Formel 1

Hamilton vor dem Titel: Was Mercedes besser macht

Bald wohl wieder Formel-1-Weltmeister: Lewis Hamilton.

Bald wohl wieder Formel-1-Weltmeister: Lewis Hamilton.

Foto: Getty Images

Suzuka.  Lewis Hamilton hat den WM-Titel in der Formel 1 so gut wie sicher. Der Rivale von Sebastian Vettel ist das, was Vettel gern wäre: ein Kapitän.

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Wie es aussieht, wenn Mercedes die Dinge auf die Spitze treibt in der Formel 1, war beim Großen Preis von Japan mit dem zweiten Doppelsieg in Folge eindrucksvoll zu besichtigen. Lewis Hamilton wollte gar nicht mehr aufhören, seinen Rennstall zu loben, er nahm ein ausgiebiges Bad in einem Meer von Sympathie unter seinen silbernen Mannen. In nur sechs Wochen haben der Brite und seine Truppe diese WM nicht bloß umgedreht, sondern fast schon entschieden – 67 Punkte hat der Titelverteidiger jetzt Vorsprung auf Sebastian Vettel. Mercedes ist es gelungen, den Heppenheimer und Ferrari in die Enge zu treiben, und unter Druck passieren die meisten Fehler.

Es ist der lange Atem, den Hamilton einmal mehr zeigt. Die zweite Saisonhälfte ist für gewöhnlich seine bessere, er muss sich, wie er es von seinen Freunden aus dem Musikbusiness kennt, erst eingrooven. Er muss dazu auch wütend werden, auf sich, sein Auto oder den Gegner. Aber nie, und das ist der Unterschied zu seiner ersten fahrerischen Ära bei McLaren, auf das Team. Denn es ist sein Team, er ist der Mannschaftskapitän, der Sebastian Vettel so gern wäre bei Ferrari, wo man ihn aber nicht lässt.

Mercedes hat den richtigen Mix

Das scheint es zu sein, was der Scuderia auf dem Weg zu ihrem ersten Titelgewinn fehlt. Ferrari-Chef Maurizio Arrivabene spricht von der mangelnden Erfahrung in seiner Truppe, andere sprechen von einem Führungsproblem. Toto Wolff und die von ihm geformte Mercedes-Mannschaft scheinen im entscheidenden Moment ausbalancierter, der Österreicher spricht vom „richtigen Mix“.

Die Leine, die Mercedes-Teamchef Wolff lässt, mag lang sein, aber sie kann auch sehr kurz angezogen werden. Nach der Niederlage gegen Ferrari auf der Powerstrecke von Spa Ende August hatte er eine Rundmail geschrieben, es war eine schriftliche Verweigerung: „Wir geben diese Weltmeisterschaft nicht auf. Wir müssen verstehen, was da passiert ist.“ Während sich Ferrari öffentlich Selbstvertrauen einreden ließ, fand Mercedes in der Rennfabrik von Brackley zurück zur Selbstsicherheit.

Das Ziel damals ist es gewesen, auf den drei kommenden, sehr unterschiedlichen Rennstreckentypen konkurrenzfähig zu sein. Das hat mit vier Siegen in Folge ziemlich gut geklappt. Vor allem deshalb, weil die Exerzitien in der Rennfabrik dazu geführt haben, dass man Reifennutzung und Aerodynamik endlich richtig verstanden hatte. Zuletzt war der Silberpfeil gut eine halbe Sekunde pro Runde schneller als Vettels „Loria“. „Es ist mir eine Ehre“, sagt Dauer-Sieger Hamilton, „für dieses Team zu fahren. Ich bin stolz darauf, Teil dieser Reise zu sein. Und wir sind noch nicht am Ende damit. Es ist ein Marathon, kein Sprint.“

Sebastian Vettel wird nicht eingebunden

Aus der jüngeren Formel-1-Historie ist nur ein Beispiel bekannt, in der Rennstall, Rennfahrer und Rennwagen sich derart beschleunigt und immer weiter gesteigert haben: Ferrari mit Michael Schumacher, Ross Brawn und Jean Todt. Natürlich misst sich Mercedes daran, das ist der Ansporn. Auch Arrivabene und seine Rennabteilung eifern dem Vorbild nach, dort aber wird es zum immensen hausinternen Druck. Anders als Schumacher zu Beginn des Jahrtausends wird Vettel zwar konsultiert bei wichtigen Entscheidungen, nicht aber aktiv involviert.

„Sie haben nicht nur eine Menge an Leistungsvermögen im Auto eingebüßt, sie wirken generell nicht mehr so stark wie zuvor“, bemerkt Hamilton. Aber das, sagt er, sei nicht sein Problem. „Ich kümmere mich nur darum, unser Potenzial zu maximieren.“

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