Darts

Ex-Weltmeister Cross kritisiert deutsche Fans: "Respektlos"

Titelverteidiger bei der Darts-WM: Rob Cross.

Titelverteidiger bei der Darts-WM: Rob Cross.

Foto: firo

Essen/Köln.  Rob Cross reagiert nach den Pfiffen bei den German Darts Masters in Köln gereizt. Kommentator Paulke beschwichtigt: Das war nicht so extrem.

Rob Cross lächelte. Aber es war kein gutmütiges Lächeln, das ihm bei den German Darts Masters in Köln ins Gesicht glitt. Es war jenes, mit dem gelegentlich Sportler auf einen Angriff reagieren.

Kurz zuvor hatten die Fans in der Lanxess-Arena in Köln den früheren Weltmeister ausgepfiffen. Cross verlor danach das Halbfinal-Duell gegen Gabriel Clemens 5:8. Der 35-jährige Saarländer erreichte mit dem Finaleinzug den größten Erfolg seiner Karriere, doch statt zu feiern, ging er entschuldigend auf Cross zu, umarmte ihn.

Was Cross über die Pfiffe dachte, sagte er danach in einem Interview mit Live Darts TV: "Jedes Mal, wenn man in Deutschland spielt, ist das Publikum respektlos. Es ist vermutlich das respektloseste, gegen das ich je gespielt habe."

Keine Pfiffe in England

Er sei zum Darts gekommen, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen, führte der 28-Jährige aus. Um seine Familie zu ernähren. Jedes Mal, wenn er nach Deutschland komme und gegen einen Deutschen spiele, verhalte sich das Publikum respektlos. Jeder Spieler müsse damit umgehen können, sagte Cross, aber: "Wenn wir in England spielen, werden wir nicht ausgebuht. Wenn wir in Deutschland spielen, werden wir ausgebuht. Auch in den Niederlanden ist es nicht so schlimm."

Cross legte gereizt nach: "Ich verstehe, dass sie einen großen Star wollen. Aber vielleicht haben sie diese Spieler einfach nicht."

Darts-Experte Elmar Paulke, der das Turnier für den TV-Sender ProSieben Maxx kommentierte, kann die Kritik nicht nachvollziehen: "Ich habe das gestern nicht so extrem wahrgenommen", sagt der 49-Jährige im Gespräch mit dieser Redaktion. "Als er gegen Max Hopp gespielt hat, war es lauter. Danach habe ich mit ihm gesprochen und er hat gesagt, es sei alles in Ordnung gewesen." Die deutsche Nummer eins hatte das Erstrundenspiel gegen Cross knapp 4:6 verloren.

Darts-Experte Paulke: Er war frustriert

Paulkes einfache Erklärung für das Interview: "Ich glaube, er war ziemlich frustriert." Bei anderen Turnieren in Deutschland hätte man "schon schlimmeres erlebt". Aber der gebürtige Bergisch Gladbacher betont: "Ich finde das nicht gut. Ich mag den Fairplay-Gedanken, aber das lässt sich nun mal nicht verhindern." Darts sei ein Mentalsport wie Tennis, allerdings auch für seine Party-Stimmung bekannt. "Die Veranstalter wollen den Kontrast zwischen Mentalsport und einer verrückten Fangemeinde."

Ein Jahr nach dem Rekord-Event in Gelsenkirchen mit 20.000 Zuschauern fanden die German Darts Masters am Wochenende in Köln statt. Insgesamt 16.645 Zuschauer kamen an beiden Tagen in die Arena. Im Finale traf Gabriel Clemens auf Superstar Peter Wright. Der Schotte setzte sich mit 8:6 durch, musste auch mit dem lautstarken Publikum zurecht kommen.

Schindler bezwingt Michael van Gerwen

Aus deutscher Sicht war das German Darts Masters in Köln ein Erfolg. Clemens verpasste nur knapp seinen ersten Titel des profiverbandes PDC, nachdem er zuvor den fünfmaligen Weltmeister Raymond van Barneveld (Niederlande) und Titelverteidiger Mensur Suljovic (Österreich) ausgeschaltet hatte. Immerhin erkannte Cross die spielerischen Fähigkeiten des gelernten Schlossers an. "Ich denke, Gabriel könnte die deutsche Nummer eins werden. Er ist gut genug dafür"

Zuvor hatte Martin Schindler (22) für einen fulminanten 6:5-Sieg gegen den niederländischen Weltmeister Michael van Gerwen gesorgt. Nico Kurz (22) bezwang völlig überraschend den zweimaligen Weltmeister Gary Anderson aus Schottland.

Shootingstar Max Hopp schied zwar früh aus, auf den 22-Jährigen wartet aber schon kommendes Wochenende das Worldmatchplay in Blackpool. Es ist nach der Weltmeisterschaft das zweitwichtigste Turnier des Jahres. Zur WM Ende des Jahres in London dürften wieder tausende Deutsche pilgern. Dass die britischen Top-Spieler auch dort ausgepfiffen werden, sei nicht ausgeschlossen, sagt Paulke. "Es ist möglich."

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