Paralympics

Streit um Russland bestimmt auch die Paralympics

Andrea Eskau führt Deutschland bei den Paralympics an.

Andrea Eskau führt Deutschland bei den Paralympics an.

Foto: dpa Picture-Alliance

Essen.  Am Freitag beginnen die Olympischen Spiele für Menschen mit Behinderung. Fast 600 Sportler kämpfen um 80 Goldmedaillen. Doping bleibt Thema.

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Am 25. Februar ist das Olympische Feuer in Pyeongchang erloschen. Knapp zwei Wochen hatten die Organisatoren Zeit, das olympische Dorf und die Sportstätten behindertengerecht umzubauen. Denn heute beginnen die Paralympics. Aber: Welche Sportarten gibt es da eigentlich? Wie kommen die Startklassen zustande? Und wie steht es um die Medaillenchancen der Deutschen?

Was sind die Paralympics?

Das Wort Paralympics setzt sich zusammen aus den englischen Wörtern paraplegic (doppelseitig gelähmt) und Olympics. Der erste Vorläufer war 1948 ein Sportfest für Rollstuhlfahrer. 1960 fanden die ersten Sommerspiele in Rom statt. 1976 feierten die Winterspiele ihre Premiere in Örnsköldsvik (Schweden). Das Internationale Paralympische Komitee mit Sitz in Bonn wurde erst 1989 gegründet.

Wer darf daran teilnehmen?

An den Paralympics dürfen Athleten teilnehmen, die eine dauerhafte Beeinträchtigung der Muskelkraft, der Sehfähigkeit oder der passiven Beweglichkeit haben, die Amputationen oder Fehlbildungen von Armen oder Beinen vorweisen, unterschiedlich lange Beine haben, kleinwüchsig sind oder an Krämpfen, Muskelsteifheit, Koordinationsstörungen oder unwillkürlichen, langsamen Bewegungen der Arme oder Beine leiden.

Hörgeschädigte Sportler haben ihre eigenen Olympischen Spiele, die Deaflympics. Geistig behinderte Sportler starten bei den Special Olympics.

Welche Sportarten gibt es bei den Winter-Paralympics?

Es gibt 80 Wettbewerbe in sechs Sportarten: Para Ski alpin, Para Langlauf, Para Biathlon, Rollstuhlcurling, Para Eishockey und Para Snowboard.

Bei den alpinen und nordischen Disziplinen starten die Sportler sitzend in einem sogenannten Ski-Bob oder stehend mit einem Begleitläufer. Beim Para Curling bewegen sich die Sportler im Rollstuhl über das Eis. Die Eishockeyspieler sitzen auf einem Schlitten mit einer Kufe. Sie haben zwei Schläger mit kleinen Nägeln, damit sie sich über die Eisfläche schieben können. Beim Para Snowboard starten Sportler mit Beeinträchtigungen der Arme und Beine.

Wie viele Nationen und Sportler sind dabei?

Bei den Paralympics starten 567 Athleten aus 48 Nationen. Dazu kommen die Russen, die als Neutrale Paralympische Athleten antreten. Mehr Teilnehmer und Nationen gab es bei Winter-Paralympics noch nie. Auch Nordkorea schickt ein Team. Allerdings werden die Sportler aus Nord- und Südkorea bei der Eröffnungsfeier nicht gemeinsam einlaufen. Zum deutschen Team gehören 20 Athleten und vier Begleitläufer.

Was ist mit den russischen Behindertensportlern?

Das Russische Paralympische Komitee bleibt suspendiert. Trotzdem dürfen 31 russische Behindertensportler in neutraler Kleidung und ohne Nationalhymne und Flagge starten. Diese Athleten sind laut IPC „nachweislich sauber“.

2014 hat Russland die Medaillenwertung mit 80 Medaillen klar vor Deutschland (15) gewonnen.

Wie reagieren die Deutschen?

Friedhelm Julius Beucher, Präsident des Deutschen Behindertensportverbands (DSB), hat kein Verständnis: „Wie will denn ein Sportler beweisen, dass er sauber ist, wenn sein Verband nachweislich Proben ausgetauscht hat oder verschwinden ließ?“ Auch die deutsche Teilnehmerin Anja Wicker meint, man hätte „ein klares Zeichen setzen“ müssen. Teamkollegin Andrea Eskau hingegen freut sich, dass die Russen dabei sind: „Ich kenne viele neutrale Athleten, und sie sind meine Freunde.“

Wie werden die Leistungen der Sportler vergleichbar gemacht?

Es gibt international anerkannte Startklassen. Im Ski alpin, Skilanglauf und Biathlon gibt es die Gruppen stehend (LW 1-9), sitzend (LW 10-12) und visuell beeinträchtigt (B1, B2 und B3). Damit aber nicht für jede Startklasse Medaillen vergeben werden müssen, wurde ein Prozentsystem eingeführt. Bei Sportlern mit einer großen Beeinträchtigung läuft die Zeit langsamer als bei Sportlern mit einem geringeren Handicap.

Wie sind die Medaillenchancen der deutschen Sportler?

Der DSB macht keine Medaillenvorgabe. Aber Präsident Beucher sagt: „Wir haben viele Weltcup-Sieger, Weltmeister und Olympiasieger – da ist man automatisch in der Favoritenrolle.“ Skifahrerin Anna Schaffelhuber ist der Star im deutschen Team. Die 25-Jährige gewann in Sotschi fünf Goldmedaillen. Andrea Eskau, die Fahnenträgerin der deutschen Mannschaft, ist sechsmalige Olympiasiegerin und 20-fache Weltmeisterin im Radsport, Biathlon und Langlauf.

Welche Prämien bekommen die deutschen Sportler für Medaillen?

Die Sportler bekommen in Deutschland die gleichen Prämien wie die nicht-behinderten Sportler. Für einen Olympiasieg gibt es 20 000 Euro, für Platz zwei 15 000 Euro und für Platz drei 10 000 Euro. Prämien für die Plätze vier bis acht gibt es bei den Paralympics allerdings nicht.

Wie kann man die Paralympics im TV verfolgen?

Anders als die Olympischen Winterspiele sind die Paralympics nur bei ARD und ZDF zu sehen. Die Wettkämpfe beginnen um 1.30 Uhr nachts deutscher Zeit mit Langlauf, Biathlon und Ski alpin. Vormittags gibt es Eishockey und Curling zu sehen. Das ZDF überträgt die Eröffnungsfeier heute live ab 12 Uhr. Die Schlussfeier (18. März) läuft ebenfalls um 12 Uhr auf sportschau.de und auf ONE.

Insgesamt zeigen ARD und ZDF mehr als 65 Stunden Livesport aus Pyeongchang. Tagsüber gibt es mehrere Zusammenfassungen. Laut Angaben der Sender hat sich der Umfang der Berichterstattung im Vergleich zu Sotschi 2014 mehr als verdoppelt. Für Menschen mit Behinderungen gibt es Online-Angebote in Gebärdensprache oder mit Audideskriptionen.

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