Ausstellung

Echte Körper: Lohnt sich der Ausstellungsbesuch in Brilon?

Bei der Ausstellung Echte Körper in Brilon gibt es unter anderem einen Menschen zu sehen, der in 148 Teile geteilt wurde.

Bei der Ausstellung Echte Körper in Brilon gibt es unter anderem einen Menschen zu sehen, der in 148 Teile geteilt wurde.

Foto: Kevin Kretzler / WP

Brilon.  Die umstrittene Ausstellung „Echte Körper“ ist in Brilon gestartet. Die Gäste der Schützenhalle in Petersborn erwarten detaillierte Einblicke.

„Echte Körper. Von den Toten lernen“ steht in weißen Lettern auf den Plakaten, die an einigen Laternen in Brilon hängen. Sie laden an diesem Wochenende in die Schützenhalle in Petersborn-Gudenhagen ein, wo Besucher circa 200 Exponate bestaunen können, die tiefe Einblicke in den menschlichen Körper geben.

In anderen Kommunen wurde die Schau verboten oder sorgte für Unstimmigkeiten – die Stadt Brilon sah keinen Grund beziehungsweise keine handhabe die Ausstellung zu verhindern. In Bonn verbot das Ordnungsamt die Leichen-Schau komplett, da der Veranstalter geforderte Unterlagen nicht vorlegen konnte. In Meschede durfte die Ausstellung nach eingehender Prüfung gezeigt werden. Dort gab es aber Unstimmigkeiten wegen der Plakatierung.

Anatomie im Fokus statt Grusel

Am Ausstellungsort angekommen ist es zunächst bitter kalt. Ein passender Grundstein für die ausgestellten Objekte. Wer auf einen entsprechenden Duft hofft, wird aber schon zu Beginn enttäuscht sein, denn in der Halle liegt kein beißender Geruch von alten Körperteilen. Hier soll es auch nicht um Grusel gehen, sondern um anatomische Aspekte.

Die Neugier ist dennoch schnell geweckt, als das Auge auf die circa zehn Meter lange Vitrine aufmerksam wird, denn dort liegen dicht aneinander gereiht mehrere Körperteile in Scheibchen geschnitten. Erst im richtigen Blickwinkel wird klar, dass nicht nur einzelne Organe aufgeschnitten sind, sondern ein gesamter Körper dort in insgesamt 148 Einzelteilen präsentiert wird.

Exponate stammen aus Amerika

„Die Exponate stammen alle aus den USA. Wir legen den Schwerpunkt auf das Skelett, den Bewegungsapparat, das Gehirn und das Nervensystem“, erklärt Robert Sperlich, der bei der Ausstellung praktisch an vielen Schritten beteiligt ist. Er sagt, dass Besucher durchschnittlich 60 bis 90 Minuten dort verbringen. Er hat aber auch schon erlebt, dass Gäste lediglich für ein bestimmtes Exponat vorbeikommen und nach fünf Minuten wieder gehen. Seiner Einschätzung nach nutzen vor allem Berufstätige oder Studierende aus der Medizinbranche das Angebot, um sich schlau machen zu können.

Die Wanderausstellung lässt seine Besucher nämlich ganz nah ran und zeigt detaillierte Organe, Knochen und andere Körperteile. Bei einer ausgestellten Frau fehlt sogar das Plexiglas, damit das Auge jede Faser genau untersuchen kann. Nur Anfassen ist weiterhin verboten. Am Exponat fällt auch das silberne Glänzen am Bein auf, ein künstliches Kniegelenk. Für Interessierte sicher ein spannendes Detail.

Lunge zeigt Veränderung nach dem Rauchen

Doch vor Ort wird auch vor Augen geführt, was dem Körper zum Teil zugemutet wird. Zum Beispiel der Lunge. Eine gesunde und eine Raucherlunge stehen zur Betrachtung zur Verfügung und lassen sich mit einer Pumpe auch mit Luft füllen. Beide sind auf einem weichen Kunststoff plastiniert, die Lungenmembran funktioniert daher noch und kann so zur Atmungssimulation benutzt werden. Die schwarze Raucherlunge lässt sich dabei wesentlich schlechter mit Luft füllen, als ihr rosa Pendant, das sich im gesunden Zustand befindet.

Apropos Luft: Um zu demonstrieren, dass die Luft nicht zwingend einen neutralen Duft hat, öffnet Robert Sperlich die Schiebetür eines Plexiglaskastens. Darin sind Föten nach unterschiedlichen Wochen zu sehen. Sofort steigt ein beißender Duft in die Nase, der an eine sehr starke Konzentration von Mundspülung erinnert. Es ist aber spannend zu sehen, wie sich ein Fötus über die einzelnen Wochen bis hin zur 22. Woche verändert.

Das Fazit

Wer bei seinem Besuch eine bunte Ausstellung erwartet, wie beispielsweise bei „Körperwelten“ von Gunter von Hagens, wird in Petersborn enttäuscht sein. Die Exponate sind nahezu unverändert, Farbe kommt lediglich beim Nervensystem zum Einsatz. Für den Preis von 15 Euro ist man schnell durch und hat alles gesehen. Mancher Zusammenhang bleibt dem medizinischen Laien verborgen, da es nicht viele Erklärungen gibt. Die plastinierten Leichen wirken aber auch ohne große Worte, wenn Fasern, Sehnen und Muskeln begutachtet werden. Diese Nähe macht dabei auch den Reiz der gesamten Ausstellung aus, denn sie zeigt, dass jeder Mensch von innen gleich ist.

Öffnungszeiten vom 18. bis 20. Oktober: 11 bis 18 Uhr im Schützenhaus Petersborn-Gudenhagen, Petersborn 1. Eintritt: Kinder bis 6 Jahre 4 Euro, Schüler, Studenten und Auszubildende 10 Euro, Erwachsene 15 Euro. Kartenzahlung ist nicht möglich.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben