Überfall

Bewährungsstrafe nach Überfall auf Spielhalle in Brilon

Beim Überfall auf eine Spielhalle - hier ein Symbolbild - erbeutete ein Quartett eine Beute von insgesamt 4417 Euro. Der Angeklagte behauptet, dass er die Namen seiner Komplizen nicht kennt.

Beim Überfall auf eine Spielhalle - hier ein Symbolbild - erbeutete ein Quartett eine Beute von insgesamt 4417 Euro. Der Angeklagte behauptet, dass er die Namen seiner Komplizen nicht kennt.

Foto: Arne Poll / WP

Brilon/ Arnsberg.  Ein Quartett erbeutete unter vorgehaltener Waffe 4417 Euro in einer Spielhalle. Die Geschädigte ist von dem Überfall noch immer traumatisiert.

Der Erziehungsgedanke und die Resozialisierung haben bei der Strafmaßfindung im Jugendrecht oberste Priorität. Das war bei dem Prozess vor der 6. Großen Strafkammer als Jugendkammer eindeutig zu erkennen. Ein zur Tatzeit 19-jähriger Syrer mit Wohnort Olsberg war vor der Staatsanwaltschaft wegen einer gemeinschaftlichen schweren räuberischen Erpressung angeklagt.

Der aus der Untersuchungshaft vorgeführte junge Mann sollte demnach mit drei bislang unbekannten Mittätern am 27. Mai 2018 in Brilon eine Spielhalle überfallen haben. Er und ein weiterer Täter sollten maskiert und unter Vorhalt einer Pistole den Inhalt der Tageskasse und eines Tresors – insgesamt 4417 Euro – an sich genommen haben und mit zwei Männern, die vor dem Gebäude Schmiere standen, geflohen sein. Das Quartett ließ sich mit einem Taxi nach Olsberg fahren, wo man die Beute aufteilte. Bei dem Raubzug hatten die Täter kaum gesprochen. Sie legten der 55-jährigen Hallenaufsicht einen Zettel mit der Aufforderung, alles Geld herauszugeben, vor. Diesen Zettel hinterließen die Räuber am Tatort. Auf ihm konnte die Polizei Fingerabdrücke sichern, die dem Angeklagten zugeordnet werden konnten.

Nur zum Teil kooperativ

Nach einer von ihm zuvor begangenen Tat war er erkennungsdienstlich behandelt worden, seine Fingerabdrücke waren bundesweit gespeichert. Der Angeklagte legte vor Gericht ein Geständnis ab, war aber nicht bereit, seine Mittäter zu benennen. Obwohl er mit ihnen und anderen jungen Leuten über einen langen Zeitraum „abgehangen“ und mit ihnen gekifft hatte, kannte er deren Namen angeblich nicht. Von Zweien wusste er lediglich die Vornamen: Mustafa und Ahmed. Der Angeklagte will seit seiner Einreise über die Balkanroute 2015 in Deutschland angefangen haben, Heroin und Kokain zu konsumieren. Er habe in Syrien Schlimmes erlebt und sei traumatisiert.

Die durch den Überfall geschädigte Frau gab vor Gericht an, seit der Tat arbeitsunfähig zu sein. „Ich hatte die Waffe vor den Augen. Früher war ich ein starker Mensch. Heute bin ich psychisch krank“, erklärte sie der Kammer. Während der gesamten Verhandlung zeigte sich der Angeklagte wenig beeindruckt, entschuldigte sich bei der sichtbar angeschlagenen Geschädigten nicht.

Haftforderung durch den Staatsanwalt

Der Staatsanwalt stellte klar, dass der Angeklagte zur Tatzeit ein Heranwachsender mit Reifeverzögerung war und deshalb als Jugendlicher anzusehen sei. Man sei brutal aber naiv vorgegangen, sei heillos überfordert gewesen. Das Erpresserschreiben ließ man am Tatort zurück. „ In der recht kurzen Zeit seines Aufenthaltes in Deutschland ist der Angeklagte bereits dreimal strafrechtlich in Erscheinung getreten. Diesen Überfall hat er einem Monat nach einer Verurteilung durch das Amtsgericht Brilon begangen“, verdeutlichte der Staatsanwalt. Er beantragte eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und zehn Monaten.

Vielleicht für Juristen verständlich, für einen Normalbürger jedoch unverständlich dann der Antrag seines Verteidigers: sechs Wochen Dauerarrest. „Mein Mandant stand damals unter einem starken Suchtdruck. Er war nicht der geistige Urheber der Tat“ solle das Gericht bedenken. Die Kammer ließ sich für die Urteilsfindung ungewöhnlich viel Zeit. Sie hat es sich offensichtlich nicht leicht gemacht, da die Anträge des Staatsanwaltes und des Verteidigers sehr unterschiedlich waren.

Angeklagter auf freiem Fuß

Das Ergebnis: zwei Jahre Freiheitsstrafe zur Bewährung. Zu seinen Gunsten wurde dem Angeklagten angerechnet, ein Geständnis abgelegt und fünf Monate in Untersuchungshaft gesessen zu haben. Zu seinen Ungunsten wurde gewertet, dass er keine Reue gezeigt, die Folgen der Tat große Probleme für das Opfer gebracht habe. Dem Syrer wurde aufgegeben 300 Sozialstunden abzuleisten und keine Drogen zu konsumieren. Er wird einem Bewährungshelfer unterstellt. Er verließ das Gericht als freier Mann.

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