Kommentar

Trennung von Tedesco auf Schalke: Schmerzhaft, aber alternativlos

Domenico Tedesco

Domenico Tedesco

Foto: dpa

Essen.  Warum an der Entlassung von Domenico Tedesco als Trainer bei Schalke 04 kein Weg vorbei geführt hat. Ein Kommentar.

Nun ist es also passiert. Domenico Tedesco ist nicht mehr Trainer des FC Schalke 04. Die Entscheidung, sich jetzt von ihm zu trennen, war richtig, war alternativlos. Und dennoch bleibt sie schmerzhaft.

Denn dieser junge Mann mit seinen erst 33 Jahren hatte vom ersten Tag an nachgewiesen, dass Schalke 04 für ihn nicht nur ein Arbeitgeber war, sondern auch eine Herzenssache. Er hatte vieles richtig gemacht. Hatte sich mit Klub-Legenden getroffen, um deren Meinungen einzuholen. Hatte den Fans gezeigt, dass auch er Fan ist. Hatte seine Motivation auf die Spieler übertragen – das 4:4 in Dortmund nach 0:4-Rückstand bleibt unvergessen.

Gnadenloses Tagesgeschäft

Aber im Tagesgeschäft zählt Vergangenes wie die Vizemeisterschaft nicht. Schalkes Absturz hat dramatische Züge angenommen, die Abstiegsgefahr ist real. Die Mannschaft ließ Tedesco im Stich, der Trainer wusste keine Lösungen mehr – so konnte es nicht weitergehen.

Sportvorstand Jochen Schneider ist abzunehmen, wenn er versichert, er hätte sich die Entscheidung nicht leicht gemacht. Er hält grundsätzlich viel von Tedesco, räumte ihm deshalb ja auch noch drei Chancen ein: in Bremen, in Manchester und gegen Leipzig. Nach dem demütigenden 0:7 in der Champions League aber musste Schneider unbedingt früher handeln.

„Mir tut es einfach leid“, sagte der Aufsichtsratsvorsitzende Clemens Tönnies – und auch er flunkerte nicht dabei. Tedesco war Tönnies ans Herz gewachsen, es gefiel ihm natürlich, wie sehr sich dieser junge Trainer mit dem Verein identifizierte. Doch die Verantwortlichen konnten nicht mehr länger dabei zusehen, wie sich die Mannschaft wehrlos ergab und demütigen ließ. Nicht gut geregelt aber haben sie die Art der Trennung. Bei allen wohlgemeinten Worten: War es wirklich nötig, Tedesco an seinem letzten Arbeitstag morgens noch mal auf den Trainingsplatz zu schicken? Ja, der Aufsichtsrat musste erst tagen, ja, die Medien sollten keine voreiligen Schlüsse ziehen können, und dennoch: Das hätte eleganter gelöst werden können, nein: müssen.

Klangvolle Interimslösung

Die Interimslösung aber kann sich sehenlassen, Huub Stevens und Mike Büskens sind eine gute Wahl. Ihnen ist es zuzutrauen, dass sie die Wende hinbekommen. Und Domenico Tedesco wird eines Tages woanders Karriere machen, ganz bestimmt. Denn aus den bitteren Erfahrungen dieser Tage wird er lernen. Und schlimmer kann es für ihn ja ohnehin nicht mehr kommen.

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