Corona

Corona: Studenten aus Olsberg sprechen über Folgen des Virus

Alleine daheim mit einem riesen Stapel Bücher. Studenten sind derzeit ohne Dozenten und Bibliothek als Informationsquellen auf sich gestellt. Studentinnen aus Olsberg berichten, wie sie damit zurechtkommen.

Alleine daheim mit einem riesen Stapel Bücher. Studenten sind derzeit ohne Dozenten und Bibliothek als Informationsquellen auf sich gestellt. Studentinnen aus Olsberg berichten, wie sie damit zurechtkommen.

Foto: imago stock&people

Altkreis Brilon.  Studenten müssen ihr Studium wegen Corona ohne gewohnte Hilfe meistern. Das gilt es bei Prüfungen, BAFög, Hausarbeiten und Ausleihen zu wissen.

Das Coronavirus sorgt dafür, dass Arbeitnehmer ins Homeoffice gehen und Schüler ihren Unterrichtsstoff in den eigenen vier Wänden pauken müssen. Der Schutz vor Viren legt das öffentliche Leben seit Tagen lahm. Auch Studenten aus dem Altkreis Brilon sind davon betroffen.

An vielen deutschen Universitäten und Hochschulen sollte das Sommersemester eigentlich Anfang April starten. Aufgrund des Coronavirus wurde der Semesterstart jetzt aber auf den 20. April verlegt. Die meisten Studenten haben im Moment Semesterferien. Aber auch in der vorlesungsfreien Zeit gibt es für viele Akademiker dennoch etwas zu tun. Oftmals ist diese Zeit sogar stressiger als die eigentliche Vorlesungszeit. Prüfungen warten, Abgabefristen für Haus- oder Abschlussarbeiten müssen eingehalten werden, Pflichtpraktika stehen an. Aber klappt das auch alles ohne Probleme?

Hausarbeiten und Prüfungen

Uni-Bibliotheken sind geschlossen, ohne Fachliteratur sind Studenten aufgeschmissen. Die Universität in Paderborn reagiert darauf entsprechend. Der Prüfungs- und Klausurbetrieb ist seit dem 17. März eingestellt. Abschlussarbeiten können per E-Mail an die Prüfer geschickt werden. „Die Fristen für die Abgabe von Hausarbeiten, Abschlussarbeiten etc. sind zur Zeit ausgesetzt.

Das Wiedereinsetzen der Abgabefrist wird mindestens vier Wochen vorher angekündigt werden. Ich glaube aber nicht, dass die Studenten deswegen zuhause nichts machen“, sagt Nina Reckendorf, Pressesprecherin an der Universität in Paderborn.

Uni-Bibliotheken sind zu

Viele Universitätsbibliotheken verfügen über Onlineangebote, die von E-Journals bis zu E-Books und Journals reichen auf die Studenten bequem von Daheim zugreifen können. Wer noch ein Buch ausgeliehen hat und es jetzt nicht mehr zurückgeben kann, muss sich deswegen keine Sorgen machen: In geschlossenen Bibliotheken fallen keine neuen Mahngebühren an. Die Fristen von bereits ausgeliehenen Medien werden angepasst.

BAFög wird weitergezahlt

Viele fragen sich außerdem, ob die Verschiebung des Sommersemesters die BAföG-Förderung beeinflusst. „Nein“, sagt die Bundesregierung. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) hat am Freitag festgelegt, dass die BAföG-Förderungen weiter ausgezahlt werden. „Niemand soll sich wegen der Corona-Pandemie um seine BAföG-Förderung Sorgen machen müssen“, sagte die Bundesbildungsministerin Anja Karliczek.

So regieren Studenten

Auch Marie Menke aus Olsberg merkt, wie sich das Coronavirus auf das eigene Studium auswirken kann. Sie sagt aber selbst, dass die Folgen noch überschaubar sind und andere mehr Probleme haben. Die 22-Jährige hat gerade ihre Bachelorarbeit abgegeben und sieht dem Ende ihres Studiums im Fach Medien, Politik und Gesellschaft an der Universität in Bonn entgegen. „Ärgerlich ist jetzt nur, dass die Abgabefrist verlängert wurde. Ich hätte mir noch eineinhalb Monate mehr Zeit nehmen können“, sagt sie. Sie glaubt im Moment noch nicht daran, ihre Noten in naher Zukunft zu bekommen. Zwar gingen die Abschlussarbeiten bei der Uni ein, durch die Verlagerungen ins Homeoffice haben die Dozenten jedoch keinen Zugriff darauf.

Aber auch in Bezug auf ihre nächsten akademischen Schritte muss Menke sich in Geduld üben. Eigentlich war für den Sommer ein Sprachkurs in Frankreich angedacht. „Gebucht hatte ich noch nichts. Jetzt bin ich erstmal planlos“, erklärt sie mit Blick auf mögliche Aktivitäten in der Außenwelt für die kommenden Monate. Das geplante Masterstudium in Politikwissenschaften in Köln, wo sie auch wohnt, ist ebenfalls in der Schwebe. Noch bleibt Menke trotzdem optimistisch, weil die dafür notwendigen Einschreibungen ohnehin erst ab Juni möglich sind.

