Bittere Zweitliga-Pleite

TuS Ferndorf von Bayer gerupft und zerlegt

Julius Lindskog Andersson, Tim Rüdiger, Marijan Basic, Jan Wicklein und Jonas Müller (v.l.): Gesichter, die Bände sprechen.   

Julius Lindskog Andersson, Tim Rüdiger, Marijan Basic, Jan Wicklein und Jonas Müller (v.l.): Gesichter, die Bände sprechen.   

Foto: Reinhold Becher

Kreuztal.  Mit 22:34 (8:15) erlebt der TuS Ferndorf gegen Bayer Dormagen eine seiner schwärzesten Stunden in der 2. Handball-Bundesliga.

Dass in der Kreuztaler Stählerwiese mal die Trommeln schweigen, kommt selten vor. Doch auch die „Füchse“ des TuS Ferndorf hatten am Samstagabend erkannt, dass ihre lautstarke Schlagzeug-Unterstützung die Mannschaft nicht mehr nach vorne peitschen wird. Spätestens nach 40 Minuten war dann auch dem Rest der Anhängerschaft klar, dass an diesem Abend kein Kraut gewachsen war gegen die deklassierende Heimschlappe gegen den TSV Bayer Dormagen. Am Ende hieß es aus Sicht des TuS 22:34 (8:15). Eine Welt, denn mit Zweiter Bundesliga hatte dieser Auftritt der Nordsiegerländer wahrlich nichts zu tun.

„Ich lasse da auch nicht gelten, dass wir mit Jonas Faulenbach, Moritz Barwitzki, Branimir Koloper, Andreas Bornemann und Lucas Puhl fünf wichtige Spieler nicht im Kader hatten. Auch mit einer C-Jugend suche ich meine Chance im Spiel“, war ein maßlos enttäuschter Trainer Michael Lerscht vom Auftritt seiner Mannschaft natürlich nicht erbaut.

In allen Belangen unterlegen

Außer der 1:0-Führung durch den von Julius Lindskog Andersson verwandelten Siebenmeter lief der TuS den Rest der Partie hinter der Musik her. Den Takt machte von Beginn an der Gast, der selten bis nie in der Vergangenheit gegen die Ferndorfer in einer dermaßen dominanten Rolle war. „Wir haben die richtige Antwort auf die peinliche Niederlage vor einer Woche im Derby gegen Krefeld gefunden. Ich bin stolz auf die Mannschaft“, hatte Gäste-Coach Dusko Bilanovic nach den 60 Kreuztaler Minuten allen Grund, die Leistung seines Team in allen Belangen zu loben.

In allen Mannschaftsteilen stellten die Rheinländer die besseren Kräfte auf die Platte. Beginnend beim überragenden Torhüter Sven Bartmann, der die Ferndorfer Versuche reihenweise entschärfte, es auf mehr als ein Dutzend Klasse-Paraden brachte und seine Gegenüber Tim Hottgenroth und Marin Durica klar in den Schatten stellte. Allerdings muss dazu gesagt werden, dass auch die Defensiv des TuS zu keinem Zeitpunkt den Zugriff fand und die Torhüter dadurch allzu oft auf sich allein gestellt waren.

Hinten also große Defizite, vorne baute sich die flexible 6:0-Abwehr der Dormagener wie eine Wand auf Kamen die „Roten“ mal durch - ob von außen oder durch die Mitte - stand da der Keeper wie der sagenhafte Zerberus vor dem Hades.

Als Ante Grbavac von der halblinken Position in der 12. Minute auf 7:3 für Bayer stellte, deutete sich an, dass an diesem Abend ein Debakel bevorstehen könnte.

Beim 11:4 (21.) durch Joshua Reulands verwandelten Strafwurf hatte dieser Eindruck weitere Formen angenommen. Doch war das der Zeitpunkt, als die Ferndorfer noch mal „aufmuckten“, als nach einer Auszeit Gegenwehr spürbar wurde. Drei Treffer in Folge ließen ein zartes Pflänzchen namens Hoffnung keimen. Julian Schneider und zwei verwandelte „Marken“ von Lindskog Andersson - beim 7:11 nach 25 Minuten wachte auch das Publikum nochmal auf.

Doch war das der einzige Zeitraum, in dem der TuS anzudeuten wusste, dass er sich gegen die drohende Schlappe aufbäumen könnte. Als die Gäste die Zügel wieder anzogen, über 13:8 auf den Halbzeitstand von 15:8 stellten, war bereits klar, dass dieses Pflänzchen keine Chance haben würde, Blüten zu treiben.

„Wir waren einfach nicht präsent, haben in vielen Fällen zu früh den Abschluss gesucht, waren einfach in allen Belangen die schlechtere Mannschaft.“ Michael Lerscht nahm kein Blatt vor den Mund, als er im Foyer der Halle zur ersten Analyse schritt. Ein schwerer Gang für ihn durch enttäuschte Fans.

„Gut, dass jetzt erstmal Pause ist“, lautete der Tenor beim Blick in die Gesichter der Zuschauer. Erst am Allerheiligen-Feiertag (1. November) geht es abends in Kreuztal ins Derby gegen den TV Hüttenberg. Bleibt zu hoffen, dass dann die erkrankten Faulenbach und Barwitzki, der angeschlagene Koloper wieder dabei sind. Die Sperre von Bornemann ist dann abgelaufen.

Auch wenn Coach Michael Lerscht das Fehlen dieses Quartetts nicht als maßgeblich für die Pleite ansieht, er hätte die Vier doch allzu gern dabei gehabt.

Ferndorf: Hottgenroth, Durica - Basic (2), Lucas Schneider (2), Mathis Michel (2), Neitsch (1), Wicklein (3), Julian Schneider (1), Rüdiger (1), Lindskog Andersson (7/4), Müller (2), Weber (1), Rink.

Dormagen: Bartmann, Bolek; Reuland (8/4), Köster (3), Meuser (2), Richter (1/1), Löfström (2), Thomas, Hüter (2), Braun (1), Malchonado (5), Sterba (6), Grbavac (5).

Schiedsrichter: Jan Lier, Manuel Lier (Schmiden).

Spielfilm: 1:0 (3.), 2:5 (10.), 3:8 (15.), 7:11 (25.), 8:15 (Halbzeit); 11:16 (35.), 13:20 (40.), 14:24 (45.), 16:27 (50.), 22:34 (Scluss).

Zuschauer: 1016.

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