Formel 1

Die Formel-1-Fahrer gehen bis an die Grenze des Erlaubten

Vorsprung verteidigt: Charles Leclerc gewann den Grand Prix in Monza vor Valtteri Bottas.

Vorsprung verteidigt: Charles Leclerc gewann den Grand Prix in Monza vor Valtteri Bottas.

Foto: Reuters

Singapur.  Lange haben sich Formel-1-Fans nach Action gesehnt. Ihr Wunsch wurde erhört. Charles Leclerc gibt den Trend vor: Gefahren wird so hart es geht.

Das Limit in der Formel 1 ist immer nur eine gedachte Grenze. Das gilt für die Spitzengeschwindigkeit und den letztmöglichen Bremspunkt, ebenso wie für die Zweikämpfe. So oft, so eng, so wild wie in dieser Saison sind die Rennfahrer schon lange nicht mehr aneinandergeraten. Die Zweikämpfe zwischen Weltmeister Lewis Hamilton und Aufsteiger Charles Leclerc in Monza waren zum Teil über das Limit hinaus. Doch wie gesagt: Auch hier ist die Linie nur eine gedachte. Beim Großen Preis von Singapur an diesem Sonntag (14.10 Uhr/RTL und Sky) geht es auch darum, ob und wie schmutzig das Überholen in der Königsklasse geworden ist.

Sieg mit unsauberen Finten

Die Gangart ist härter geworden, das musste auch Champ H

amilton feststellen, nachdem Charles Leclerc den Ferrari-Sieg in Italien mit allen sauberen und auch ein paar unsauberen Finten verteidigen konnte. Selbst die schwarz-weiße Flagge, die der Gelben Karte im Fußball entspricht, haben den Monegassen nicht in seinem Tun bremsen können. Der 21-Jährige kam durch mit umstrittenen Abwehrmanövern und dem Abkürzen einer Schikane. Damit gibt Leclerc einen Trend vor: Gefahren wird so hart es geht, so lange man damit durchkommt.

Großzügiger Renndirektor

Fans und Fahrer lieben, dass unter dem neuen Renndirektor Mi chael Masi mehr Großzügigkeit gewährt wird. Nach Duellen mit Hamilton, Leclerc, Sebastian Vettel und Max Verstappen haben sich die Fans jahrelang gesehnt. Was auf der Piste polarisiert, bringt die Formel 1 richtig ins Gespräch. „Bestes Kino“ befindet der britische Fernsehkommentator Martin Brundle, der in der Lauda-Piquet-Senna-Prost-Schumacher-Hill-Villeneuve-Ära selbst gefahren ist. Im Zusammenspiel mit den bewusst nachlassenden Reifen ergibt sich so besonders gegen Rennende eine so hohe Spannung, bei der sogar die Mercedes-Dominanz ins Wackeln gerät.

Hamilton: „Ich bin für hartes Racing"

Kommt es beim Ritt durch die Äquator-Nacht in Singapur zur Retourkutsche? Hamilton gibt sich (noch) kühl: „Ich bin für hartes Racing. Zwischen uns ist alles gut.“ Leclerc weiß genau, wen er provoziert hat, er kalkuliert eine härtere Gangart beim großen Gegner ein: „Vielleicht wird Lewis nun auch ein bisschen aggressiver sein, aber vielleicht ist hier nicht unbedingt die beste Strecke, um das zu tun“, sagte er mit einem Grinsen und dem Verweis auf die Betonmauern des Straßenkurses. Er selber versuche nur, bis an die Grenze des Erlaubten zu gehen. Er hatte einmal einen Rückzieher im Duell mit Max Verstappen gemacht und so den Sieg in Österreich verschenkt. Das hatte er sich gemerkt und fortan seine Vorgehensweise sichtbar radikalisiert.

Für Lewis Hamilton sind die veränderten Fahrweisen auch Ausdruck davon, dass ungestümere Piloten nach oben drängen: „Es sieht so aus, als ob die neue Generation mit solchen Manövern eher davon kommt als die erfahreneren Piloten. Aber es ist gut, das zu wissen. Ein paar Dinge haben mich überrascht in Monza. Aber ich habe etwas über Leclercs Charakter als Rennfahrer gelernt. Ich freue mich auf den nächsten Zweikampf.“ In Singapur.

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