Olympia

Nada-Chefin Gotzmann: Umgang mit Russland ist nicht nachvollziehbar

Andrea Gotzmann

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Foto: dpa

Pyeongchang.  Nationen sollen sich über Anti-Doping-Arbeit für Wettbewerbe qualifizieren - das schlägt Nada-Chefin Andrea Gotzmann im Interview vor.

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Über 15 000 Kontrollen führt die Nationale Anti-Doping-Agentur jährlich bei Sportlern durch. Damit wird die Ehrlichkeit deutscher Athleten überwacht. So viel Akribie im Kampf gegen das Doping gibt es längst nicht überall, bemängelt Andrea Gotzmann, die Vorstandsvorsitzende der Nada.

Frau Gotzmann, fehlerhafte Urinprobenbehälter sorgten vor dem Beginn der Spiele in Pyeongchang für Unruhe. Wie kann so etwas passieren?

Andrea Gotzmann: Das ist eine Tatsache, die uns auch betroffen macht. Das neue System wurde ja eingeführt, um noch sicherer zu werden. Wie ich finde, gab es schon ein sehr gutes Probensystem, das aber mit hohem Aufwand, mit kriminellster Energie und dem Einsatz eines Geheimdienstes manipuliert wurde. Jetzt sollte das System noch besser werden. Es ist nicht reproduzierbar gewesen, welche äußeren Bedingungen hierzu führten, und es ist bis jetzt nicht klar, ob ein Handhabungsfehler vorliegt oder ein Materialfehler. Es darf einfach nicht sein, dass ein System im Umlauf ist, dass uns keine Sicherheit bietet.

Dopingkontrolleure fordern einen Komplettausschluss russischer Athleten für Südkorea. Der erfolgte nicht. Zeigte das Internationale Olympische Komitee dennoch Konsequenz, indem russische Sportler nicht zugelassen wurden?

Gotzmann: Wie bewertet man einen so massiven Betrug der ganzen Sportcommunity, wenn man eine Mannschaft von 169 Athleten sieht, die zwei Wochen lang olympische Athleten von Russland genannt werden, und danach zum Tagesgeschäft übergeht? Das ist schwierig für uns zu verstehen und auch nicht nachzuvollziehen. Hier greifen die Sanktionen nicht richtig.

Wie sauber kann Olympia überhaupt sein heutzutage?

Gotzmann: Vor Rio haben wir massiv bemängelt, dass die Kontrollprogramme im Vorfeld der Spiele absolut lückenhaft waren, dass knapp 60 Prozent der Athleten aus Hochrisikosportarten in dem Jahr der Spiele von Rio keine einzige Dopingkontrolle hatten. Dass es so etwas gibt, kann ich überhaupt nicht nachvollziehen. Vor Pyeongchang lief das nun besser, weil die Wada frühzeitig eine Taskforce eingesetzt hat.

Die Ungleichheit der Kontrollprogramme in den einzelnen Nationen wird immer wieder kritisiert. Halten Sie es für die Hauptaufgabe der näheren Zukunft, hier für mehr Gerechtigkeit zu sorgen?

Gotzmann: Es ist ganz, ganz wichtig, den Athleten das Gefühl zu geben, dass sie gleiche Chancen haben. Die führenden Anti-Doping-Organisationen, die anerkannte und valide Kontroll- und Präventionsprogramme fahren, müssen das von den anderen einfordern, auch über die Wada. Um an großen Sportwettbewerben teilnehmen zu dürfen, sollte man sich nicht mehr nur sportlich qualifizieren müssen, sondern auch in der Anti-Doping-Arbeit.

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