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Die Ski-Saison beginnt! Wer werden die neuen Stars?

Mikaela Shiffrin.

Mikaela Shiffrin.

Sölden/Essen.  Auf dem Gletscher in Sölden beginnt am Wochenende der alpine Ski-Weltcup. Viele Stars sind zurückgetreten, daher die Frage: Wer sticht heraus?

Für Alpinisten sind Gletscher ein Paradies. Sie haben etwas Majestätisches, sie sind, solange es der Klimawandel freilich zulässt, ein Königreich aus Schnee und ewigem Eis. So empfinden die besten Skifahrer der Welt jedes Jahr Ende Oktober auch den Rettenbachferner, wenn sie in Sölden in den neuen Weltcup starten. Höher als in den Ötztaler Alpen, genau auf 3040 Metern, stürzen sie sich nicht mehr im weiteren Saisonverlauf aus dem Starthäuschen und begeben sich mit weit mehr als 100 km/h auf die vereiste Piste. Die Riesenslalom-Wettbewerbe in Sölden (Damen am Samstag, Herren am Sonntag, jeweils 10 und 13 Uhr/ARD) sind der Vorgeschmack auf einen langen Winter, an dessen Ende die Skifahrer eine Königin und einen König feiern.

Zumindest den Herren dieser Raserzunft bietet sich gerade mehr denn je ein Schneereich ohne König.

Shiffrin ist sportlich unantastbar

Würden gleichzeitig Lionel Messi, Cristiano Ronaldo und Neymar ihre Fußballschuhe für immer im Schrank lassen, käme man um den Begriff Ende einer Ära nicht umher. Genauso erleben es gerade die Skifahrer: Statt Messi, Ronaldo und Neymar haben sich Österreichs schier unschlagbarer Marcel Hirscher (30), der norwegische Abfahrts-Riese Aksel Lund Svindal (36) und der Garmischer Gaudi-Slalomfahrer Felix Neureuther (35) ins Privatleben zurückgezogen. Und bei den Damen tauscht die Erfolgreichste der Geschichte, Lindsey Vonn (35), nach 82 Weltcup-Siegen Skier gegen Pumps, um noch häufiger als bisher auf Galas zu glänzen.

„Diese vielen Rücktritte haben ganz schön für Aufruhr gesorgt“, sagt Mikaela Shiffrin (24), Dominatorin der vergangenen drei Winter. 40 Mal stand sie schon ganz oben auf dem Stockerl. Wenn nichts Unvorhergesehenes dazwischenkommt, wird auch Deutschlands aussichtsreichste Fahrerin, Viktoria Rebensburg (30), der US-Amerikanerin nicht dazwischenfunken können, alsbald den Rekord von Ingemar Stenmarks 86 Weltcup-Siegen zu brechen. Vom sportlichen Potenzial hat Shiffrin Vonn bereits länger abgehängt, doch die Extravaganz der Drama-Queen aus Vail/Colorado verlieh eben doch Vonn noch viel mehr Star-Potenzial. Nachdem nun bei den Herren mit Hirscher, Svindal und Neureuther gleich drei der prägnantesten Gesichter abgetreten sind, wird es umso spannender sein zu sehen, wer künftig nicht nur auf Skiern aus der Masse herausstechen und Fans begeistern wird.

Dreßen startet erst im November

Auch das alpine Rasen ist eine Industrie, in der Ski- und Sportartikelhersteller großes Interesse haben, sich mit den erfolgreichsten und charismatischsten Figuren zu schmücken. „Einige Männer und Frauen freuen sich, dass sie jetzt Stars sein können“, sagt Shiffrin. Stefan Luitz, Hoffnung des Deutschen Ski-Verbandes im Technikbereich, pflichtet ihr bei: „Es wird sicher für die Zuschauer ein bisschen interessanter.“

Dem Franzosen Alexis Pinturault (28) und dem Norweger Henrik Kristoffersen (25) können am ehesten die Große Kristallkugel holen, die in den letzten acht Jahren stets Hirschers Trophäensammlung im Salzburger Land erweitert hat. Für Thomas Dreßen (25), Deutschlands besten Abfahrer, der nach einer Kreuzbandverletzung erst Ende November in den Übersee-Weltcups in Nordamerika starten will, wäre es jedoch verkehrt, den einstigen Galionsfiguren nachzueifern. Neureuther, der nun die Rennen als Experte für die ARD begleitet, haben die lässigen Interviews, die Risikobereitschaft im Stangenwald und die vernünftige Haltung bei sportpolitischen Angelegenheiten zu Ansehen verholfen. „Die Fußstapfen, die Felix hinterlässt, kann keiner füllen“, sagt Dreßen. „Es wäre falsch, solche Persönlichkeiten, wie die drei es sind, ersetzen zu wollen. Man kann nur eine neue Geschichte schreiben.“

Für Geschichte sind Gletscher ja genau das richtige.

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