Fußball-B-Liga

Nils Homrighausen: Der unermüdliche Kämpfer mit der Maske

Augen zu und durch: Nils Homrighausen vom TuS Diedenshausen ist in der B-Klasse als „Maskenmann“ bestens bekannt. Der Kapitän der Mannschaft von Björn Kleinwächter hat eine lange Leidenszeit hinter sich, riskiert für seinen Verein aber dennoch jeden Sonntag seine Gesundheit

Augen zu und durch: Nils Homrighausen vom TuS Diedenshausen ist in der B-Klasse als „Maskenmann“ bestens bekannt. Der Kapitän der Mannschaft von Björn Kleinwächter hat eine lange Leidenszeit hinter sich, riskiert für seinen Verein aber dennoch jeden Sonntag seine Gesundheit

Foto: Peter Kehrle

Diedenshausen.  Nach einem zweimaligen Nasenbeinbruch denkt Nils Homrighausen beim TuS Diedenshausen ans Aufhören. Doch am Ende siegt die Liebe zum Verein.

Nils Homrighausen weiß in dieser 19. Spielminute sofort, dass etwas nicht stimmt. Als der 24-jährige Fußballer im Spiel seines TuS Diedenshausen gegen den SV Schameder einen Ellenbogen unglücklich auf die Nase bekommt, lässt er sich mit der Vorahnung auswechseln, dass sein Nasenbein erneut gebrochen ist.

Ein Röntgenbild bestätigt diese Befürchtung und dennoch ist Homrighausen optimistisch, bald wieder auf dem Platz stehen zu können. So lief es zumindest rund acht Monate zuvor, bei seinem ersten Nasenbeinbruch. Damals hatte der gebürtige Wunderthäuser am viertletzten Spieltag der Kreisliga B im Jahr 2018 gegen den SV Feudingen einen Hinterkopf abbekommen, musste operiert werden, konnte aber bereits in der Sommervorbereitung wieder ins Training einsteigen.

Schnelle Rückkehr im Abstiegskampf

So soll es auch diesmal, Anfang März 2019, laufen, weshalb Homrighausen seinem damaligen Trainer Mirko Knichalla noch vor der Operation seine baldige Rückkehr ankündigt.

Es ist die menschliche Naivität und gleichzeitig der große Irrtum eines Kämpfers, der als Kapitän und Antreiber seiner Mannschaft in der Rückrunde aus purer Vereinsliebe unbedingt im Abstiegskampf helfen möchte. Denkt Homrighausen heute, fast sechs Monate nach jenem einschneidenden Ereignis im Schameder-Spiel, an die Momente nach der Operation zurück, fühlt sich seine damalige Zuversicht fast unwirklich an. „Ich wollte einfach nur so schnell wie möglich mithelfen, dass wir den Klassenerhalt hinbekommen. Mit einer solch schlimmen Zeit habe ich dann aber nicht gerechnet“, versichert Homrighausen. Unmittelbar nach der gut verlaufenden Operation liegt der 24-Jährige zu Hause im Bett und denkt, dass er krank wird, da aus seiner Nase Flüssigkeit läuft.

Doch bei näherer Betrachtung ist es Blut, was plötzlich in Strömen fließt und sich durch keine Maßnahme stoppen lässt. Vom Bad Berleburger Krankenhaus bringt ihn ein Notarzt noch in der Nacht in die Universitätsklinik nach Marburg. Zu speziell und zu akut ist die Verletzung Homrighausens, so dass sich der Notdienst in der Odebornstadt nicht an die frisch operierte Wunde an der Nase herantraute.

„Dort haben die Spezialisten meine Schienen, die mein Nasenbein befestigt haben, gezogen und mir eine lokale Betäubung verpasst“, erinnert sich der Fußballer zurück. Doch beim anschließenden Einsetzen der Tamponaden, die die Blutung endgültig stoppen sollten, spürt Homrighausen wenig von den Schmerzmitteln.

„Das waren bisher die schlimmsten Schmerzen, die ich im Leben durchmachen musste.“ Immer wieder müssen die Ärzte unterbrechen, weil der Kreislauf des 24-Jährigen ob der physischen Belastung kollabiert.

Nach eineinhalb Stunden ist der Eingriff vorbei und Homrighausen sowohl körperlich als auch mental am Ende. „Selbst meine Familie meinten, dass sie mich noch nie in einer solchen Verfassung gesehen haben“, erklärt der 24-Jährige, der noch während des Eingriffes den Entschluss fasst, seine Gesundheit nie wieder für den Fußball aufs Spiel zu setzen.

„Ich hatte einfach das Gefühl, dass mein Kopf platzt und dachte mir dann, dass es das nicht wert sei“, führt er weiter aus. Die darauffolgenden Tage erlebt Homrighausen eher in Trance. Anrufe und Besuche seiner Fußballkameraden und sonstiger Freunde nimmt er kaum wahr. Erst nach rund einer Woche stabilisiert sich sein Zustand und er darf wieder nach Hause.

Rückkehr aus Liebe zum Verein

In der Rolle des Zuschauers sieht er zu, wie seine Mannschaft den Klassenerhalt schafft – und verspürt beides: Lust auf Fußball, aber auch Angst vor erneuten Schmerzen.

„Ich liebe diesen Verein und wollte eigentlich nicht, dass es so endet. Doch die Erfahrungen haben mich sehr geprägt“, gibt der Wunderthäuser unverblümt zu. Erst als ein Fan, laut Homrighausen der „treueste Anhänger des TuS Diedenshausen“, ihm eine extra angefertigte, 250 Euro teure Carbon-Maske für das Gesicht finanziert, kehrt Homrighausen doch nochmal zurück. Mitte Juli läuft er in einem Freundschaftsspiel wieder für seinen TuS Diedenshausen auf – mit Maske und Kapitänsbinde.

Heute liegen rund 16 Spiele hinter dem Mittelfeldspieler und seiner Verletzung. Er merkt die Maske während des Spiels mittlerweile „nur noch sehr selten“. Eher fühlt er sich so sicherer und würde ohne den Schutz nicht mehr auflaufen. Bei einem dritten Nasenbeinbruch wäre nämlich „sofort Feierabend“, denn dafür spiele er halt ‚nur‘ in der Kreisliga B und dafür war das vergangene Frühjahr eindeutig zu prägend.

Zur Person

„Seit es möglich war“, schnürte Nils Homrighausen die Schuhe für den TuS Diedenshausen. Dort ist er laut eigener Aussage bestens verwurzelt und spielt seit Jahren mit seinen Freunden in einer Mannschaft.

Deswegen wollte der gebürtige Wunderthäuser, der in Hallenberg bei einer Metallbau-Firma arbeitet, auch unern mit dem Fußball aufhörn.Ein Wechsel kam für den zweikampfstarken Mittelfeldspieler niemals in Frage.

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