Tour de France

Tour de France: Das Comeback des Julian Alaphilippe

Wieder im Gelben Trikot: Julian Alaphilippe

Wieder im Gelben Trikot: Julian Alaphilippe

Foto: dpa

Saint-Étienne.  Auf der achten Etappe der Tour holt sich der Franzose Julian Alaphilippe das Gelbe Trikot zurück. Titelverteidiger Geraint Thomas stürzt.

Die 8. Etappe von Mâcon nach Saint-Étienne war lange Zeit eine ganz aus dem Lehrbuch, Kapitel Überführungsetappe. Bereits kurz nach dem scharfen Start bildete sich die Spitzengruppe. Thomas De Gendt, schon mehrfach in Fluchtgruppen bei dieser Tour dabei, hatte das Signal zum Aufbruch geblasen. Niki Terpstra und Ben King folgten. Katusha Alpecin-Profi Mads Würtz Schmidt hatte die Fanfare etwas verschlafen. Er hetzte hinterher, vermochte die Lücke aber nicht zu schließen. Besser machte es wenig später Alessandro De Marchi. Mehr Ausreißer ließ das aufmerksame Bora hansgrohe-Team allerdings nicht zu. „Wir kontrollieren, wer in die Fluchtgruppe kommt“, hatte Peter Sagan vor ein paar Tagen getönt. Seine Kollegen sorgten dafür, dass der Mann in Grün nicht wie ein Schwätzer wirkte.

Etappe mit sieben Bergwertungen

Die Teams Bora und Sunweb hielten das Ausreißer-Quartett lange Zeit in Schlagdistanz. Die Etappe war mit sieben Bergwertungen der leichten und mittleren Kategorie wie gemacht für ihre Kapitäne. Sowohl Sagan als auch der Australier Michael Matthews (Sunweb) sind bergfeste Sprinter. Als Sagan etwa 45 Kilometer vor dem Ziel überraschend selbst Probleme am Berg bekam, beschleunigte Sunweb, um den Slowaken loszuwerden. Sagan allerdings biss sich fest.

Bei den Ausreißern sorgte vor allem De Gendt für Tempo. Emsig sammelte er auch die Bergpunkte und sorgte so dafür, dass niemand seinem Teamkollegen Tim Wellens – dem aktuellen Bergkönig – gefährlich werden konnte. Als das Feld den Druck auf die Ausreißer erhöhte, legte auch De Gendt noch eine Schippe drauf. Gemeinsam mit De Marchi ließ er die anderen beiden Fluchtgruppengefährten in der heißen Sonne Frankreichs zurück.

Titelverteidiger Geraint Thomas stürzt an der letzten Bergwertung

An der letzten Bergwertung wurde das Drehbuch dieser Etappe dann aber umgeschrieben. Das Rennen explodierte förmlich. Vorn ließ De Gendt De Marchi stehen. Im Feld stürzte Titelverteidiger Geraint Thomas. Er bekam das Rad eines Teamkollegen und fast die komplette Ineos-Abteilung wurde nach hinten beordert. Während Thomas einen Mann nach dem anderen verheizte, um den Anschluss wieder herzustellen, schossen vorn die Franzosen Julian Alaphilippe und Thibaut Pinot heraus. Schnell hatten sie einen Vorsprung von zehn Sekunden. Hinter ihnen war man sich über die Nachführarbeit nicht ganz einig. Zur Verwirrung trug auch bei, dass der Ineos-Zug immer noch hinten dampfte.

Peter Sagan übt sich als Wasserträger

Ebenfalls ungewöhnlich war, dass sich Sagan zwischenzeitlich zu den Autos bemüht hatte, um Flaschen zu holen. Der Top-Sprinter als Helfer für Schachmann, Buchmann & Co! „Band of Brothers“ ließ die Bora-Truppe als Motto auf den Teambus pinseln. Sagan, der sich offenbar den Sprint nicht mehr zutraute, erfüllte dieses Motto mit Leben. Am Ende mischte er sich aber trotzdem in den Sprint des reduzierten Feldes ein und wurde dort Zweiter hinter Matthews. Vorn ließ sich de Gendt den Sieg nicht nehmen. Pinot wurde Zweiter, holte wertvolle Sekunden auf die Rivalen um das Podium in Paris. Teufelskerl Alaphilippe hingegen eroberte als Etappendritter Gelb zurück. Zwei Tage zuvor hatte er es auf der Planche des Belles Filles an den Italiener Giulio Ciccone abgeben müssen. „Es war ein grandioses Finale“, meinte Alaphilippe, nachdem er sich das Textil übergestreift hatte. Er setzte damit seine Super-Saison mit Siegen bei Mailand – Sanremo, Strade Bianche, dem Wallonischen Pfeil sowie einem Etappensieg bei der Tour ganz standesgemäß fort. „Ich will nicht darüber nachdenken, ob ich die Tour gewinnen kann. Am Sonntag werde ich es einfach genießen, das Trikot zu tragen.“

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