Urteil

20-Jährige erfindet Überfall und Vergewaltigung

Der vermeintliche Tatort: In diesem Umfeld, so hatte es die Frau angegeben, sollte die Vergewaltigung stattgefunden haben. Jetzt stellte sich heraus: Die Frau hat gelogen.

Der vermeintliche Tatort: In diesem Umfeld, so hatte es die Frau angegeben, sollte die Vergewaltigung stattgefunden haben. Jetzt stellte sich heraus: Die Frau hat gelogen.

Marsberg  Auf einem Spielplatz hatte die Frau Sex mit einem Bekannten. Anschließend zeigte sie eine Vergewaltigung an. Vor Gericht kam die Wahrheit heraus.

. „Sie haben der Polizei eine komplette Räuberpistole aufgetischt. Nichts davon ist wahr. Die Vergewaltigung nicht. Die Geschichte drumherum nicht. Nichts.“

Amtsanwalt Schauer hält der 20-jährigen Angeklagten vor dem Amtsgericht Marsberg vor, mit ihrer Falschaussage im Oktober 2018 den Justiz- und Polizeiapparat in Gang gesetzt zu haben, der sich mit einem großen Aufwand daran begeben habe, ein Verbrechen aufzuklären, das es nie gegeben hat.

Die Vergewaltigung einer Heranwachsenden sei keine Kleinigkeit und habe in Marsberg hohe Wellen geschlagen. „Damit haben Sie sich der Vortäuschung einer Straftat schuldig gemacht“, urteilte Richter Eberhard Fisch am Dienstagvormittag in der Verhandlung.

Oma spricht von Vergewaltigung

Die junge Frau zeigte sich reuig: „Es war ein Fehler. Ich weiß selbst nicht, warum ich das getan habe.“ Ihre Oma habe ihr eingeredet, dass es eine Vergewaltigung gewesen sein musste. „Ich habe sonst nichts mit Jungen zu tun gehabt.“

Zweimal hatte die junge Frau bei der Polizei angegeben, vergewaltigt worden zu sein. Einmal, als sie die Tat zur Anzeige brachte, später im Rahmen der Ermittlungen noch einmal. „Dann wusste ich selbst nicht mehr, ob ich alles richtig mache“, sagte sie aus. Sie ließ sich in die LWL-Klinik einweisen. Nach Aufarbeitung des Vorfalls war sie Ende November zur Polizei gegangen und hatte zugegeben, dass sie die Vergewaltigung erfunden hatte.

Die Wahrheit hinter der Lüge

Am Samstagabend des 27. Oktobers war die damals 19-Jährige erst mit einer Freundin im Kino in Warburg. Dann traf sie sich gegen 23.30 Uhr mit einem jungen Mann polnischer Abstammung. Kennengelernt hatte sie ihn Anfang Oktober im Internet. „Wir haben uns erst ganz normal unterhalten und dann geküsst. Dann sind wir weiter gegangen bis zur gelben Schule.“ Auf dem Spielplatz sei es dann zum Geschlechtsverkehr gekommen.

„Einvernehmlich?“, fragte der Amtsrichter nach. „Ja“, antwortete die Angeklagte. Später habe sie dann ihrer Oma in Magdeburg am Telefon den Vorfall geschildert. Die Großmutter habe ihr eingeredet, dass es eine Vergewaltigung gewesen sein müsse. „Ich wusste selbst nicht mehr, was richtig ist und was falsch.“

Falschaussage beinhaltet unterlassene Hilfeleistung

Am folgenden Montag sagte sie auf der Polizeiwache aus, dass ihr gegen 1 Uhr in Richtung Gansauweg eine Gruppe männlicher Jugendlicher entgegengekommen sei, sie in den Bereich der gelben Schule ausgewichen sei, um sich in Sicherheit zu bringen. Dann sei sie von hinten an der Kapuze auf den Boden gezogen worden. Sie habe versucht, sich zu wehren, sei beschimpft worden und der Täter hätte ihr die Kleidung vom Leib gerissen. Dann sei es mehrfach zur Vergewaltigung gekommen.

Als der Täter ein Rascheln im Gebüsch gehört habe, sei er aufgesprungen und geflüchtet. Auf dem Nachhauseweg hätte sie ein Pärchen um Hilfe gebeten, weil bei ihrem Telefon der Akku leer war. Doch das Pärchen habe dies ignoriert.

Angeklagte zeigt eine erhebliche Reifeverzögerung

Der Sozialdienst Katholischer Frauen (SKF) Brilon betreut die Familie der Angeklagten. Die Angeklagte habe früher lange Zeit bei der Oma gelebt, die nach Aussagen der Angeklagten, ihr gegenüber dominant Besitzansprüche erhoben habe. Nach einem Bericht der Jugendgerichtshilfe liegt bei der Angeklagten eine „erhebliche Reifeverzögerung“ vor. Das sahen auch Amtsanwalt und Amtsrichter und wandten das wesentlich mildere Jugendstrafrecht an, da die Angeklagte zur Tatzeit als Heranwachsende galt.

Richter verhängt eine Erziehungsstrafe

Amtsrichter Fisch verhängte eine Erziehungsstrafe von 150 Sozialstunden. Da die Angeklagte arbeitslos ist und über kein eigenes Einkommen verfügt, verzichtete das Gericht darauf, ihr die Kosten des Verfahrens aufzubürden. Der Amtsanwalt und die Angeklagte verzichteten auf Rechtsmittel, so ist das Urteil rechtskräftig.

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