Kommunalpolitik

Dirk Wiese legt Ratsmandat „aus privaten Gründen“ nieder

SPD-MdB Dirk Wiese tritt kommunalpolitisch in seiner Heimatstadt Brilon kürzer.

SPD-MdB Dirk Wiese tritt kommunalpolitisch in seiner Heimatstadt Brilon kürzer.

Foto: Kortmann

Brilon.   Der 32-Jährige will aus privaten Grünen kommunalpolitische kürzer treten: Er wird im Herbst zum ersten Mal Vater. Der Rücktritt kommt der Ratsmehrheit nicht ungelegen.

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Dirk Wiese hat sein Ratsmandat abgegeben. Am kommenden Donnerstag, 20. August, wird der heimische SPD-Bundestagsabgeordnete im Kolpinghaus verabschiedet. Für ihn rückt Siegfried Gründer (67) aus Altenbrilon in die Fraktion. Für seinen Rückzug führt der 32-Jährige private Gründe an: Er wird im Herbst erstmals Vater und möchte sich mehr um seine Familie kümmern.

Der SPD-Fraktion kommt der Rückzug ihres politischen Aushängeschildes nicht ungelegen. Verfügt sie doch im Rat gegenüber der CDU lediglich über eine gemeinsam mit der BBL, der FDP, dem Linken und dem Bürgermeister zusammengepuzzelte Ein-Stimmen-Mehrheit. Da müssen nicht nur die politischen Partikular-Interessen, sondern auch die Termine abgestimmt werden. Letztere sind bei Dirk Wiese ein Problem. So hat er seit der Kommunalwahl 2014 an lediglich vier der neun Ratssitzungen teilgenommen. In die Ausschussarbeit ist er erst gar nicht eingebunden worden. Da hat er lediglich Stellvertreter-Posten inne.

„Sein Rückzug tut uns leid“, so Fraktionssprecher Hubertus Weber zur WP. Seitdem Wiese in Berlin in den Wirtschaftsausschuss berufen worden sei, sei er „viel unterwegs“. Sein Entschluss, aus privaten Gründen vor Ort in seiner Heimatstadt politisch kürzer zu treten, sei „die logische Folgerung“. Auf Nachfrage verschweigt Weber allerdings auch nicht, dass die fragile Mehrheitslage im Rat „mit ein Grund“ für den Rückzug gewesen sei. Weber: „Aber das gab nicht den Ausschlag.“

Siegfried Gründer rückt nach

Auch Dirk Wiese räumt ein, dass es mit seiner Abgeordneten-Tätigkeit „immer wieder zu Kollisionen gekommen“ wäre. Wiese ist mittlerweile im Wirtschaftsausschuss des Bundestages und als stv. Leiter der Projektgruppe Wirtschaft in die perspektivische politische Arbeit seiner Fraktion eingebunden.

Den Rückzug aus dem Rat vollzieht er „mit einem lachenden und einem weinenden Auge“. Den Briloner Rat, so Wiese zur WP, „zeichnet aus, dass man bei allen Meinungsverschiedenheiten abends hinterher wieder zusammen ein Bier trinken kann“. Ganz wird Wiese der Kommunalpolitik nicht abschwören. Er werde als sachkundiger Bürger in den Ausschuss für Forst, Umwelt und Landwirtschaft einsteigen.

2009 kam Dirk Wiese als damals mit Abstand jüngster Stadtvertreter über die Reserveliste zum ersten Mal in den Rat. Diesen Weg musste er, obwohl schon mit dem MdB-Bonus ausgestattet, auch im vergangenen Jahr gehen. Der Vorsitzende der Briloner SPD und der HSK-SPD hatte in seinem Wohn- und Wahlbezirk Kreuziger Quartal/Helle gegen den CDU-Kontrahenten Michael Hilkenbach mit 182 zu 254 Stimmen klar den Kürzeren gezogen.

Wiese will auch 2017 wieder für den Bundestag antreten

Das war bei Siegfried Gründer zwar nicht im Ergebnis, aber im Detail etwas anders. Der Vorsitzende des Heimatvereins Altenbrilon, seit 40 Jahren in der SPD, war als Nachfolger des verstorbenen SPD-Urgesteins Horst Weidtkamp zur Wahl aufgestellt worden, einer – so Hubertus Weber – „der anpacken kann und sich kümmert“. Eben wie Horst Weidtkamp. Im Stimmbezirk Altenbrilon holte Gründer bei der Kommunalwahl zwar sieben Stimmen mehr als ein CDU-Gegenkandidat Stefan Kraft. Doch in Verbindung mit dem zweiten Bereich des Wahlbezirks, Wülfte, reichte es mit 238 gegenüber 254 Stimmen nicht zum Direktmandat.

Als Bundestagsabgeordnete wird Dirk Wiese 2017 erneut für seine Partei antreten. Das sagte er gestern bei seiner Bilanzpressekonferenz in Meschede.

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