Leichathletik-WM

Gina Lückenkemper bleibt nach dem WM-Aus gelassen

Es hat nicht gereicht: Gina Lückenkemper nach dem Halbfinal-Aus.

Es hat nicht gereicht: Gina Lückenkemper nach dem Halbfinal-Aus.

Foto: dpa

London.  Sprinterin Gina Lückenkemper scheiterte bei der Leichathletik-WM im 100-Meter-Halbfinale. Zuvor hatte sie die Elf-Sekunden-Marke unterboten.

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Von wegen enttäuscht. Gina Lückenkemper strahlte. Wie fast immer. Nachdem sie am Samstag mit 10,95 Sekunden noch die beste Vorlaufzeit aller Teilnehmerinnen über 100 Meter bei der Leichtathletik-WM in London gerannt war, verpasste sie am Sonntag mit 11,16 Sekunden im Halbfinale den Endlauf. “Ich hatte schon vorher alle meine Ziele erreicht. Ich habe die 11-Sekunden-Marke geknackt und bin ins Halbfinale eingezogen”, sagte die Sprinterin der LG Olympia Dortmund, die in Soest lebt. “Alles weitere war eine tolle Zugabe. Ich bin ja noch jung. Ich werde in meinem Leben noch in einem WM-Finale stehen. Da bin ich mir sicher.” Jetzt ist die 20-Jährige schon ganz heiß auf ihren Einsatz mit der Sprintstaffel: “Da wird es richtig rund gehen. Wir wollen um die Medaillen mitlaufen.”

Im Vorlauf über 100 Meter hatte Gina Lückenkemper am Samstag einen ganz großen Auftritt hingelegt. Gerade erst hatte sie die Ziellinie überquert, da ließ sie vor lauter Freude gleich noch einen kleinen Hüpfer folgen. Im ersten Fernseh-Interview danach kullerten sogar ein paar Tränen über ihr Gesicht. Doch wenig später gab sich die Sprinterin schon wieder lässig und lustig, wie man sie kennt. „Es war einfach ein geiler Lauf. Ich freue mich wie doof“, sagte die 20-Jährige, nachdem sie über 100 Meter in 10,95 Sekunden die beste Vorlaufzeit auf die Bahn getrommelt hatte. So schnell ist seit Katrin Krabbe (1991/10,91 Sekunden), die später nach einem positiven Test auf das Kälbermastmittel Clenbuterol gesperrt worden war, keine Deutsche mehr gerannt. Zum ersten Mal in ihrer jungen Karriere hat Lückenkemper die Elf-Sekunden-Barriere unterboten, als insgesamt siebte Deutsche. „Es war mein Traum, es bei dieser WM zu schaffen“, sagte sie.

Richtig erklären kann Lückenkemper die Leistung nicht

In Erfurt bei den Deutschen Meisterschaften hatte sich schon angedeutet, dass sie das Potenzial hat, da lief sie 11,01 Sekunden, obwohl sie vor dem Ziel schon das Tempo herausnahm. „Dieses Mal wollte ich in jedem Fall auch im Vorlauf durchlaufen. Damit ich es endlich schaffe, die Zehn vors Komma zu bekommen“, sprudelte es aus Lückenkemper heraus. „Bei 80 Metern hab ich gemerkt: Oh, boah, ich glaube, ich liege ganz vorn. Da muss es ja gut sein.“

Richtig erklären konnte sie die Leistung von London nicht. „Zwei Tage vor dem Rennen habe ich wenig gemacht. Ich bin sogar vor Kurzem für ein paar Tage nach Berlin gefahren, um Freunde zu treffen und mal runterzukommen. Das ist mir wohl gut bekommen“, sagte sie strahlend.

Zuhause in Dortmund war Annegret Richter, die 100-Meter-Olympiasiegerin von 1976, begeistert. “Das ist phänomenal! 10,95 Sekunden sind schon gigantisch”, sagte sie. Bei einem Treffen der heute 66-Jährigen mit ihrer Nachfolgerin, das von dieser Zeitung eingefädelt wurde, erklärte Richter: “Dass sie bei großen Wettkämpfen locker bleiben kann, das ist ihr großes Plus – und das war bei mir früher auch so.”

Ein Geheimnis, warum sie so energiegeladen rennt, verriet sie am Samstagabend im ZDF-Sportstudio: Vor Wettkämpfen leckt sie immer mal mit der Zunge an einer Neun-Volt-Batterie, um sich zu stimulieren. Aber da alle anderen deutschen Läuferinnen, die bisher noch schneller als Lückenkemper über 100 Meter gelaufen waren, dies zu DDR-Zeiten schafften, muss sich auch Lückenkemper Fragen nach den Gründen ihrer Schnelligkeit stellen lassen. “Es hat sich in der Trainingslehre einiges getan", sagte sie, "das zeigt, dass solche Zeiten ohne Doping gerannt werden können. Ich weiß, dass ich sauber bin."

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