Radsport

Corona-Fälle beim Giro: Die Blase hält nicht dicht

Für Steven Kruijswijk, Kapitän des Rennstalls Jumbo-Visma, ist der Giro vorbei.

Für Steven Kruijswijk, Kapitän des Rennstalls Jumbo-Visma, ist der Giro vorbei.

Foto: Imago

Lanciano.  Beim Giro d’Italia gibt es acht Corona-Fälle, zwei Teams ziehen sich komplett zurück. Kommt der Tross überhaupt am 25. Oktober in Mailand an?

Den Giro d’Italia holt die Corona-Pandemie ein. Am Dienstag haben mindestens acht Personen einen positiven Befund auf das Virus bekommen. Bereits Ende der vergangenen Woche wurde der britische Profi Simon Yates positiv getestet. Die Organisatoren hatten schnell reagiert: Der Mitfavorit wurde nach ersten Symptomen einem Schnelltest unterzogen, das positive Resultat erfuhr durch einen PCR-Test Bestätigung. „Daraufhin haben wir alle anderen Teammitglieder jeweils drei Mal getestet. Alle diese Tests waren negativ“, bilanzierte stolz Renndirektor Mauro Vegni.

Steven Kruijswijk positiv getestet

Vier Tage später hat sich die Situation verschärft. Gleich vier Mitarbeiter von Yates’ Rennstall Mitchelton-Scott wurden bei den am Ruhetag obligatorischen PCR-Tests positiv getestet. Es handelt sich allesamt um Betreuer, nicht um Fahrer. Es zeigt sich aber: Die Hygiene-Blase ist nicht dicht. Das australische Team wurde selbst zu einem veritablen Infektionsherd. Folgerichtig zog es sich am Dienstag komplett aus dem Rennen zurück. „Aus Verantwortung für unsere Fahrer und Betreuer, das gesamte Peloton und die Organisatoren haben wir die Entscheidung getroffen, den Giro zu verlassen“, teilte der Manager des Rennstalls, Brent Copeland, mit.

Die gleiche Reaktion gab es bei Jumbo Visma, auch wenn bei dem niederländischen Team lediglich Kapitän Steven Kruijswijk positiv getestet wurde. In der Folge meldete der Sportliche Leiter Addy Engels jedoch das gesamte Team ab. Grund sei auch die Sorge seiner Fahrer gewesen, im Peloton neben einem bereits infizierten, aber noch nicht positiv getesteten Kollegen zu fahren und sich so selbst einem Infektionsrisiko auszusetzen. Für das Team waren die beiden deutschen Profis Tony Martin und Christoph Pfingsten beim Giro unterwegs.

571 PCR-Tests am Ruhetag

Andere betroffene Rennställe reagierten weniger drastisch. Beim Team Sunweb wurde lediglich der infizierte Profi Michael Matthews aus dem Rennen genommen. „Ich bin enttäuscht, das Rennen auf diese Art verlassen zu müssen. Jetzt beginne ich meine Isolation und beobachte die Dinge aufmerksam“, erklärte der Australier. Seine Teamkollegen traten derweil zum Start der zehnten Etappe an, die der Slowake Peter Sagan gewann. Kapitän Wilco Kelderman ist Gesamt-Zweiter und hat Aussichten auf einen Podiumsplatz – wenn der Giro bis zur letzten Etappe am 25. Oktober nach Mailand kommt.

Das ist dann auch ein Unterschied zu Jumbo Visma: Kruijswijk lag auf Platz elf und wirkte nicht wie ein ganz klarer Podiumskandidat. Positive Fälle hatten ebenso die Rennställe Ineos Grenadiers und AG2R zu verzeichnen. Bei den Briten wie den Franzosen war jeweils ein Betreuer betroffen, der isoliert wurde. Gemäß den Regeln des Weltverbands UCI wurden am 11. und 12. Oktober 571 PCR-Tests bei Fahrern und Betreuern vorgenommen.

Über die Dynamik der Infektion schwieg sich der Veranstalter RCS aus. Realistisch ist, dass die insgesamt fünf positiven Fälle bei Mitchelton-Scott auf eine Quelle, eben Yates, zurückzuführen sind. Yates wurde am Freitag isoliert. Angesichts der Inkubationszeiten des Virus ist aber anzunehmen, dass er das Virus schon in sich trug – und so die anderen angesteckt haben mag. Von ihm oder über Teammitglieder könnte das Virus zu den anderen Fahrern und Betreuern gelangt sein.

Dicht an dicht im Peloton unterwegs

Hier zeigt sich das Problem der Hygiene-Blasen. So lange sie nach außen dicht bleiben, ist alles gut. Dringt das Virus aber ein, kann es sich leicht verbreiten. Die Profis fahren mehrere Stunden pro Tag im Peloton. Ein jeder steckt in der Atemwolke der anderen. Ist das Virus da, sind weitere Ansteckungen wahrscheinlich. Die Sorge der Jumbo-Visma-Profis, die Engels als Abreisegrund nannte, ist daher berechtigt.

Aktuell stehen die Rennställe und auch der Veranstalter vor der gewichtigen Frage: Weiterfahren, obgleich das Risiko von weiteren Ansteckungen da ist? Oder aus Gesundheitsgründen den Giro beenden? Mit Durchhalteparolen wartete zumindest schon einmal Renato Di Rocco, Präsident des italienischen Radsportverbands, auf. „Ich glaube nicht, dass der Giro d’Italia abgebrochen wird. Die Situation ist unter Kontrolle. Es ist richtig, das Rennen fortzusetzen, das aber mit erhöhter Aufmerksamkeit“, zitierte ihn die Tageszeitung Libero.

Die nächsten Tage, die Inkubationszeit des Virus nach diesen acht Fällen, werden die Antwort geben.

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