Interview

Eurosport-Sportchef Bauer: „Streaming ist die Zukunft“

Eurosport-Sportchef Gernot Bauer

Eurosport-Sportchef Gernot Bauer

Foto: Getty Images

Essen.  Gernot Bauer spricht im Interview über den Eurosport-Player, die digitale Zukunft und über das Erfolgs-Gespann Matthias Sammer/Jan Henkel.

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Die Premiere des Eurosport-Players lief alles andere als glatt. Dennoch ist Gernot Bauer, Sportchef von Eurosport, von den Streaming-Angeboten überzeugt. „Das ist die Zukunft“, sagt der 41-Jährige im Interview mit dieser Redaktion. Außerdem spricht er über die Gründe, warum Eurosport das Bundesliga-Spiel des 1. FC Köln gegen Borussia Dortmund im frei empfangbaren Fernsehen zeigt, und das Erfolgsgespann Matthias Sammer/Jan Henkel.

Zum Start des Eurosport-Players gab es massive technische Probleme. Bleibt die Rückrunde störungsfrei?

Gernot Bauer: So ein Einstand ist nicht normal und hat natürlich wehgetan. Wir haben die Fehler identifiziert und behoben und seitdem nicht mehr beobachten können. Wir haben keinen Grund davon auszugehen, dass irgendwas schieflaufen sollte.

Gleich dreimal traf es damals den Hamburger SV. Haben Sie eigentlich Mitspracherecht bei der Planung?

Bauer: Nein. Wir haben das Paket mit den Freitagsabend-, Sonntagsmittag-, und Montagsabendspielen. Wie diese festgesetzt werden, entscheidet allein die Deutsche Fußball-Liga. Natürlich haben wir bestimmte Wünsche und wollen attraktive Spiele zeigen. Da gehören die des HSV dazu. Dass es so oft der HSV war, konnten wir nicht beeinflussen. Das ist angesichts der Störungen natürlich ärgerlich, aber das liegt nicht in unserer Hand.

Der misslungene Start bestätigte die Skeptiker der Streaming-Angebote. Finden Sie, dass die Zeit für digitale Produkte wie den Eurosport-Player trotzdem reif ist?

Bauer: Selbst wenn die Zeit nicht reif ist, müsste man den Weg in die digitale Zukunft gehen. Ich glaube, dass wir gerade in einer Umbruchphase leben, wo die alte, analoge Welt besteht, die digitale aber mit großen Schritten kommt. Wenn man jetzt nicht in solche Produkte investiert, bleibt man auf der Strecke. Wir sind mit diesem Projekt ein Risiko eingegangen und wissen, dass es etwas ist, was die Fußballfans erst lernen müssen. Aber wir sind fest davon überzeugt, dass das die Zukunft ist. Darin werden wir weiter investieren.

Sie werden auch nach der Saison weiterhin auf den Eurosport-Player setzen?

Bauer: Absolut. Das zeigen auch die Olympischen Winterspiele, die kurz bevorstehen. Auch da werden wir den Eurosport-Player nutzen und über 900 Stunden Live-Programm zeigen, weil es die einzige Möglichkeit ist, jede Sekunde von jedem Wettbewerb zu zeigen. Diese Möglichkeiten haben wir im TV nicht. Wir übertragen Olympia umfangreich auf drei Sendern, über 450 Stunden auf zwei Sendern im Free-TV und auf einem im Pay-TV. Trotzdem sind linear die Kapazitäten begrenzt.

Für diese Vielfalt müssen Kunden immer mehr zahlen. Warum ist das so?

Bauer: Egal ob auf Netflix, Amazon Prime oder eben im Eurosport-Player, Premium-Inhalte müssen refinanziert werden und können nicht umsonst angeboten werden. Gerade Sportrechte werden immer teurer, das ist kein Geheimnis. Auch die Bundesliga versucht hier Schritt zu halten, aber es bezieht sich auf alle Bereiche, ob es die Formel 1 oder die Champions League ist. Unsere Bundesliga-Rechte dürfen wir nur gegen Bezahlung anbieten und nicht frei empfangbar ausstrahlen – Pay-TV war schon immer ein Modell für Sportrechte. In anderen Ländern ist das gang und gäbe, dass man für den Sport bezahlen muss. Wir haben in Deutschland eine sehr ausgeprägte Free-TV-Kultur mit 35 Sendern, die man quasi umsonst bekommt. Das konkurriert etwas mit der Situation bei Sportrechten.

Ein Bundesliga-Spiel je Halbserie dürfen Sie aber umsonst im Fernsehen zeigen. In der Hinrunde haben Sie davon keinen Gebrauch gemacht. Wie sieht es in der Rückrunde aus?

Bauer: Am 2. Februar zeigen wir um 20.30 Uhr das Spiel 1. FC Köln gegen Borussia Dortmund im Free-TV bei Eurosport. Wir steigen um 19.30 Uhr in die Vorberichterstattung ein mit Jan Henkel und Matthias Sammer. Beim Spiel wird Marco Hagemann Kommentator sein. Danach gibt es natürlich noch eine Nachberichterstattung.

Warum ist die Entscheidung auf dieses Spiel gefallen?

Bauer: Wir glauben, dass wir mit unserer Berichterstattung vor allem bei Spielen mit sehr viel Emotionen punkten. Köln und Dortmund sind beides Klubs mit sehr viel Leidenschaft – bei den Fans, bei den Spielern, bei den Verantwortlichen. Das Spiel bietet uns daher eine gute Plattform, um zu zeigen, wofür wir stehen: den Fußball leidenschaftlich und intensiv zu analysieren. Und unser TV-Experte Matthias Sammer war selbst in Dortmund tätig. Da passt einfach alles.

Sammer und Moderator Jan Henkel bekommen sehr viel Lob für ihre Analysen. Das Team scheint gut zusammen zu passen.

Bauer: Dabei haben wir uns natürlich etwas gedacht. Aber witzig ist: Wir haben beide unabhängig gefragt, wen sie sich wünschen würden. Beide haben jeweils den anderen Namen genannt. Das zeigt, was da für eine Verbindung ist. Matthias Sammer ist der absolute Top-Experte in Sachen Fußballanalyse, der das mit sehr viel Leidenschaft macht. Jan Henkel ist im Grunde der Dompteur, der ihm viele Freiheiten gibt und ihn dann aber wieder in die richtigen Bahnen lenkt. Die beiden sperren sich vor jedem Spiel den ganzen Tag im Meeting-Raum ein, um die Spiele der Kontrahenten aus verschiedenen Blickwinkeln zu analysieren. Das ist wahnsinnig intensiv und spannend zu beobachten.

Sie haben die Berichterstattung mal als „etwas nerdy“ beschrieben.

Bauer: Ich glaube, das ist das, was Fußballfans in den letzten Jahren vermisst haben. Es gibt viel Show, und das ist ja auch gut. Aber der leidenschaftliche Sportfan, den wir ansprechen, wünscht sich tiefergehende Analysen und Hintergrundwissen. Das kriegen wir mit den beiden sehr gut hin.

Diesem Sportfan bieten Sie neben der klassischen Berichterstattung auch Internet-Shows an.

Bauer: Wenn man sich zukunftsorientiert aufstellt, wäre es fahrlässig, diese jüngere Zielgruppe zu vernachlässigen. Das sind die Fans von morgen. Das sind die Leute, die uns in Zukunft gucken werden. Die muss man auf andere Art und Weise ansprechen.

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