Richard Schmidt, das Gesicht des Deutschland-Achters

Vorbei ist das Training auf dem Dortmund-Ems-Kanal. Nun startet das deutsche Ruder-Vorzeigeboot bei der WM in Linz.

Vorbei ist das Training auf dem Dortmund-Ems-Kanal. Nun startet das deutsche Ruder-Vorzeigeboot bei der WM in Linz.

Foto: Ralf Rottmann

Dortmund.  Richard Schmidt sitzt seit zehn Jahren im Achter. Ab Sonntag wollen der 32-Jährige und sein Team den Titel bei der WM in Österreich verteidigen.

Wenn der Deutschland-Achter auf Reisen geht, ins Trainingslager oder zu einem sportlichen Großereignis, haben die Ruderer am Stützpunkt Dortmund nicht nur auf dem Wasser alle Hände voll zu tun. Vierer und Achter werden verladen, dazu Motorboote, Fahrräder, Hantelstangen, Gewichte und vieles mehr, was die Crew benötigt, um erfolgreich zu sein. Auch hoch dekorierte Spitzenathleten fassen mit an.

Seit zehn Jahren im Erfolgsboot

„Wir ziehen dann praktisch um“, sagt Richard Schmidt und setzt seine Kappe auf. Ob richtig rum oder verkehrt rum: Er trägt sie fast wie ein Markenzeichen, auch wenn er im Bootshaus gerade vom Frühstück kommt, um ein Interview zu geben. Mit und ohne Kappe ist Schmidt das Gesicht des Achters, der eine eigene Firma ist, eine Marke, die Tradition und Erfolg verkörpert wie kaum eine andere deutsche Mannschaft im olympischen Sport. Das verkörpert der 32-Jährige aus Trier wie selbstverständlich. Was er in seiner Karriere erreicht hat, ist dagegen alles andere als selbstverständlich. Schmidt sitzt seit zehn Jahren im Paradeboot des Deutschen Ruder-Verbandes, das vom 25. August an bei den Weltmeisterschaften in der österreichischen Stadt Linz den Titel abermals verteidigen will.

"Eine Leitfigur für den Achter"

Zehn Jahre Schinden und Schuften. Und wenn im Frühjahr die Besatzungsmitglieder nominiert werden, gehört Schmidt stets zu den Auserwählten. Es ist nicht überliefert, dass einem deutschen Ruderer Ähnliches schon einmal gelungen ist. Die Leistungen am Ergometer, die Ergebnisse der Qualifikation im Zweier und die Persönlichkeit machen Schmidt im Gesamtpaket unschlagbar. Uwe Bender, der Cheftrainer des Achters, hatte schon Ende Februar, als offiziell noch nichts entschieden war, im kleinen Kreis durchblicken lassen, dass Schmidt es wieder schaffen würde. Kurz vor den Titelkämpfen erläutert er, warum das so ist. Zum einen stimme auch in diesem Jahr wieder die Leistung, zum anderen sei Richard Schmidt, „ein Vorbild, eine Leitfigur für den Achter“. Das Aushängeschild eines Bootes, das als Aushängeschild einer ganzen Sportart gilt.

Ruderer sind in der Wirtschaft als Berufseinsteiger begehrt

Den Achter kennt jeder. Aber die Männer, die darin sitzen, sind für die Öffentlichkeit keine schillernden Figuren. Richard Schmidt ist Wirtschaftsingenieur. Als Doktorand beschäftigt er sich mit der Umwandlung erneuerbarer Energien in Wasserstoff und arbeitet daran, eine Hochdruckpumpe zu konstruieren. Der Sport hat ihm dabei geholfen. Und die weit verbreitete Annahme, Ruderer seien für eine duale Karriere besonders gut geeignet. Die Männer gelten als besonders belastbar und sind in der Wirtschaft als Berufseinsteiger begehrt.

Angefangen hat für ihn alles bei den Olympischen Spielen 2008. In Peking hatte der Achter, der auf Sieg programmiert ist, versagt und im Finale den letzten Platz belegt. Schmidt war dabei, als Ersatzmann im Vierer, der auch zum „Team Achter“ in Dortmund gehört und in China Sechster wurde.

Das Ziel ist Olympia in Tokio

In der darauffolgenden Saison wurde Schmidt auf dem Matasee in Posen mit dem Achter Weltmeister – ein Beleg dafür, wie schnell es im Sport gehen kann. „Wir haben mehr gearbeitet und unser Training dem internationalen Standard angepasst“, sagt Schmidt. Es folgten weitere Weltmeistertitel und – als vorläufiger Höhepunkt der Karriere – die olympische Goldmedaille bei den Spielen 2012 in London.

Der Achter müsste mindestens Fünfter werden, um sich direkt für die Olympischen Spiele zu qualifizieren, die nächsten Sommer in Japan stattfinden. „Der Tag X ist nächstes Jahr in Tokio, da wird abgerechnet“, sagt Schmidt. Weltmeisterschaften sind da nur wichtige Zwischenschritte, „große Steps“. Für ihn wären es seine vierten Sommerspiele – und Richard Schmidt versichert: Sein Ehrgeiz wird so groß sein wie am Anfang seiner Karriere.

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