Schalke 04

Huub Stevens: „Jeder bekommt eine zweite Chance“

Schalke-Trainer Huub Stevens

Schalke-Trainer Huub Stevens

Foto: dpa

Schalkes Interimstrainer Huub Stevens erklärt, was er von den Spielern erwartet. Auch die Fans sollen helfen – schon heute gegen RB Leipzig.

Als im Medienraum der Schalker Arena am Freitagmittag mal wieder ein Blitzlichtgewitter ausbrach, weil neues verantwortliches Personal vorgestellt wurde, hielt sich Domenico Tedes­co bereits in Stuttgart auf. Direkt nach seiner Entlassung war der 33 Jahre alte Trainer am Donnerstagabend zu seiner Familie gefahren, aber der Versuch, im Kreise seiner Lieben ein wenig abzuschalten, misslang. Sein Smartphone meldete sich ständig, es erreichten ihn zahlreiche Nachrichten, die ihn einerseits freuten, andererseits aber sogar seinen Schmerz verstärkten. Denn viele Menschen, mit denen er auf Schalke eng zu tun hatte, bedankten sich, bedauerten die Trennung, munterten ihn auf.

Tedescos Abschied per WhatsApp

Dass er sich nur per WhatsApp von der Mannschaft verabschieden konnte, störte ihn. Am Donnerstagmorgen hatte er noch auf dem Trainingsplatz gestanden – eine extrem unglückliche Vorgehensweise, die der neue Sportvorstand Jochen Schneider damit erklärte, dass für die Regelung der Nachfolge erst noch das Einverständnis des Ehrenrates eingeholt werden musste: Huub Stevens, Schalkes Jahrhunderttrainer, ist schließlich Mitglied des Aufsichtsrates, da galt es formale Hürden zu überwinden.

Der 65 Jahre alte Niederländer als Chef und einer seiner ehemaligen Spieler aus der legendären Uefa-Cup-Siegermannschaft von 1997, Mike Büskens (50), werden nun versuchen, die taumelnde Mannschaft vor dem Absturz in die Zweite Liga zu bewahren. Ihr Auftrag gilt bis zum Saisonende, die erste Aufgabe könnte kaum schwieriger sein: An diesem Samstag (15.30 Uhr/Sky) kommt RB Leipzig in die Arena. Ein Team mit Spielwitz und Geschwindigkeit, ganz anders als das von Schalke 04.

Stevens fordert Tugenden, "die auf Schalke gefragt sind“

Die entscheidende Frage ist: Wie soll es diesem Duo in so kurzer Zeit gelingen, die eigene Mentalität auf Spieler zu übertragen, die sich zuletzt mehrmals wehrlos ergaben? Stevens fordert „Tugenden, die auf Schalke gefragt sind“. Was er darunter versteht, erklärte er auch: „Wir wollen eine Mannschaft sehen, die kämpft und Leidenschaft zeigt. Wir sind jetzt alle gefragt, auch unsere Fans. Ich appelliere daran, dass wir wieder eine Familie sind.“ Auch Büskens betonte: „Wir können uns nur zusammen aus dieser Situation befreien.“

Stevens kündigte an, viele Gespräche mit den Spielern führen und sich auch noch mal bei Domenico Tedesco erkundigen zu wollen. Natürlich muss der Routinier herausfinden, welche Strömungen zum Strudel führten, welche Missstimmungen zu Misserfolgen. Aber Stevens stellte auch klar, dass die von Tedesco degradierten Spieler wieder mit einer Aufwertung rechnen dürfen: „Jeder Mensch bekommt eine zweite Chance.“ Ins Detail gehen wollte er nicht, die brisante Frage nach den Torhütern Alexander Nübel und Ralf Fährmann beantwortete er in typischer Stevens-Manier: „Im Tor wird einer stehen, der Handschuhe anhat.“

Trainersuche für die kommende Saison startet

Auf die noch spannendere Frage, ob der Schalke-Trainer in der kommenden Saison Bruno Labbadia, Marco Rose, David Wagner oder Alexander Zorniger heißen könnte, wird Jochen Schneider eine Antwort finden müssen. Für den Moment ist der Sportvorstand erst einmal froh, dass sich die beiden Schalker Haudegen spontan dazu bereiterklärten, „den verfahrenen Karren aus dem Dreck zu ziehen“.

Warum er sich das überhaupt antut, wurde Huub Stevens auch gefragt. „Weil ich ein Blau-Weißer bin“, sagte er. Für einen anderen Klub hätte er das nicht gemacht. Vor drei Jahren hatte er seine Karriere in Hoffenheim aus gesundheitlichen Gründen beendet, Herzrhythmusstörungen hatten ihm zu schaffen gemacht. Ist unter diesem Aspekt das aktuelle Schalke dann nicht ein zu großes Risiko? „Gäbe es da noch ein Problem, säße ich jetzt nicht hier“, sagte Huub Stevens. „Mir geht es gut, und ich hoffe, dass es mir auch in drei Monaten noch gut geht.“

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