Gericht

Bei Falschgeld-Razzia stößt Kripo in Brilon auf Drogen-Depot

Foto: Hendrichs Jürgen

Brilon.   Erst nahm der junge Briloner Marihuana, weil es seine gesundheitlichen Beschwerden milderte. Dann kamen die Falschgeld-Fahnder.

Es war ein Beifang: Im Zuge einer bundesweiten Razzia gegen Handel mit Falschgeld im Darknet durchsuchte die Polizei im Herbst 2017 auch die Wohnung eines 23-Jährigen in Brilon. Blüten fanden sie zwar nicht, dafür aber weiche und harte Drogen. Am Dienstag kassierte er ein „Gnadenurteil“.

Insgesamt 1030 Gramm Marihuana und rund 720 Gramm synthetische Drogen stellten die Beamten bei der Razzia sicher. Das war aber nicht alles. Wegen Besitzes von und Handels mit Drogen in nicht geringen Mengen in zwei Fällen verurteilte ihn das Schöffengericht Brilon zu anderthalb Jahren Haft; außerdem muss er 2000 Euro an das Mehrgenerationenhaus „Leuchtturm“ zahlen.

Drogen „auf Vorrat“ erworben

„Das ist ein Gnadenurteil“, schrieb Vorsitzender Richter Hans-Werner Schwens dem Angeklagten ins Stammbuch. Denn es ging um weit mehr als die bei der Hausdurchsuchung sichergestellten Mengen. Seit 2015, so räumte der junge Mann ein, habe er „auf Vorrat“ Drogen erworben. Das Cannabis sei dabei zum größten Teil für den Eigenkonsum bestimmt gewesen - aus medizinischen Gründen. „Ein Arzt hat mir dazu geraten“, sagte der Angeklagte, der seit Jahren an einer chronischen und auch schon operativ behandelten Darmerkrankung leidet. „Das Haschisch sollte helfen. Das tat es auch“, sagte der junge Mann: „10 Gramm waren am Tag schnell weg.“

Gleichwohl versorgte er auch seine Freunde mit Stoff, wenn die was wollten. Dabei habe er immer auf gute Qualität geachtet, es sei ihm nie darum gegangen, „großartig Geld zu verdienen“. Zwischen 50 Cent und einem Euro habe seine Marge pro Gramm betragen. Sein Anwalt Thorsten Hönnscheidt (Dortmund) sah darin „fast altruistische“ Züge: „Er wollte seinen Kumpels keinen Schrott andrehen.“ Nach Hochrechnung des Gerichts waren in diesem Zeitraum prozessual relevant etwa ein Kilo Marihuana und rund 400 g synthetischer Drogen - vor allem Ecstasy-Pillen und Amphetaminsulfat - zusammengekommen.

Die bei der Hausdurchsuchung entdeckten Drogen will er erst „ein paar Tage vorher“ besorgt haben. Seine Quelle wollte er dem Richter nicht preisgegeben.

Zeuge verweigert Aussage

Nichts mehr zur Aufklärung beitragen wollte auch der Zeuge, der gegenüber der Polizei noch ausgesagt hatte, in 30 Fällen für jeweils 30 Euro von dem Angeklagten Drogen erworben zu haben und der von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch machte. Ein Verfahren gegen ihn war gegen eine Geldauflage eingestellt worden. Der Angeklagte räumte lediglich ein, diesem Bekannten „unter 20 Mal“ was überlassen zu haben.

Staatsanwältin Aista Subat kritisierte die „äußerst spärlichen Angaben“ des Angeklagten. Das Geständnis sei „nicht überzeugend“, es habe nur das umfasst, was ohnehin „objektiv feststellbar“ sei. Sie forderte für den Drogenbesitz und - handel in zwei Fällen eine Gesamtstrafe von einem Jahr und acht Monaten sowie eine Geldauflage von 3000 Euro. Da der Angeklagte nicht vorbestraft sei und mit seiner Erkrankung immerhin „den Ansatz einer Erklärung“ geliefert habe, könne die Strafe zur Bewährung ausgesetzt werden.

Verteidiger Hönnscheidt wollte mit der „Silo-Theorie“ die Anklage auf nur einen Fall reduzieren: Sein Mandant habe sich einmal mit einer größeren Drogen-Menge eingedeckt und danach das zur Neige gehende Depot immer wieder aufgefüllt. Er hielt 15 Monate Haft für ausreichend. Das, was in der Verhandlung zur Sprache gekommen war, sei nur „die Spitze des Eisbergs“, war Richter Schwens überzeugt.

Für den Angeklagten spreche, dass er sich von der hiesigen Szene gelöst habe und dabei sei, sein Leben in den Griff zu kriegen. Und wenn ihm das Cannabis bei seiner Erkrankung helfe, „lassen Sie es sich von einem Arzt verschreiben“.

Die Falschgeld-Affäre spielte in diesem Verfahren keine Rolle.

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