Tennis

Schon raus, dann Siegerin: Tennis-Teenager Gauff verblüfft

Ein Kuss für die erste WTA-Trophäe: Cori Gauff nach ihrem Turniersieg in Linz.

Ein Kuss für die erste WTA-Trophäe: Cori Gauff nach ihrem Turniersieg in Linz.

Foto: dpa

Linz.  Cori Gauff ist erst 15 Jahre alt, doch sie wirbelt die Tennis-Szene mit großen Auftritten durcheinander. In Linz steht sie erstmals ganz oben.

Cori Gauff hatte am Sonntag lange die allergrößte Mühe, das Ganze zu fassen. Das Ganze: Das war die abenteuerliche Geschichte ihres ersten Turniersiegs, der verrückte Dreh, der die junge US-Amerikanerin von einer Niederlage in der letzten Qualifikationsrunde doch noch auf den Thron des WTA-Wettbewerbs in Oberösterreich führte.

„Es ist Wahnsinn, einfach Wahnsinn“, sagte Gauff, „das ist ein Tag, den ich nie vergessen werde.“ Wenig später posierte sie auf einer Donaubrücke zum ersten Mal in ihrem Leben als Championesse für die Fotografen. „Das ist das perfekte Tennismärchen“, befand Turnierchefin Sandra Reichel, die zuletzt auch den Neubeginn am Hamburger Rothenbaum verantwortet hatte, „Coco ist die absolute Sensation.“

Dabei sah am Montag vergangener Woche noch alles ganz anders aus. Linz schien der unspektakuläre Ausklang dieser aufsehenerregenden Saison des Teenagers zu sein.

Zunächst ausgeschieden

Gauff stand an jenem Montag im finalen Bewerbungsduell um einen Platz im Hauptfeld der Hamburgerin Tamara Korpatsch gegenüber, und Korpatsch hatte nur wenig Mühe, die junge US-Amerikanerin in zwei Sätzen trocken auszuschalten. Für Gauff war das Turnier vorbei. Aber tags darauf verletzte sich die Griechin Maria Sakkari, eine Nachrückerin wurde gebraucht, und diese „Lucky Loserin“ war Gauff, das jugendliche Phänomen. „Ich habe 40 Minuten vor dem ersten Match erfahren, dass ich doch mitspielen kann“, erzählte sie. „Von da an war das Motto: Du hast nichts zu verlieren, du warst ja schon draußen.“

Es folgte ein imposanter Siegeszug, noch bedeutsamer als ihre schlagzeilenträchtigen Auftritte im Sommer in Wimbledon oder bei den US Open in New York. Gauff gewann im Viertelfinale gegen die Nummer eins des Turniers, die niederländische Top-Ten-Spielerin Kiki Bertens, die noch um die WM-Teilnahme beim Saisonfinale in Shenzhen kämpft. Gauff gewann in der Vorschlussrunde gegen die formstarke Darmstädterin Andrea Petkovic, und schließlich konnte sie von der früheren French-Open-Siegerin Jelena Ostapenko aus Lettland auch im Finale nicht mehr gebremst werden. „Die Abgeklärtheit, mit der sie hier spielte, war unglaublich“, befand die Schweizerin Belinda Bencic, selbst eine der Aufsteigerinnen der Saison, „sie ist ihrer Zeit weit voraus“.

Auf Capriatis Spuren

Gauff, von allen nur „Coco“ genannt, wirkt in Spiel und Auftritt tatsächlich viel reifer als andere Spielerinnen, die früh in die Weltspitze stürmten. Ernsthaft und gleichzeitig gelassen spricht die 15-Jährige über die hohen Erwartungen, mit denen sie sich besonders in Amerika, aber auch in anderen Teilen der Tenniswelt konfrontiert sieht: „Ich muss den Weg nach oben ruhig gehen. Schritt für Schritt“, sagt sie. „Dass viele an mich glauben, ist schön. Aber deswegen werde ich nicht verrückt spielen.“ Auch nicht nach dem Sieg von Linz, durch den sie zur jüngsten Spielerin seit anderthalb Jahrzehnten bei einem Tourwettbewerb wurde. Und zur jüngsten Amerikanerin seit 1991, seit Jennifer Capriati, der so ein Triumph gelang.

Als Gauff Ende Juni nach Wimbledon anreiste, kannte sie jenseits sehr eingeweihter Fachkreise noch niemand. Sie war die Nummer 313 der Welt, eine Nachwuchshoffnung, die oft bei Starcoach Patrick Mouratouglu trainierte. Drei Siege, darunter einer gegen die 39-jährige Venus Williams, katapultierten Gauff ins Rampenlicht. Bei den US Open dann erreichten Matches mit der 15-Jährigen höhere Einschaltquoten als Spiele mit Roger Federer oder Serena Williams. Was Legende Martina Navratilova damals befand, gilt nach dem Sieg in Linz und dem erstmaligen Sprung unter die Top 100 (Platz 71) umso mehr: „Coco ist die Zukunft. Und die Zukunft ist jetzt.“

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