Formel 1

Acht Rennställe in Top Ten: Formel 1 ist so bunt wie nie

Ein Sport, viele Farben: Aktuell liegen Fahrer aus acht verschiedenen Rennställen unter den besten zehn der noch jungen Formel-1-Saison. 

Ein Sport, viele Farben: Aktuell liegen Fahrer aus acht verschiedenen Rennställen unter den besten zehn der noch jungen Formel-1-Saison. 

Foto: imago

Sakhir.  Zwar dominierte Ferrari-Pilot Vettel die ersten beiden Rennen der Saison. Doch auch jenseits des Duells mit Mercedes bietet die Serie aktuell viel Spannung.

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Vier Worte reichen, um das zu beschreiben, was die Formel 1 – ausgerechnet bei einem Flutlichtrennen – aus dem Zwielicht bringt. Es ist das Fazit des Serienvermarkters Liberty Media nach dem Spektakel von Bahrain, aus dramaturgischen Gründen mit Punkten dazwischen versehen: „Was. Für. Ein. Rennen.“ Betrachtet man den zweiten Grand Prix des Jahres, der sprichwörtlich von der ersten bis zur letzten Runde spannend war, relativiert sich das ganze politische Geplänkel in der Formel 1. Was auf dem Asphalt passiert, zählt.

Vettel macht’s wie Schumacher

Dass Sebastian Vettel in seinem 200. Grand Prix auch das zweite Saisonrennen für sich entscheiden konnte, ist purer Schumi-Style – vor 14 Jahren war Ferrari letztmals mit zwei Erfolgen hintereinander in ein Rennjahr gestartet. Das lag an der grandiosen Leistung des Heppenheimers, dessen einzige Chance gegen Valtteri Bottas und Lewis Hamilton darin lag, sich den letzten Reifenwechsel zu schenken – und 39 Runden mit gebrauchten Gummis durchzuhalten. Samt kleiner Flunkereien über den öffentlichen Funk: „Ich habe zehn Runden vor Schluss gesagt, dass ich alles im Griff habe. Aber das war gelogen, ich konnte das Auto kaum noch auf der Strecke halten. Wir haben etwas gemacht, was laut Simulationen gar nicht möglich war.“ Eine Runde noch, und Angreifer Bottas hätte den Renn- und WM-Spitzenreiter gehabt. So aber hat die Welt den Auftritt eines hessischen Reifenflüsterers erlebt.

Vettel selbst, der ewige Mahner, versucht die Favoritenrolle (schon wieder) nicht anzunehmen: „Ein bisschen fehlt noch, es liegt Arbeit vor uns.“ Aber: „Unter solchen Bedingungen wie in Bahrain zu gewinnen, ist noch befriedigender. Das Ziel ist es, auf dem Niveau weiterzufahren.“

Mercedes-Teamchef Toto Wolff schmerzt es, dass seine Truppe zum zweiten Mal das Nachsehen hatte in einem Rennen, das der Titelverteidiger hätte gewinnen können. Zu konservativ war man aber im Fernduell mit den Ferrari-Taktikern gewesen, Bottas wie Hamilton hätten schneller gekonnt. Das gibt Anlass für interne Diskussionen. „Es geht eng zu, wir müssen bessere Arbeit abliefern. Wir können nicht behaupten, das bessere Auto zu haben. Ferrari ist eine Macht“, weiß der in die Defensive gezwungene Titelverteidiger. Trotzdem: auch die Aufholjagd allein hat schon pures Adrenalin freigesetzt. Ferrari-Teamchef Maurizio Arrivabene, der sich mit jedem Erfolg weiter von seinen internen Kritikern emanzipiert, frohlockt: „Dieses Rennen war die beste Antwort an jene, die die Formel 1 für langweilig halten.“

„Dieser Sport ist so brutal“

Aber wen schert das groß, denn der Blick auf das Zeitentableau in der Wüste lehrt noch etwas anderes: die Formel 1 ist so bunt wie nie, die großen Geschichten spielen sich auch jenseits des Zweikampfs zwischen Rot und Silber ab. Das Ausscheiden der Red-Bull-Hoffnungen Max Verstappen und Daniel Ricciardo inbegriffen. „Dieser Sport ist so brutal, er kann einem auch das Herz aus dem Leib reißen“, sagt der Australier. Max Verstappen immerhin hatte sich sein Ausscheiden selbst zuzuschreiben, weil selten drei Autos in vollem Tempo durch eine Kurve passen. Unfallgegner Hamilton machte es besser, indem er gleich drei Autos auf einen Schlag überholte.

Auch schafft es der Franzose Pierre Gasly mit Toro Rosso auf den vierten Rang, vor allem schafft er es mit dem viel gescholtenen Honda-Motor. Und er landet dabei vor Fernando Alonso im McLaren. Der Überraschungsrennstall Haas-Ferrari mischt auf Rang fünf ebenso mit wie der Emmericher Nico Hülkenberg im Werks-Renault als Sechster, und auch der Schwede Marcus Ericsson im Sauber-Ferrari verhindert seinen Minusrekord von 50 punktlosen Rennen in Folge. Momentan liegen acht verschiedene Rennställe in den Top Ten. Das macht Lust auf den Großen Preis von China, der am Sonntag (8.10 Uhr deutscher Zeit/RTL) ansteht. In Schanghai muss der Beweis angetreten werden, dass die Formel 1 eine Action-Sportart ist – und bleibt.

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