Wimbledon

Halep gewinnt mit Sieg über Williams Wimbledon

Siegerin in Wimbledon: Simona Halep

Siegerin in Wimbledon: Simona Halep

Foto: Getty

London  Die Rumänin Simona Halep schlägt im Endspiel von Wimbledon die US-Amerikanerin Serena Williams überraschend deutlich in zwei Sätzen.

Ein Lächeln huschte bereits über ihr Gesicht, als sie sich auf ihren Stuhl setzte. Mit 2:6 und 2:6 hatte Serena Williams ihr elftes Wimbledon-Finale gegen die Rumänin Simona Halep verloren, nur 55 Minuten hatte es gedauert. Und dennoch wirkte die 37 Jahre alte US-Amerikanerin schon kurz nach dem Match deutlich aufgeräumter als während der gesamten Spielzeit. Wenn man es nicht besser wüsste, dann hätte man glauben mögen, dass sie ihren Frieden gemacht hat damit, den Grand-Slam-Rekord der Australierin Margaret Court nicht mehr brechen zu können. 24 Titel hat die 76-Jährige zwischen 1960 und 1973 gewonnen. Serena Williams bleibt nach einem Endspiel, das in dieser Form niemand erwartet hatte, bei 23 Titeln stehen.

„Sie hat wie von Sinnen gespielt"

„Sie hat wie von Sinnen gespielt. Ich habe mich gefühlt wie ein Hirsch im Scheinwerferlicht“, sagte die Weltranglistenzehnte, nachdem Simona Halep über sie hinweggestürmt war wie ein Tornado über lose Dachziegel. Niemand hätte an diesem Sonnabend die Ranglistensiebte aufhalten können auf dem Weg zu ihrem zweiten Grand-Slam-Triumph nach den French Open 2018. „Es war das beste Match meines Lebens. Für diesen Tag habe ich so lange gearbeitet“, sagte die 27-Jährige, die im elften Duell mit Williams erst ihren zweiten Sieg schaffte.

Halep verdirbt Williams die Rekord-Party

Alles war angerichtet gewesen für die große Rekord-Party. Mit ihrem ersten Major-Titel seit den Australian Open 2017, dem ersten Triumph als Mutter seit der Geburt ihrer Tochter Alexis Olympia im September 2017, hätte sich die älteste Grand-Slam-Finalistin der Profiära mit 37 Jahren und 291 Tagen endgültig in der Geschichte des Damentennis als die Größte aller Zeiten etablieren können. Die angeblich zerstrittenen Herzoginnen Kate und Meghan saßen Seite an Seite in der Royal Box; Meghan verbindet mit Serena Williams eine enge Freundschaft, Halep hatte sich den Besuch von Kate gewünscht.

Williams leistet sich erstaunlich viele Fehler

Alles war also angerichtet gewesen, doch dann hielt sich Simona Halep nicht an das Drehbuch, sondern spielte die Rolle der Spielverderberin perfekt. Sie durchbrach im ersten Satz gleich zweimal den als wichtigste Waffe geltenden Aufschlag der siebenfachen Wimbledon-Siegerin, die allerdings in erster Linie an ihrer Unkonzentriertheit bei den Grundschlägen zerbrach. 26:3 unerzwungene Fehler listete die Statistik am Spielende auf. Halep musste also nicht viel mehr tun, als die Bälle im Spiel zu halten, was sie mit ihrer Laufstärke und der Fähigkeit, aus der Bewegung heraus Winner in die langen Ecken des Courts zu platzieren, wie kaum eine andere Spielerin auf der Tour beherrscht.

Ihr Finalsieg 2018 in Paris hatte das Leben der Nachfolgerin von Angelique Kerber (31/Kiel), die 2018 im Finale ebenfalls Serena Williams mit 6:3, 6:3 bezwungen hatte, verändert. „Ich wollte immer einen großen Titel gewinnen. Seitdem ich das geschafft habe, sehe ich alles, was kommt, als Bonus“, hatte Halep nach dem Finaleinzug gesagt. Ihre Spielweise, jeden noch so aussichtslosen Ball zurückbringen zu wollen, lässt sich mit dieser Aussage schwer in Kongruenz bringen.

Rührende Worte der Siegerin

Tatsächlich jedoch ist ihre Herangehensweise an ihren Beruf deutlich positiver, seit sie nach einem Streit mit ihrem damaligen Coach Darren Cahill im März 2017 in Miami die Hilfe von Alexis Castorri in Anspruch genommen hatte. Die Psychologin hatte auch dem britischen Volkshelden Andy Murray (32) mental stabilisiert, nachdem dieser seine ersten drei Grand-Slam-Finals verloren hatte. „Ich habe Hilfe gebraucht und bin jetzt auf dem Platz ein so positiver Mensch, wie ich es abseits des Tennis bin“, sagte Halep, die mit ihren Dankesworten für ihre in der Box weinenden Eltern auf dem Court das Publikum amüsierte und berührte.

Eine gute Verliererin

Serena Williams stand währenddessen am Netz, strahlte und applaudierte. Ein schöner Kontrast war dies zu den Bildern vom US-Open-Finale im vergangenen Jahr, als sie mit einem Wutausbruch gegen den Stuhlschiedsrichter der Japanerin Naomi Osaka deren ersten Grand-Slam-Sieg vermiest hatte. Und warum sollte sie nicht auch zufrieden sein mit dem Geleisteten? Mit der Spielpraxis von nur zwölf Matches in diesem Jahr war die US-Ikone in das Turnier gestartet. Ihre ersten beiden Auftritte, in denen sie sich nach längeren Ballwechseln schwer atmend auf den Schläger stützen musste, gaben reichlich Anlass zu Zweifeln an ihrer Leistungsfähigkeit.

Aber mit dem 6:3, 6:4-Drittrundensieg über Julia Görges (30/Bad Oldesloe) waren die vielen Verletzungen und Krankheiten, die sie im ersten Halbjahr 2019 beschäftigt hatten, abgeschüttelt. Dass Serena Williams, die als 17-Jährige 1999 erstmals die US Open gewann, trotz ihres offensichtlichen physischen Defizits überhaupt die Chance hatte, Courts Rekord noch einmal anzugreifen, war eine großartige Leistung. Die Konkurrenz schläft ja nicht, mit der erst 15 Jahre alten Cori Gauff hat sich das nächste US-Wunderkind bereits vorgestellt. Serena Williams jedoch wird es weiter probieren. „Ich liebe es einfach, Tennis zu spielen. Und noch fühle ich mich wettbewerbsfähig“, sagte sie.

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