Vierschanzentournee

Vierschanzentournee: Kamil Stoch greift nach dem Grand Slam

Kamil Stoch.

Kamil Stoch.

Foto: Getty Images

Bischofshofen.   Der Pole plant bei der Vierschanzentournee den vierten Sieg im vierten Springen. Er kann der erfolgreichste Skispringer der Geschichte werden.

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Die Situation hat Kamil Stoch vor diesem wichtigen Wettkampf so gerne wie in einem selbst unwichtigen Springen die Abfahrt auf dem Schanzenhügel nach einem viel zu kurzen Satz. Nein, beteuert der 30-Jährige, „ich bin nicht nervös“. Er werde die letzten Sprünge der Vierschanzentournee „mit Sicherheit genießen“. Wobei: „Gewinne und Rekorde bedeuten mir allerdings nichts.“

Stop! An diesem Punkt ist es vorbei mit Stochs Glaubwürdigkeit. Aber der angenehm zurückhaltende Pole verkneift es sich, die Fragesteller anzubrüllen. Sie aufzufordern, endlich nicht mehr davon zu sprechen, was er am Samstagabend sein kann: der erfolgreichste Skispringer der Geschichte.

Diese Schutzhaltung vor einem herausragenden Moment der Karriere sei Kamil Stoch zugestanden. Aber auch er weiß, welche Riesenchance ihm das Dreikönigsspringen in Bischofshofen am Samstag (17 Uhr/ARD live) bietet. Nicht bloß den Gesamtsieg, den kann er nach Richard Freitags vorzeitigem Aus wegen des Sturzes in Innsbruck und bei 65 Punkten Vorsprung auf den neuen Zweiten Andreas Wellinger nur mit Rückwärtssprüngen noch vergeigen.

Es nach 16 Jahren Grand-Slam-Champion Sven Hannawald gleichzumachen, das würde ihn nach WM- und Olympia-Gold, Tourneesieg und Gesamtweltcup vom Oberwiesenthaler Jens Weißflog, vom Finnen Matti Nykänen, vom Norweger Espen Bredesen und vom Österreicher Thomas Morgenstern unterscheiden.

Undurchdringbare Dominanz

Auch wenn im Skispringen viel möglich ist, dürfte Stoch am Samstag den Luftraum von Bischofshofen genauso kontrollieren wie in Oberstdorf, Garmisch-Partenkirchen und Innsbruck. Selbst wenn es gestern in der Qualifikation nur zu Rang fünf reichte. Dass er zum ersten Saisonhöhepunkt eine undurchdringbare Dominanz ausstrahlt, verdankt er vor allem seinem Trainer Stefan Horngacher. Weil der rechtzeitig Stochs Gattin einmal die Leviten gelesen hat.

Ewa ist die Finanzministerin im Hause Stoch, sie managt die PR-Termine und den Verkauf einer eigenen Bekleidungslinie. Also wurde Kamil, der Doppel-Olympiasieger von Sotschi 2014, nach seinem ersten Tournee-Triumph im vergangenen Jahr herumgereicht wie unter Jugendlichen die erste Zigarette. Ehrungen hier, Fernsehauftritte da – die Stochs waren auf allen Roten Teppichen Polens zu finden.

Horngacher aber, bis 2016 viele Jahre Assistent von Bundestrainer Werner Schuster, wollte ihm den Ruhm nicht nehmen, sondern ihn besser machen. Und dafür musste Stoch wieder zurück ins skisprungverrückte Zakopane.

Auf einer Stufe mit Adam Malysz

„Wenn ich die Schanze hochfahre, bin ich komplett in meinem System“, sagt Stoch über sich. Horngacher wollte nicht mehr, dass sein lehrfreudigster Schüler gnadenlos überzieht, sondern entspannter wird. In vielen Gesprächen „habe ich ihm gesagt, er kann die Tournee und Olympia genießen, denn er hat bei beiden Veranstaltungen schon gewonnen“, sagt der 48-Jährige.

Als zweiter Springer nach Hannawald auch von der vierten Schanze zu gewinnen, würde ihn als Nationalheld Polens mindestens auf eine Stufe mit Adam Ma­lysz und nur knapp unter Papst Johannes Paul II. hieven. „Ich sehe Adam nicht als jemanden, den ich besiegen muss“, sagt Stoch. Der 40 Jahre alte Malysz gewann 2001 als erster Pole die Tournee.

Stoch hat sich vorgenommen: „Ich möchte nach jedem Sprung mein Lachen behalten.“ Sollte das bei Olympia in Pyeongchang so strahlen wie jetzt bei der Tournee, lässt Stefan Horngacher Frau Stoch bestimmt freie Hand bei der PR-Terminplanung im Sommer.

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