Serie Eden

Filmemacher Jan Krüger aus Olsberg produziert ARD-Serie

Eine Filmszene aus dem  sechsteiligen Flüchtlingsdrama „Eden“, das bereits bei arte lief, nun in der ARD ausgestrahlt wird und in den Mediatheken abgerufen werden kann.  Mit produziert hat die Serie der Olsberger Jan Krüger.

Eine Filmszene aus dem sechsteiligen Flüchtlingsdrama „Eden“, das bereits bei arte lief, nun in der ARD ausgestrahlt wird und in den Mediatheken abgerufen werden kann. Mit produziert hat die Serie der Olsberger Jan Krüger.

Foto: Pierre Meursaut

Berlin/Olsberg.  Die Fernseh-Serie „Eden“ zeigt die Flüchtlingskrise aus verschiedenen Blickwinkeln. Olsberger Produzent sieht sich in der sozialen Verantwortung.

„Eden“ heißt eine sechsteilige Fernseh-Serie, die vergangene Woche bei arte lief, deren zweiter Teil heute in der ARD ausgestrahlt wird und die in der Mediathek abrufbar ist. Die internationale Spielfilm-Produktion zeigt die Facetten der Flüchtlingskrise aus mehreren Blickwinkeln.

Sie ist fiktiv, basiert aber auf wahren Begebenheiten. Mit-Produziert hat sie Jan Krüger aus Olsberg. Über ihn berichteten wir zuletzt, als der von seiner Firma Port au Prince gemachte Film „Der Mann aus dem Eis“ mit Jürgen Vogel in die Kinos kam. „Eden“ ist für Jan Krüger keine Serie, die große Politik machen will, die aber tiefe Einblicke in den Alltag von Flüchtlingen und Helfern geben will, die zeigen will, dass es bei dem Thema nicht nur Schwarz und Weiß, sondern auch Grau gibt.

Die internationale Produktion ist in Frankreich bereits gelaufen und in Deutschland schon auf arte – wie waren die ersten Reaktionen?

Jan Krüger: Sowohl in Frankreich als auch hier in Deutschland gab es großartiges Feedback, tolle Kritiken und was mich besonders freut, einen Startschuss für eine weitere Diskussion zum Thema. In den sozialen Medien wird natürlich schon jetzt heiß diskutiert.

Wie erwartet leider aber auch mit ziemlich dummen und platten und teilweise erschreckenden Kommentaren. Aber wer mit einem Brett vor dem Kopf herumläuft, der wird sich durch einen solchen Film nicht belehren lassen. Ich hoffe aber, dass die, die an die Menschlichkeit und an ein gemeinsames Europa glauben, dadurch noch mehr über das Thema sprechen und zum Beispiel auch zur Europawahl gehen. Insofern bin ich froh, dass die Serie gerade jetzt ausgestrahlt wird.

Für Sie war das die erste Fernseh-Produktion. Bislang waren Sie auf dem Kino-Sektor tätig. Was war anders?

Eine Serie ist viel umfangreicher. Es ist so, als würde man drei 90-Minüter drehen. Wir hatten 70 Drehtage in mehreren Regionen Süd- und Nordeuropas und haben in mehr als sechs Sprachen gedreht. Es war sehr international. Es gab Berufsschauspieler, aber auch Akteure, die selbst geflüchtet sind. Das war sehr spannend und hat die Geschichten sehr authentisch gemacht.

Waren Sie von Anfang an in das Projekt eingebunden oder ist Ihre Produktionsfirma erst später eingestiegen?

Eigentlich war das in diesem Fall der Klassiker: Ein guter Kollegen und Freund, der Regisseur und Autor Jano Ben Chabaane, sagte im Januar bei einem Essen: ,Eigentlich müsste man mal etwas zum Thema Flüchtlinge machen – und zwar auf mehreren Ebenen erzählt von der Politik in Brüssel bis zum menschlichen Schicksal.

Nach und nach haben wir mehrere Partner ins Boot geholt, sind dazu in Paris gewesen und haben schlussendlich gemeinsam dieses Projekt entwickelt. Im Hintergrund stand immer die Idee, die Komplexität Europas zu erzählen, welche Herausforderungen damit verbunden sind und wie wichtig es ist, die Diskussion um das Thema weiter zu entfachen.

Beim sogenannten Scouten – also bei der Suche nach passenden Drehorten – haben Sie selbst sich auch mehrere Flüchtlingscamps angesehen. Hat das und generell die Beschäftigung mit dem Thema Ihre Sichtweise verändert?

Mir hat imponiert, wie hoffnungsvoll diese Menschen sind. Sie sind einfach nur froh, ein rettendes Ufer erreicht zu haben. Man darf nicht von oben auf sie herabsehen. Es geht hier um Respekt und um mehr Miteinander. Ich empfehle, sich „Eden“ in der Mediathek anzuschauen. Dort kann man auch die Originalsprache und nicht die synchronisierte Fassung auswählen – allein die Sprache macht die Komplexität der ganzen Sache deutlich.

Kurzer Szenenwechsel: Momentan läuft es für Ihre Firma sehr gut…

Ja, der Film „Of fathers and sons – die Kinder des Kalifats“, der immer noch in den Kinos läuft, hat zwei Lolas beim Deutschen Filmpreis bekommen – als bester Dokumentarfilm und für den besten Schnitt.

Er war dieses Jahr für den Oscar als bester Dokumentarfilm nominiert. Gleich vier Preise gab es beim Filmkunstfest in Mecklenburg-Vorpommern für das Drama „Systemsprenger“. Und dann sei an dieser Stelle noch der Film „All my loving“ erwähnt. Diese Hymne an die Familie mit Lars Eidinger, Nele Mueller-Stöfen und Hans Löw kommt ab 23. Mai ins Kino und wurde auf der Berlinale umjubelt.

All my loving“ haben Sie produziert, für die anderen beiden Filme ist Port au Prince aber „nur“ der Verleiher. Können Sie das dem Laien erklären?

Den Film produzieren, heißt u.a. den finanziellen Rahmen schaffen, das Projekt entwickeln, Finanzierungsmittel besorgen und so weiter. Beim Verleih sorgen wir dafür, Filme, an die wir glauben, zu vermarkten, ihnen auf einem hart umkämpften Markt eine Plattform zu bieten, die sie verdienen und die sie brauchen, um erfolgreich zu sein.

Zurzeit produzieren Sie das Erstlings-Regiewerk von Moritz Bleibtreu, eine historische Verfilmung über Georg Büchner und in der Schweiz einen Film über den Ausbrecherkönig Walter Stürm. Man könnte meinen, so ein Produzent ist ein Großverdiener. Ist das so?

Ich denke, es gibt eine Menge Schulkollegen aus dem Sauerland, die finanziell ganz anders da stehen. Ich kann davon überleben, aber dafür habe ich die Freiheit, Dinge zu realisieren, die mir Spaß machen, Geschichten aus aller Herren Länder zu erzählen, von denen ich glaube, dass sie erzählt werden sollten und dadurch vielleicht auch hier und da meinen Beitrag zu einem gesellschaftlichen Diskurs zu leisten.

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