Auszeichnung

Bruchhauser Steine erstes Nationales Naturmonument von NRW

Angekommen am Gipfelkreuz: Wanderer genießen den Blick von den Bruchhauser Steinen in Olsberg.

Foto: Hans Blossey

Angekommen am Gipfelkreuz: Wanderer genießen den Blick von den Bruchhauser Steinen in Olsberg. Foto: Hans Blossey

Olsberg/Düsseldorf.   Die Bruchhauser Steine liegen mitten im Hochsauerlandkreis. Mittwoch nach Ostern erhalten sie eine für NRW bisher einzigartige Auszeichnung.

Felsen. Steine. Aha. Wie gewöhnlich. Wo ist der Aufreger? Was bitte macht die Besonderheit aus? Wer so fragt, hat von den Bruchhauser Steinen nie gehört. Dabei liegt die einzigartige Felsformation vor der Haustür, in Olsberg-Bruchhausen im Hochsauerlandkreis. Von Hagen sind es 106 Kilometer, von Olpe 77, von Dortmund 96 Kilometer.

Ideal für einen Ausflug, ideal, um einen natürlichen Schatz zu bestaunen, ideal, um in aller Stille ein Gespür für die Schöpfung zu bekommen. Große Worte, die dem ersten Nationalen Naturmonument in Nordrhein-Westfalen gerecht werden. Am Mittwoch ist die offizielle Feierstunde der Auszeichnung mit Umweltminister Johannes Remmel (Grüne).

290 Millionen Jahre alt

Er sagt: „Hier können wir Millionen von Jahren Geschichte atmen.“ Das ist untertrieben. Die Felsformation ist aus marinen Ablagerungen im Erdzeitalter des Devon vor, sage und schreibe, 370 Millionen Jahren gebildet worden. Und im Spätkarbon, also vor 290 Millionen Jahren, haben sich die Erdschichten so verschoben, um sich am Ende in dieser Ecke im Sauerland so besonders zu formieren.

Die Felsköpfe bestehen nicht aus gewöhnlicher Grauwacke, sondern sind aus Quarzporphyr, zählen zum ältesten kieselsäurereichen Vulkangestein im Land.

Blick aus dem Wohnzimmer

Hubertus Freiherr von Fürstenberg hat sie quasi vom Wohnzimmer täglich im Auge. Der 72-Jährige ist Präsident der gemeinnützigen Stiftung Bruchhauser Steine, die 1992 mit dem Land NRW gegründet worden ist. „Als junger Kerl bin ich überall herumgekraxelt.“ Das ist vorbei. Außerdem ist Klettern seit langem verboten. Nur zum 765 Meter hohen Feldstein gibt es einen gesicherten Aufgang.

Heute verscheucht Fürstenberg Nacktwanderer. „Sie sind eine Zumutung. Die wollen wir hier nicht sehen.“ Wenn er über seine Heimat spricht, schwärmt er von der Einmaligkeit dieser Landmarke. „Die Auszeichnung bedeutet für mich Wertschätzung des ländlichen Raums.“

Inbegriff wilder Landschaft

Werner Schubert, Leiter der Biologischen Station Hochsauerlandkreis, formuliert seine Begeisterung anders: „Seit meiner Kindheit sind sie der Inbegriff von wilder Landschaft.“ Als Kind wanderte der heute 59-Jährige, er stammt aus Marsberg, mit seinen Eltern dorthin.

Später wacht er als ehrenamtlicher Naturschützer in den 1980er Jahren darüber, „dass niemand die Wanderfalken stehlen konnte. Die Scheichs zahlten damals 10 000 bis 20 000 Mark für ein Exemplar.“

Ein Ort für den Raufußkauz

Dass das künftige Nationale Naturmonument zu viele Besucher anzieht, die Sorge hat Schubert nicht. „Das Wegenetz verträgt im Jahr gut ein paar Tausend Besucher mehr. Schlimm wird es, wenn sich hier die Mountainbiker austoben wollen. Sie passen nicht an einen Ort, der für Erholung in Stille steht.“

21,25 Hektar ist das schützenswerte Areal groß. Wer sich für seltene Pflanzen interessiert, stößt, mit ein bisschen Glück, auf Relikte aus der Eiszeit. Sei es die Alpen-Gänsekresse, das Habichtskraut oder der Tannenbärlapp. Und die Vogelwelt wartet mit Wanderfalken, Uhu, Schwarzspecht und Raufußkauz auf. Kurzum, viele Gründe führen zu den Bruchhauser Steinen.

Buggyfreundliche Wanderwege

Das weiß Thomas Guntermann vom Familienblog „Ich bin dein Vater“: „Hier gibt es buggyfreundliche Wanderwege, versteckte Waldhütten und Hochsitze. Das fühlt sich an wie die große weite Welt in Klein.“

Der 50-Jährige lebt in Köln: „Ich komme aus Brunskappel. Vom Elternhaus konnte ich die Bruchhauser Steine sehen. Das macht was mit einem. Mich faszinieren sie. Ein Gefühl, das ich weitergeben will.“ Mit Sohn Theo (3) und Ehefrau Julia war er mehr als einmal da. Von wegen nur Steine.

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