Olympia 2032

Stimmen zu möglicher Olympia-Bewerbung: "Gäbe Auftrieb"

Die Olympischen Sommerspiele 2036 könnten in der Region Rhein Ruhr stattfinden.

Die Olympischen Sommerspiele 2036 könnten in der Region Rhein Ruhr stattfinden.

Foto: dpa

Essen.  Die Rhein-Ruhr-Region ist der Austragung der Olympischen Spiele 2032 ein Stück näher gekommen. Das sagen die Sportgrößen zum Vorhaben.

Berlin ist raus, so viel steht seit Mittwoch fest. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) hat entschieden, sich nicht mit der Hauptstadt für die Olympischen Spiele 2032 zu bewerben. Das erhöht die Chancen für die Region Rhein Ruhr deutlich, auch wenn noch immer nicht endgültig fest steht, ob der DOSB überhaupt ins Rennen gehen will um eine Ausrichtung der Sommerspiele in zwölf Jahren. Bei einer Präsidiumssitzung am 26. April könnte der weitere Fahrplan festgelegt werden.

Wir haben schon heute Sportgrößen aus der Region gefragt, was sie über Olympische Spiele an Rhein und Ruhr denken.

Heide Ecker-Rosendahl, 72, ehemalige Leichtathletin aus Leverkusen, gewann bei den Olympischen Spielen 1972 Gold im Weitsprung und mit der 4x100-Meter-Staffel sowie Silber im Fünfkampf: „Grundsätzlich freue ich mich, wenn mal wieder Olympische Spiele in Deutschland ausgetragen werden. Die Region ist ideal, die Menschen hier gehen gern zu sportlichen Großereignissen und ich glaube, dass sie sich für Olympia begeistern lassen würden. Man muss aber von Anfang an die Sorgen berücksichtigen, die in Hamburg und München zu den ablehnenden Volksentscheiden geführt haben. Trotz allem habe ich Bedenken, und die liegen beim IOC. So wie sich die Spiele entwickelt haben, bin ich mir nicht sicher, ob sie noch so schön sein können wie zu meiner Zeit. Das ist einfach alles so gigantisch geworden, das wird immer schwerer zu stemmen – für jeden Ausrichter. Deshalb lautet mein Appell an das IOC: Macht die Spiele wieder kleiner.“

Max Hoff, 37, Kanu-Olympiasieger aus Essen, war bei den Olympischen Spielen in Peking, London und Rio dabei: „Es wäre natürlich grandios, wenn es klappen würde mit Olympischen Spielen in der Region Rhein-Ruhr. Das gäbe dem Sport in Deutschland Auftrieb, so kann man eine neue Sportbegeisterung entfachen und vielleicht wieder mehr Kinder dazu kriegen, sich zu bewegen. Das ist ein Wert, der ist unbezahlbar. In Zeiten des Strukturwandels täten Olympische Spiele der Region ganz sicher gut, viele Sportstätten sind vorhanden und für die Infrastruktur gäbe es einen Schub. Natürlich ist Rhein-Ruhr nicht Sydney oder New York, aber ich finde, die Region insgesamt ist schon ein bisschen wie eine Weltmetropole. Jetzt muss Aufklärungsarbeit geleistet werden, um die Bevölkerung mitzunehmen. Und auch beim IOC ist ein Umdenken nötig.“

Martina Voss-Tecklenburg, 52, Bundestrainerin der deutschen Frauenfußball-Nationalmannschaft und ehemalige Nationalspielerin: „Das ist eine tolle Nachricht für die Region. Ich bin ein Kind des Ruhgebietes, wir haben hier so viele tolle Athleten aus so vielen verschiedenen Sportarten, die Region lebt für den Sport und ist mit ihrer Vielfältigkeit wie geschaffen für Olympische Spiele. Das Konzept muss aber wirklich gut sein, das Thema Nachhaltigkeit beschäftigt die Menschen heute sehr, es ist niemand mehr so blauäugig, dass er einfach nur Hurra schreit.“

Pamela Dutkiewicz, 28, Hürdensprinterin aus Wattenscheid, WM-Dritte 2017: „Ich habe Olympische Spiele 2016 in Rio schon erlebt. Das ist das größte Event der Welt. Das ist riesig, verrückt. Es sind wahnsinnig viele Menschen, die da plötzlich zusammen kommen. Ich kann Leute verstehen, die hier wohnen und Olympia Rhein-Ruhr kritisch gegenüber stehen, die Angst davor haben, was hier passiert und sich fragen: Wie soll ich meinen Alltag bestreiten, wenn die A40 so schon immer voll ist und dann auch noch Ausnahmezustand herrscht – als Beispiel. Ich kann die Zweifler also verstehen. Wenn aber ein nachhaltiges Konzept besteht und die Spiele an einen Ort kommen wie dem Ruhrgebiet, bei dem ich ganz, ganz sicher bin, dass die Leute den Sport verstehen und Lust haben, kann es funktionieren. Wichtig ist aber, dass die Voraussetzungen geschaffen sind, damit die Leute mitgenommen werden, einverstanden sind. Bei ihnen muss ankommen: Das ist ein Ausnahmezustand, aber das wird cool, das hat keine negativen Konsequenzen für uns.“

Mark Warnecke, 49, 1996 Olympiadritter über 100 Meter Brust und 2005 mit 35 Jahren ältester Weltmeister der Schwimm-Geschichte: „Das ist phänomenal. Die Abkehr von den Hyper-Bauten ist genau richtig. Die Schwimm-Wettbewerbe sollen in der Schalker Arena stattfinden. Das geht für mich als BVB-Fan gar nicht (lacht). Im Ernst, das ist super. Ein bewegliches Becken in der Arena ist ideal. Und bei Olympia kann man das Stadion auch voll bekommen.“

Frank Busemann, 44, Olympiazweiter 1996 im Zehnkampf und heute ARD-Experte: „Die Idee, die hinter der Bewerbung steckt, ist sehr gut. Ich hoffe, das wird auch honoriert. Wenn man eine Weltstadt wie Berlin aussticht, muss doch ein Riesenpfund hinter der Bewerbung stecken. Man muss Visionen haben. Nur so geht es.“

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