Keine Langeweile in den Semesterferien

Langeweile hat sie deswegen nicht: „Die Uni ist online sehr gut ausgestattet und bietet diverse Kurse an. Derzeit nehme ich aber an einem Kurs teil, der von den Vereinten Nationen organisiert wird.“ Darin investiert sie derzeit circa vier bis fünf Stunden am Tag, denn es gibt nicht nur Tests, sondern auch ein Zertifikat für den bestandenen Kurs. „Durch den ersten Test bin ich vorgestern erst durchgefallen“, sagt Menke und lacht. Geschenkt bekommen die Studenten also auch online nichts.

Wichtig ist für die 22-Jährige vor allem eine Struktur im Alltag. Da sie zuletzt für ihre Bachelorarbeit 10 Stunden täglich vor dem Computer verbringen musste, ist die Umstellung auf die neue Situation nicht schwierig. Anders bei anderen Studenten in ihrem Umfeld. „Meine beste Freundin muss jetzt schauen, wie sie ihr Studium finanziert. Ihre Eltern haben ein Restaurant und sie treffen die Folgen von Corona spürbar.“

Bis es mit dem Studium weitergeht genießt Menke die Zeit in ihrer 4er WG. „Es ist wirklich ein Luxus, wenn man nicht alleine wohnt. Hier kann man sich nicht isolieren.“

Herausforderung kurz vor der Abschlussarbeit

Joanna Weigand ist in Bigge aufgewachsen und studiert derzeit jüdische Studien im dritten Mastersemester in Düsseldorf. Da sie derzeit nicht zur Uni gehen kann, ist sie kurzerhand zurück zu ihrer Familien ins Sauerland gefahren, weil ihr die Decke auf den Kopf fiel. „Nichts findet statt und ich habe nichts zu tun. Normalerweise würde ich mit der Vorbereitung meiner Masterarbeit beginnen, aber die Bibliothek hat geschlossen“, sagt sie. Trotzdem kommt sie derzeit zurecht. Eine Hausarbeit muss die 23-Jährige noch schreiben, aber mit der aufgehobenen Abgabefrist, kann sie es derzeit noch ruhig angehen lassen.

„Viel störender ist der fehlende Zugang zu den Dozenten. Ich hätte gerne persönlich über meine Masterarbeit gesprochen und mir direkt Bücher ausgeliehen, die mir empfohlen werden. Im kommenden Semester hätte ich auch gerne bestimmte Seminare besucht. Das fällt jetzt weg“, erklärt Weigand. Stattdessen liest sie Texte, die eventuell hilfreich für ihre Abschlussarbeit sein könnten.

Auch außerhalb der Universität merkt sie die Folgen von Corona. Nebenbei arbeitet sie sieben Stunden in der Woche als Assistenz der Geschäftsstelle bei der Grünen Jugend NRW. Mit dem Job finanziert sie ihr Studium. Jetzt werden ihre künftigen Arbeitsstunden wohl reduziert. „Ich habe einige Überstunden zuletzt gesammelt, daher fällt das noch nicht ins Gewicht und die Finanzierung ist erstmal gesichert“, sagt die 23-Jährige.

Privat muss sie ebenfalls mit Einschränkungen klarkommen. Eigentlich wäre sie mit dem Interrail auf den Weg nach Skandinavien. Daraus wurde nichts. Auch Freunde besuchen ist derzeit kein Thema für sie. Zu riskant ist ihr der Weg mit der U-Bahn. „Das wird wohl auch noch eine Weile so bleiben. Meinen Freund sehe ich im Moment auch nicht. Ich hoffe, dass keine Ausgangssperre verhängt wird. Bis dahin habe ich mir einen Spielekonsole bestellt, die exzessiv genutzt wird.“

Lernpause für die Klausur

Bei Anna Lena Bals aus Olsberg sieht es ähnlich aus. Sie studiert Lehramt für Gymnasien und Gesamtschulen an der Westfälische Wilhelms-Universität in Münster. „Eigentlich soll ich Ende März noch eine Klausur schreiben, aber der Dozent sagte schon, dass er zwei bis drei Wochen vor dem neuen Termin bescheid gibt. In naher Zukunft rechnet er nicht mit einem Ersatzdatum, daher lerne ich dafür derzeit auch nicht“, sagt die 22-Jährige, die im fünften Semester ist.

Schwieriger ist hingegen, dass sie noch eine Hausarbeit zu schreiben hat und sie keine Literatur aus der Uni-Bibliothek holen kann. „Unser Dozent möchte den Abgabetermin auch nicht verschieben. In der Bibliothek würde ich natürlich auf mehr Bücher Zugriff haben. Ich versuche jetzt, das beste daraus zu machen“, gibt sich Bals optimistisch.

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