Bundesliga-Start

Titel, Abstieg, Europapokal: Was wir von der Saison erwarten

Protagonisten der Bundesliga-Saison sind (v. l.) Bayern-Trainer Niko Kovac, Schalke-Trainer David Wagner und Jadon Sancho vom BVB (Mitte).

Protagonisten der Bundesliga-Saison sind (v. l.) Bayern-Trainer Niko Kovac, Schalke-Trainer David Wagner und Jadon Sancho vom BVB (Mitte).

Foto: Seric Kuzoluk

Essen.  Am Freitag beginnt die Bundesliga-Saison - wir beantworten die wichtigsten Fragen. Zum Beispiel: Ist der BVB titelreif? Was wird aus Schalke?

Titelrennen, Abstiegskampf, Europapokal: Die Sportredaktion beantwortet die wichtigsten Fragen vor dem Start in die Bundesliga-Saison!

Ist der BVB tatsächlich titelreif? (von Sebastian Weßling)

Um es kurz zu machen: Ja. Borussia Dortmund ist titelreif. Mannschaft und Trainerteam haben ihre Lehren aus dem unglücklichen Ende der vergangenen Saison gezogen, junge Spieler wie Jadon Sancho und auch erfahrene Haudegen wie Axel Witsel können noch einmal einen Schritt nach vorne machen. Torjäger Paco Alcácer wirkt deutlich fitter als im Vorjahr. Große Teile der Mannschaft sind – anders als im Vorjahr – eingespielt, hinzu kommen großartige Ergänzungen. Ob Julian Brandt, Thorgan Hazard, Nico Schulz oder Mats Hummels: Der BVB-Kader ist qualitativ deutlich besser und wesentlich breiter besetzt. Natürlich garantiert das keinen Erfolg, Fußball lässt sich eben nur bedingt planen. Dennoch wage ich die Prognose: Dortmund wird in der kommenden Saison mehr als 80 Punkte sammeln. Ob das aber tatsächlich zur Meisterschaft reicht, hängt – wie immer – in erster Linie von Bayern München ab.

Was ist bloß mit den Bayern los? (von Melanie Meyer)

Niko Kovac bewies bei der Vorstellung des Neuzugangs Ivan Perisic Humor: „Ich war ja auch die B-Lösung – und wir haben das Double geholt“, sagte der 47-Jährige, der in seine zweite Saison als Bayern-Trainer geht. Ja, Ivan Perisic ist nicht Leroy Sané. Ja, dem FC Bayern fehlt noch der ganz große Transfercoup, der Superstar, der die Liga in Ehrfurcht erstarren lässt. Doch man darf nicht vergessen: Im kleinen Kader stehen Profis wie Robert Lewandowski, Niklas Süle, Serge Gnabry, Leon Goretzka, Joshua Kimmich, Thiago, Javi Martinez oder Kingsley Coman – bärenstarke Fußballer, die schon das eine oder andere Mal zusammengespielt haben. Hinzu kommen die Weltmeister Lucas Hernandez und Benjamin Pavard. Bleiben diese Jungs gesund, ist die erste Elf des FC Bayern sogar noch stärker als die des BVB. Doch um am Ende wieder oben zu stehen, muss Ruhe einkehren. Und die hängt maßgeblich vom Gefüge Kovac-Rummenigge-Hoeneß ab.

Was wird aus Schalke? (von Peter Müller)

Als sich der hochtalentierte Ozan Kabak direkt nach Aufnahme des Trainings verletzte, dachten viele Schalke-Fans: Das geht ja schon wieder gut los. Tatsächlich ist der 19-jährige Neue auch Wochen später noch nicht einsatzbereit, den Saisonstart wird er verpassen. Doch die ganz große Erschütterung sollte noch kommen: Die verbale Entgleisung des Aufsichtsrats-Vorsitzenden Clemens Tönnies bei einem Handwerker-Tag überstrahlt die gesamte Saison-Vorbereitung. Die Spieler aber dürfen sich nicht vom Fußball ablenken lassen. Wird dies nach der tief enttäuschenden vergangenen Saison gelingen? Zuverlässig lässt sich das nicht vorhersagen. Noch kann man auch nicht wissen, ob es dem neuen Trainer David Wagner gelingen wird, seine erkennbar hohe Motivation auf die Mannschaft zu übertragen. Dass der Europacup diesmal nicht als Ziel vorgegeben wird, erscheint sinnvoll. Schalke 04 ist derzeit ein großes Rätsel.

