Interview

Sky-Chef: „Borussia Dortmund Handball – würde funktionieren“

Verantwortlich für den Sport bei Sky: Roman Steuer.

Verantwortlich für den Sport bei Sky: Roman Steuer.

Foto: Sky

Essen.  Roman Steuer, verantwortlich für den Sport bei Sky, wünscht sich einen Westverein in der Handball-Bundesliga. Ein Interview über Rechte und mehr.

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Es sind bewegte Zeiten für den Pay-TV-Sender Sky. In der Bundesliga musste man einzelne Spiele an Eurosport abgeben, auch die Formel 1 wird nicht mehr gezeigt. Auf der anderen Seite stehen Reichweitenrekorde in der Bundesliga. Roman Steuer, Executive Vice President Sports bei Sky Deutschland und damit für den Bereich Sport verantwortlich, spricht im Interview über die Lage. Er nimmt seine Fußballkommentatoren gegen Kritik in Schutz, hat auch ein wenig Lob für die Konkurrenz übrig – und verrät, warum er sich einen Verein wie den Tusem oder Borussia Dortmund in der Handball-Bundesliga wünscht.

Herr Steuer, die Bayern stehen wieder einmal unangefochten an der Spitze der Fußball-Bundesliga. Schadet die Langeweile dem Geschäft?

Roman Steuer: Nein. Das Interesse ist so groß wie nie. Es kämpfen immer noch sehr viele Mannschaften um einen internationalen Platz und auch im Abstiegskampf steckt jede Menge Spannung. Wir haben gerade erst am 21. Spieltag mit 1,75 Millionen Zuschauern einen Allzeitrekord für die Bundesligakonferenz aufgestellt. Das Spiel von Borussia Mönchengladbach gegen Borussia Dortmund war mit 1,29 Millionen Zuschauern das stärkste Bundesligaspiel, das wir je ohne Beteiligung von Bayern München hatten. Wir hatten in der Hinrunde im Schnitt über alle unsere Verbreitungswege 4,9 Millionen Zuschauer, das war die reichweitenstärkste Hinrunde in der Sendergeschichte. Auch an den Olympiatagen lief es – das zeigt doch die starke Anziehungskraft der Bundesliga.

Dass jetzt mit Eurosport ein anderer Sender das Freitagsspiel überträgt, schmälert das nicht?

Steuer: Selbst wenn wir die Freitags-Reichweiten aus der Vorsaison mit einbeziehen, lagen die Reichweiten in der Hinrunde immer noch um 16 Prozent über dem Vorjahreswert. Natürlich hätten wir den Freitag gerne gehabt, aber das war aufgrund der Vorgaben des Bundeskartellamts nicht machbar. Von daher sind wir mit dem, was wir in unserem Sportrechteportfolio haben, äußerst zufrieden und aus unserer Sicht ist alles gut.

Welche Vereine locken eigentlich die meisten Zuschauer?

Steuer: Natürlich sind die Spitzenreiter Bayern und Dortmund. Dann kommen aktuell Schalke, Hertha, Köln und HSV. Besonders die Traditionsvereine ziehen viele Zuschauer an. Aber das hängt natürlich immer von den Spielbegegnungen ab, das kann man erst am Ende der Saison wirklich bewerten.

Sie haben in diesem Jahr die Kommentatoren Frank Buschmann, Jörg Dahlmann und Hansi Küpper neu dabei, deren Kommentarstil oft kritisiert wird. Wie sehen sie das?

Steuer: Ich bin immer ein Freund davon, sich an Dingen zu reiben, das ist mir viel lieber, als wenn sich etwas ohne Diskussion darüber einfach versendet. Wir haben bewusst diesen Schritt gewählt, noch emotionaler, noch leidenschaftlicher im Kommentar zu werden. Dafür stehen diese drei Kollegen. Wir beobachten auch das, was zum Beispiel in den sozialen Netzwerken geschrieben wird. Ich habe grundsätzlich ein Problem mit Beschimpfungen unterhalb der Gürtellinie.

Ihr Konkurrent Eurosport dagegen bekommt für seine Übertragungen und insbesondere für die Begleitung durch Jan Henkel und Matthias Sammer viel Lob.

Steuer: Jan Henkel und Matthias Sammer haben ja, wenn man so will, die Sky-Schule genossen. Sie machen einen guten Job. Aber wir sind am Samstag sehr gut besetzt, decken viele Felder ab – mit Lothar Matthäus, mit Reiner Calmund, der dann eher von der Ex-Manager-Seite kommt, und mit Christoph Metzelder. Man darf nicht vergessen, dass wir acht Stunden abdecken, mit fünf Spielen am Nachmittag und dem Topspiel am Abend.

Vor der Saison gab es Verhandlungen darüber, ob Eurosport die Spiele auch über Sky ausstrahlt, was letztlich scheiterte. Gibt es zur kommenden Saison einen neuen Anlauf?

Steuer: Wir sind immer gesprächsbereit für mögliche Lösungen.

