Amtsgericht Brilon

Azubi bekräftigt unter Eid: Wurde von Arzt sexuell belästigt

 Ein Arzt muss sich wegen sexueller Belästigung vor dem Amtsgericht Brilon verantworten.

Ein Arzt muss sich wegen sexueller Belästigung vor dem Amtsgericht Brilon verantworten.

Foto: Frank May / picture alliance/dpa

Altkreis Brilon.  Wegen sexueller Belästigung muss sich ein Krankenhaus-Arzt vor Gericht verantworten. Er soll im Aufzug einer Auszubildenden zu nahe gekommen sein.

Die #Metoo-Debatte hat das Thema Sexuelle Belästigung weltweit in den Blickpunkt gerückt. Jetzt läuft ein Verfahren vor dem Briloner Amtsgericht, in dem es einen Vorfall geht, der sich in einem Krankenhaus im Altkreis Brilon zugetragen haben soll. Angeklagt ist ein Arzt. Eine Auszubildende wirft ihm vor, sie im Aufzug belästigt zu haben. Der Beschuldigte bestreitet den Tatvorwurf, den die junge Frau sogar unter Eid erhebt.

Vorfall soll im Aufzug passiert sein

Die 23-jährige macht eine Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin. Sie beschreibt den Vorfall, der sich am 24. November 2018 ereignet haben soll, so: Gemeinsam mit dem Angeklagten sei sie an dem Tag im Krankenhaus-Aufzug von einer Station zur nächsten gefahren. Als die Tür geschlossen war, sei er auf sie zugekommen, habe sie umklammert und mit seinem Körper rückwärts gegen die Aufzugwand gedrückt. Daraufhin habe sie ihn mit den Händen weggeschubst und deutlich gesagt, dass er weggehen soll. Trotzdem sei er erneut zudringlich geworden und habe versucht, sie zu küssen. Als die Tür dann aufging, sei sie ganz schnell raus und auf die Station zurück gegangen, auf der sie zu dem Zeitpunkt eingesetzt wurde.

Arzt bestreitet Vorfall und hatte Strafbefehl nicht akzeptiert

Der Arzt allerdings erklärte vor Gericht, er sei überhaupt nicht gemeinsam mit der jungen Frau in dem Aufzug gewesen. Die Möglichkeit, im Vorfeld der Verhandlung einen Strafbefehl und damit die Zahlung einer Geldauflage zu akzeptieren, hatte er abgelehnt. Ihm gehe es darum, dass seine Unschuld deutlich werde. Und so stand am ersten Verhandlungstag Aussage gegen Aussage, denn einen direkten Zeugen gibt es nicht. Als Zeuge geladen war aber ein Krankenpfleger, mit dem die Auszubildende kurz nach dem von ihr beschriebenen Vorfall gesprochen hatte. Er habe die Kollegin angesprochen und gefragt, was los sei, weil sie im Schwesternzimmer gesessen und sehr verstört gewirkt habe. Details habe sie ihm nicht berichtet, aber sie habe mit Tränen in den Augen schließlich berichtet, dass ihr ein Arzt im Aufzug zu nahe gekommen sei.

Aussage gegen Aussage

Zuvor hatte die junge Frau offenbar auch schon mit einer Krankenschwester gesprochen, die den Vorfall aber nicht ernst genommen und deutlich gemacht habe, dass sie dem beschuldigten Arzt eine sexuelle Belästigung nicht zutraue. Sie soll jetzt am nächsten Prozess-Tag gehört werden. Nach dem mutmaßlichen Vorfall war die 23-Jährige in ärztlicher Behandlung und hat auch einige Termine in der Trauma-Ambulanz wahrgenommen. Noch heute habe sie Probleme, mit Aufzügen zu fahren. Auch nach einem Jahr habe sie noch mit der Sache zu kämpfen und fühle sich seitdem „ekelig.“ Der Übergriff habe sie damals völlig unerwartet getroffen, erzählte die junge Frau vor Gericht. Der betreffende Arzt sei zwar immer sehr locker und cool gewesen, sei ihr aber vorher nicht zu nahe gekommen. Kurz vor der Belästigung im Aufzug habe er allerdings bereits im Flur locker einen Arm um ihre Hüfte gelegt. Das sei aber für sie nicht schlimm gewesen. „Das war noch keine Grenzüberschreitung für mich“, so die Zeugin vor Gericht. Die Sache im Aufzug dagegen schon.

Die Verhandlung soll am 21. Oktober mit zwei weiteren Zeugen fortgesetzt werden.

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