Wer schafft's nach Europa? (von Hendrik Niebuhr)

Den Wunsch nach europäischen Spielen unter Flutlicht hegt auch in diesem Jahr wieder die halbe Liga. Bayer Leverkusen ist sicher nicht nur ein Europa-, sondern auch ein Champions-League-Anwärter. Doch dahinter gibt es ein Hauen und Stechen. Eintracht Frankfurt? VfL Wolfsburg? TSG Hoffenheim? Werder Bremen? Hertha BSC? Sie alle schielen mit mehr als einem Auge Richtung internationales Geschäft. In Wolfsburg, Berlin und Hoffenheim sind in Oliver Glasner, Ante Covic und Alfred Schreuder neue Trainer am Werk, letzterer hat einen gewaltigen Umbruch zu bewältigen. Berlin investierte viel Geld unter anderem in Dodi Lukebakio. Die Eintracht muss die Abgänge von Sébastien Haller und Luka Jovic verkraften. Bei Werder schmerzt der Verlust von Max Kruse, ansonsten ist das Team eingespielt. Ömer Toprak stabilisiert die Abwehr. Deshalb: 2020 spielen die Hanseaten nach zehn Jahren Pause wieder international.

Gehört Gladbach zu den Top vier? (von Marian Laske)

Im Grunde findet in Gladbach ein interessantes Experiment statt. Dort versucht der neue Trainer Marco Rose, aus einer bislang eher ballorientierten Elf eine Draufgänger-Truppe zu basteln. Diese soll pressen, den Gegner jagen, so den Ball erobern und diesen dann rasant zum gegnerischen Tor befördern. Ob das gelingt? Abwarten. In jedem Fall haben sich die Gladbacher in Rose einen begehrten Trainer gesichert. Sie haben sich auch mit temporeichen Fußballern wie Marcus Thuram, Stefan Lainer und Breel Embolo verstärkt. Trotzdem gehören zu den Führungsspielern im Kader Profis, die ihre beste Zeit hinter sich haben. Lars Stindl etwa. Raffael. Christoph Kramer. Matthias Ginter hingegen ist nach wie vor bei Bundestrainer Joachim Löw gefragt. An die Top drei (Bayern, BVB, RB Leipzig) kommt Gladbach so nicht heran. Mit den übrigen Champions-League-Anwärtern kann der Klub mithalten. Jedenfalls dann, wenn das Rose-Experiment aufgeht.

Wie stark sind die Aufsteiger? (von Christian Brausch)

Einen Aufsteiger wird es auf jeden Fall erwischen. Der SC Paderborn wird am Ende der Saison absteigen. Der SCP will seinen Stil beibehalten, offensiv spielen und den Fans Freude bereiten. Allerdings reicht das nicht für den Klassenerhalt. Paderborn hat den kleinsten Etat, die Zugänge kamen fast nur aus den unteren Ligen. Daher wäre der Nichtabstieg ein Fußballwunder. Anders ist die Lage in Köln. Knapp 20 Millionen Euro gab der FC aus, anders als in der Vergangenheit wurde gezielt nach sofortigen Verstärkungen geschaut. Köln will in der Spitze besser werden, nicht in der Breite. Das wird sich auszahlen, Köln hält die Liga. Union Berlin plant offenbar anders. 33 Mann umfasst der Kader, gleich zwölf neue Spieler kamen. Der Umbruch kann gelingen, doch es geht bis zum Ende gegen den Abstieg. Klappt alles perfekt, erreicht Union den Relegationsplatz. Für zwei Spiele mehr ist der große Kader ja bereits ausgerichtet…

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