Schwimm-WM

Florian Wellbrock ist Deutschlands Hoffnungsträger für Tokio

Schwimm-Weltmeister über die Zehn-Kilometer-Strecke:  Florian Wellbrock

Schwimm-Weltmeister über die Zehn-Kilometer-Strecke: Florian Wellbrock

Foto: dpa

Yeosu.  Schwimm-WM: Magdeburger Beckenspezialist Florian Wellbrock hängt über zehn Kilometer alle Konkurrenten ab. Doch es ist noch mehr drin.

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Wenn es sein muss, wird Florian Wellbrock auch mal sein eigener Motivator – und es muss häufiger sein. Vor den harten, oft eintönigen Einheiten im Training schaut sich der gebürtige Bremer morgens im Bett manchmal Aufnahmen von seinen Wettkämpfen an. Nummer eins ist dabei das Rennen über 1500 Meter Freistil letztes Jahr in Glasgow, wo er mit der viertschnellsten je geschwommenen Zeit EM-Gold holte. „Wenn ich das sehe, weiß ich: Dafür lohnt es sich zu kämpfen“, sagt Wellbrock, dem nun auch beim ersten WM-Auftritt in Südkorea ein psychologischer Kniff half.

Olympia-Flagge als Motivationshilfe

Zusammen mit seinem Zimmerkollegen, Magdeburger Trainingspartner und guten Freund Rob Muffels hängte der 21-Jährige im WM-Quartier der deutschen Freiwasserschwimmer eine Tokio-Flagge mit den olympischen Ringen auf. In gut einem Jahr beginnen in der japanische Metropole schließlich die Olympischen Spiele – und beim WM-Rennen über zehn Kilometer lösten die beiden Flaggenaufhänger aus Sachsen-Anhalt am Dienstag prompt das Ticket nach Tokio. Aber nicht einfach so. Sondern mit Wellbrock als strahlendem Weltmeister. Und dem drei Jahre älteren Muffels, der dem Sieger den Franzosen Marc-Antoine Olivier im Finish mit einem nicht ganz astreinen Beinziehen knapp vom Leib hielt, als zufriedenem Bronzemedaillengewinner.

Bundestrainer Lurz: "Ein historischer Tag"

„Das ist wirklich ein historischer Tag für uns alle“, schwärmte Bundestrainer Stefan Lurz. Wobei Florian Wellbrock die Eintrittskarte zum Ringe-Spektakel, für die ein Top-Ten-Platz gereicht hätte, allein längst nicht genug war. Fünf Mal in Folge gewann er im Weltcup zuletzt über die zehn Kilometer. Nach seinem Triumph im Hafenbecken von Yeosu erzählte er nun: „Ich habe in den letzten Nächten vor dem Einschlafen immer daran gedacht, dass ich Weltmeister werden will.“

Mit 17 von Bremen nach Magdeburg

Dieser Ehrgeiz trieb ihn mit 17 auch aus Bremen weg ans Sportinternat nach Magdeburg. Dort trainiert er seitdem unter Bernd Berkhahn – der seit Anfang Februar auch Teamchef der deutschen Schwimmer ist und im Gespräch mit dieser Zeitung über Wellbrock sagt: „Er hat nach der EM da weiter gemacht, wo er aufgehört hat, und schaut stets nach vorne.“

Das Urteil von Wellbrocks Lebensgefährtin Sarah Köhler fällt noch klarer aus. „Ich würde behaupten, dass er im Training seit Glasgow noch zielstrebiger arbeitet“, meint die 25-Jährige, die am Donnerstag im Team-Wettbewerb der Freiwasserschwimmer startet, ehe sie wie ihr Freund nach Gwangju zu den Beckenspezialisten übersiedelt.

Doppelbelastung für den Hoffnungsträger

Im Fall Wellbrock wird dort dann die spannende Frage geklärt, ob Deutschlands größter Hoffnungsträger für Tokio 2020 die Doppelbelastung wirklich verträgt – und das aktuelle Experiment mit Starts im Freiwasser und im Pool bei Olympia fortgesetzt wird. „Es kann sein, dass dieser Erfolg eine Sogwirkung auf mich hat“, erklärte Wellbrock. „Es kann aber auch ein bisschen kontraproduktiv sein. So ein Zehn-Kilometer-Rennen haut ganz schön rein.“

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