt zwar ein wenig unkonventionell, ansonsten sorgt die Kombination Mädchen-/Damen-/Jungen-/Mixed-Teams für keinerlei Probleme. Im Gegenteil: Sie bereichert meines Erachtens den Volleyballsport auf Kreisebene, da so auch Vereine melden können, die geschlechtsspezifisch nicht genügend Spieler zur Verfügung hätten.“

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