Also laufen derzeit noch keine Gespräche?

Steuer: Eurosport und Sky verbindet eine langjährige Partnerschaft, daher gibt es immer Gespräche zwischen den Häusern. Aber es gibt aktuell keinen neuen Stand.

Eurosport hat Ihnen einige Bundesligaspiele abgenommen. In der Champions League wird DAZN Partien übernehmen. Die Formel 1 werden Sie künftig nicht mehr übertragen. Ihnen gehen attraktive Rechte verloren…

Steuer: Zunächst mal ist ein erster großer Schritt in Deutschland vollzogen worden, dass die Champions League nur noch im Pay-TV stattfindet – das ist erstmals bei einem so hochwertigen Rechtepaket der Fall. Das finde ich grundsätzlich großartig. Ja, es gibt eine Vereinbarung mit DAZN, aber alle Spiele und alle Tore gibt es weiterhin nur in der Sky-Konferenz. Und alle Entscheidungsspiele der deutschen Mannschaften wird man live und in voller Länge nur bei uns sehen.

Also die Rückspiele in der K.o.-Runde.

Steuer: Ja. Und dann haben wir künftig einen klassischen Wettbewerb, da kann man sehen: Wie macht DAZN das, wie machen wir das? Darauf freue ich mich, das ist hochspannend.

Aber sie hätten schon lieber das gesamte Paket?

Steuer: Manche Dinge sind eben nicht realisierbar. Auch bei der Formel 1 gab es für uns zwei Wege: Weiter wie bisher, was wir nicht wollen. Oder einen so hohen Level an Exklusivität für uns, dass es für unsere Kunden einen deutlichen Mehrwert schaffen würde. Das war nicht möglich, deswegen haben wir uns dagegen entschieden.

Den Kunden allerdings gefällt es nicht, wenn das Angebot abnimmt.

Steuer: Das Kundenfeedback nehmen wir natürlich ernst. Es ist klar, dass die Reaktionen bei einem Wegfall von Rechten nicht immer ganz positiv sind. Aber wir sind letztes Jahr stark in Vorleistung gegangen und haben unser Rechteangebot stark erweitert: etwa durch Handball und Tennis. Beiden Sportarten geben wir viel Platz auf dem Sender – rund 2.000 Stunden Spitzenhandball und Spitzentennis live. Mit „Wontorra - der Kia Fußballtalk“ haben wir ein Format bei Sky Sport News HD im Free-TV installiert, das sehr gut läuft. Wir sind inhaltlich sehr zufrieden und haben uns deswegen entschlossen, im nächsten Jahr weiterzumachen. Mit Handball haben wir eine ganz großartige Sportart ins Haus geholt. Neben der Champions League übertragen wir alle 306 Bundesligaspiele live - dazu 40 Konferenzen, was es so im Handball noch nie gab. Wir gehen da voran - mit einem hohen Maß an Exklusivität, anders als bei der Formel 1.

Und wie wird das angenommen?

Steuer: Wir müssen das aufbauen. Auch nicht jedes Fußballspiel funktioniert so gut wie Bayern gegen Dortmund. Unser reichweitenstärkstes Spiel der Hinrunde war Berlin gegen Flensburg, das haben 80000 Zuschauer geguckt. Insgesamt sind wir sehr zufrieden, an unserem besten Tag hatten wir 120000 Zuschauer in der Konferenz. Wir bauen da die zweite große Mannschaftssportart in Deutschland nach und nach weiter aus. Und ich bedaure sehr, dass Deutschland bei der Europameisterschaft nicht so weit gekommen ist, weil das wieder auf die Sportart eingezahlt hätte. Und wissen Sie, was uns noch fehlt?

Was?

Steuer: Ein richtiger Westverein wie früher der Tusem in Essen. Das würde uns gut zu Gesicht stehen, auch mit so einer Stadt im Hintergrund. Oder eine Herrenmannschaft von Borussia Dortmund. Borussia Dortmund Handball würde, glaube ich, funktionieren. Im Norden erleben wir es schon, bei Kiel oder Flensburg: Wenn die ein Auswärtsspiel in der Champions League haben, sind die Sky-Bars voll. Im Westen sind wir noch etwas unterrepräsentiert.

Und wenn Sie sich darüber hinaus etwas wünschen dürften?

Steuer: Mit dem Portfolio, was wir haben, bin ich eigentlich sehr zufrieden. Wir sind aber immer für neue Sportarten und Angebote offen, schauen uns vieles an. Und ansonsten wünsche ich mir die Bayern im Champions-League-Finale – das wäre ja auch für die Entwicklung des gesamten deutschen Fußballs wichtig. Je mehr deutsche Mannschaften weit kommen, desto besser ist es für alle – auch für uns.

Ihr Sport-Chefredakteur Burkhard Weber verlässt das Unternehmen. Wer ersetzt ihn?

Steuer: Erst einmal übernehme ich die Aufgaben kommissarisch. Für alles Weitere ist es noch zu früh.

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