Lokalpolitik

Debatte um Drogen in Kinderkurheim des Hochsauerlandkreises

Das Kinderkurheim „Arnsberg

Foto: privat

Das Kinderkurheim „Arnsberg Foto: privat

Brilon.   Nachdem ein Mädchen vor Gericht sagt, sie sei im Haus Arnsberg/Norderney mit Amphetamin in Kontakt gekommen ist, erreicht das Thema die Politik.

Der Tagesordnungspunkt war durch einen Satz in einem WP-Bericht in die jüngste Sitzung des Kreisjugendhilfeausschusses aufgenommen worden: Wie reagiert der HSK auf Drogenprobleme in seinem Kinderkurheim Haus Arnsberg auf Norderney?

Mit dem Amphetamin Pep in Kontakt gekommen

Ein Drogenfall íst beim Kreis bekannt

Wo auf Norderney das Mädchen an das Amphetamin gekommen war, spielte im Prozess keine Rolle und blieb deshalb auch offen. Dem HSK als Träger des Erholungsheimes sei nur ein Drogen-Fall aus dem Haus Arnsberg bekannt, sagte Kreisjugendamtsleiter Bernhard Wagner in der Sitzung: Im Frühjahr 2016 sei bei einem 15-Jährigen Rauschgift sichergestellt worden. Für ihn war die Kur sofort vorbei. Das, so HSK-Pressesprecher Jürgen Uhl, sei die für einen derartigen Fall vergebene Marschroute. Dass sich Jugendliche während der Kur auf der Insel außer Haus Alkohol oder Drogen beschaffen, sei „natürlich nicht zu 100 Prozent auszuschließen“. Die Thematik, so Uhl, soll Anfang Dezember in einer Personalversammlung im Haus Arnsberg angesprochen werden.

1921 als Erholungsheim für Kinder aus damaligem Kreis Arnsberg

Das Haus Arnsberg – das Haus wurde erstmals 1921 als Erholungsheim für Kinder aus dem damaligen Kreis Arnsberg belegt – verfügt über 45 Plätze und bietet jährlich zehn vierwöchige Kuren und eine dreiwöchige an. So können theoretisch drei altersspezifische Gruppen parallel untergebracht werden. Allerdings geht der Kreis nur von einer durchschnittlichen Belegung mit 270 Kindern pro Jahr aus. Von denen werden 2018, so die Kalkulation, 249 in den Zuständigkeitsbereich des Kreisjugendamtes fallen; die anderen Belegungen nehmen andere Jugendämter wahr. In diesem Jahr waren bisher 238 Kinder auf der Insel, eine Kur steht aus. Manchmal ist das Haus nur mit einer Gruppe belegt, in den Sommerferien ist es mit dreien ausgelastet.

Das spezielle Seeklima wirkt sich erfahrungsgemäß positiv bei chronischen Erkrankungen der Atemwege und Hautkrankheiten aus.

Aus dem prekären Umfeld herausgenommen

Zudem nutzt der HSK das Haus für Maßnahmen, um dort Mädchen und Jungen mit einem „sozialpädagogischen Unterstützungsbedarf“ unterzubringen. Damit habe der Kreis als Träger der Jugendhilfe die Möglichkeit, „in einer Vielzahl kritischer und konfliktbesetzter Familiensituationen kurzfristig reagieren zu können“.

Mit dem Kuraufenthalt werden die Kinder vorübergehend aus dem prekären Umfeld herausgenommen mit dem Ziel, „das familiäre Umfeld in de Weise zu steuern, dass eine Wiederaufnahme des Kindes in die Familie ermöglicht wird“. Oder auch in Notfällen. Als vor einigen Jahren in Brilon einer Familie mit 10 Kindern das Haus abbrannte, wurden die Kinder für zwei Wochen auf Norderney betreut.

Kinder und Jugendliche mit Suchterkrankungen, Psychosen oder Suizidgefährdung werden nicht aufgenommen. Für sie ist die spezielle ärztliche und psychiatrische Betreuung - das Kernteam des Hauses besteht aus 12 Fachkräften aus dem pädagogisch-medizinischen und hauswirtschaftlichen Bereich - nicht vorhanden. Auch bei Epilepsie und Diabetes mellitus gibt es Einschränkungen.

Nutzung der Handys kontrolliert

Während des Aufenthaltes im Haus Arnsberg erhalten die Mädchen und Jungen Schulunterricht in Deutsch, Mathematik und Englisch. Playstation, MP3- oder DVD-Player sollen die Kinder zuhause lassen. Handys müssen abgegeben werden, etwa dreimal pro Woche wird es ihnen überlassen. Eine Voraussetzung für die Teilnahme an einer Kur ist, so Uhl, ein Mindestmaß an Mitwirkungsbereitschaft bei der Therapie: „Kinder und Jugendliche ohne Compliance können nicht aufgenommen werden.“

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