Stadtgeschichte

Denkmalamt rüffelt Brilon für Abriss des Hauses Wigge

Ein Schnappschuss mit Symbolcharakter:  So manch einer ist ganz schön zornig über die Abbruchgenehmigung für das alte Gebäude.

Ein Schnappschuss mit Symbolcharakter: So manch einer ist ganz schön zornig über die Abbruchgenehmigung für das alte Gebäude.

Foto: Jürgen Hendrichs

Brilon.  Die Stadt Brilon hat nach Ansicht des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe die Abbruchgenehmigung für das Haus Wigge zu früh erteilt.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Hat die Stadt Brilon vor der Genehmigung zum Abbruch des Hauses Wigge in der Krumme Straße wirklich „alle erforderlichen Maßnahmen ergriffen“ und damit „ihre Verpflichtung zum Denkmalerhalt, wie er im Denkmalschutzgesetz festgelegt worden ist, ausreichend erfüllt“? Diese Frage stellt der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) gegenüber der WP in den Raum. In Münster jedenfalls ist man „überrascht vom proaktiven (zielgerichtet Fakten schaffenden, Anm. d. Red.) Vorgehen der Stadt Brilon“.

Wie berichtet, war in der vergangenen Woche das 1791 erbaute Fachwerkhaus in Nähe des Mistemarktes abgerissen worden. Aus Sicht des LWL war das Abstimmungsverfahren über den möglichen Erhalt des Gebäudes noch nicht abgeschlossen. Weder hätten dem LWL prüffähige Unterlagen für die Wirtschaftlichkeitsberechnung der geplanten Sanierungsmaßnahmen vorgelegen, noch habe sich die Obere Denkmalbehörde, also der Hochsauerlandkreis, gegenüber dem LWL trotz Anfrage schriftlich zum Vorliegen derartiger Unterlagen geäußert.

Doch erst dann, wenn die Obere Denkmalbehörde eine andere Auffassung vertrete als die LWL-Denkmalpflege, so LWL-Sprecher Fischer, sei der von der Stadt Brilon beantragte Ministerentscheid eine Option für eine finale Entscheidung. Deshalb habe es für den LWL keinen Anlass gegeben, auf den Antrag der Stadt einzugehen. Wie berichtet, begründet die Stadtverwaltung Brilon die Erteilung der Abbruchgenehmigung damit, dass sich der LWL nicht innerhalb der am 4. November abgelaufenen Frist für eine Antwort geäußert habe.

LWL: Stadt Brilon hatte Verfahren noch nicht ausgeschöpft

Das Baudenkmal hat sich nach Einschätzung des LWL „in einem vergleichsweise guten Erhaltungszustand“ befunden. So sei das Dach noch vor etwa 15 Jahren erneuert worden, und die Gebäudeschäden hätten sich auf den Schwellbereich sowie auf eine Stütze in der Deele beschränkt. Stadt und Eigentümer dagegen bezeichneten, wie berichtet, das Haus als einsturzgefährdet.

Auflagen habe der LWL dem Eigentümer nicht gemacht. Mit dem Eigentümer und dessen Architektin seien in Vorgesprächen unter anderem „Spezifika für die Dämmung von Fachwerkgebäuden sowie Möglichkeiten im Umgang mit der Bausubstanz besprochen“ worden. Die vom Eigentümer vorgelegten Kostenkalkulationen seien „zu keinem Zeitpunkt Gegenstand einer gemeinsamen Erörterung und Beratung“ gewesen.

Aus Sicht des LWL jedenfalls sei das Verfahren noch nicht abgeschlossen und auch noch nicht alle Möglichkeiten zum Erhalt des Baudenkmals ausgeschöpft gewesen. Dazu gehört auch ein möglicher Verkauf des Gebäudes. Seit Februar habe es einen Interessenten gegeben, so der LWL. Dem sei das Betreten des Gebäudes jedoch nicht gestattet worden. Dabei handelt es sich um den von Friedel Ridder bereits erwähnten Interessenten, der ihm 25.000 Euro für Gebäude und Grundstück geboten habe. Das war für Ridder jedoch, wie berichtet, indiskutabel; er selbst hatte das Ensemble bei Ebay-Kleinanzeigen für 90.000 Euro inseriert.

Heimatbund Brilon: Als Eigentümer rechtzeitig um Erhalt der Bausubstanz kümmern

„Leider müssen wir akzeptieren, dass es auch in Zukunft Bausubstanz gibt, die der Spitzhacke zum Opfer fällt“, sagt Winfried Dickel, Vorsitzender Heimatbundes Semper Idem. Umso wichtiger und dankenswerter sei es, „wenn Hausbesitzer ihre Gebäude frühzeitig pflegen und erhalten“. Dafür gebe es in der Südstraße, in der Schulstraße und in der Marktstraße schöne Beispiele.

Was der LWL zudem bedauert: Dass das Gebäude „nun ohne eine Dokumentation und Bergung wichtiger Ausstattungselemente zugrunde gegangen ist, die wenigstens eine Überlieferung des Baudenkmals in Plänen und Fotos und in wichtigen Bauteilen ermöglicht hätte“.

Für Denkmalamt ist das Kapitel Krumme Straße abgeschlossen

Für den LWL ist das Kapitel Krumme Straße abgeschlossen. „Da das Gebäude jetzt abgebrochen ist“, so Markus Fischer, „wird sich das Denkmalfachamt anderen im Erhalt gefährdeten Denkmälern zuwenden.“

Zum Beispiel dem sogenannten Haus Frigger an der Derkere Mauer 5, gegenüber der Einmündung zur Kirchstraße. Auch das ist, wie das Haus Wigge, ein Problemfall. Es gibt Abbruch- und Neubauabsichten für das Areal. Auch hier ist das LWL-Denkmalamt eingebunden. Da dies ein laufendes Verfahren sei, so die LWL-Pressestelle, könne man dazu derzeit keine Auskunft geben.

LWL: Rechtliche Überprüfung ist Sache der Fachaufsichtsbehörde

Ob die Stadtverwaltung Brilon mit ihrer Abbruchgenehmigung für das Haus Wigge rechtlich richtig lag, müsste, so der LWL, die Fachaufsichtsbehörde, also der HSK, prüfen. Und auch nur die könnte mögliche Schritte gegen die Stadt einleiten.

In der Ratssitzung am Freitagabend kam zur Sprache, dass der Eigentümer des Geländes erst 2021 eine neue Bebauung angehen wolle. Gegenüber einer Stadtvertreterin habe er angeboten, die Brachfläche im kommenden Jahr der Stadt für die Hansetage zur Verfügung zu stellen, zum Beispiel als Parkplatz.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben