Ausbildung

Fleischerei Scharfenbaum zahlt Azubis künftig das Doppelte

Ruth und Hans-Jörg Scharfenbaum leiten ihre Fleischerei seit 20 Jahren und achten auf eine vielfältige Ausbildung bei ihren Azubis.

Ruth und Hans-Jörg Scharfenbaum leiten ihre Fleischerei seit 20 Jahren und achten auf eine vielfältige Ausbildung bei ihren Azubis.

Foto: Kevin Kretzler

Madfeld.  Seit Jahren hat das Ehepaar Scharfenbaum in Brilon Probleme Auszubildende zu finden. Jetzt wird die Lehre unter einer Bedingung attraktiver.

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„Mit dem normalen Lohn kann ein Auszubildender in dieser Branche nicht viel machen“, sagt Ruth Scharfenbaum klar. Sie leitet mit ihrem Mann Hans-Jörg zusammen die Fleischerei Scharfenbaum in Madfeld. Sie stoßen jedes Jahr auf das gleiche Problem: Schulabgänger sind nur schwer für eine Ausbildung als Fleischer oder Verkäufer zu begeistern. Jetzt versucht das Ehepaar, die Lehre attraktiver zu gestalten und schraubt dafür den Lohn ordentlich in die Höhe.

Im ersten Ausbildungsjahr verdienen Azubis Brutto ab dem 1. August 2020 25 Prozent mehr, im zweiten Jahr 50 Prozent und im dritten sogar 100 Prozent mehr Lohn. Auf den Zeitraum gerechnet ist das ein Plus von 16.650 Euro. Doch daran ist eine Bedingung geknüpft: In der Berufsschule muss der Notendurchschnitt besser als „befriedigend“ sein. „Wenn das jetzt kein Anreiz ist, weiß ich auch nicht mehr“, sagt Ruth Scharfenbaum. Und ihr Mann ergänzt: „Wir brauchen hier aber niemanden, der in der Schule schläft. Wir wollen gute Leute.“

Keine billige Arbeitskraft

Dafür gestaltet das Ehepaar die Ausbildung auch vielfältig. Jeder Bereich des Unternehmens kann im Rahmen der drei Jahre kennengelernt werden. Nur eines soll der Azubi nicht sein: eine billige Putzkraft. Das kennt der Fleischermeister Scharfenbaum selbst nur zu gut und möchte nicht, dass seine Lehrlinge ausgenutzt werden. „Der Lehrling war früher nur eine kostengünstige Arbeitskraft, die nicht richtig anpacken und praktisch lernen konnte. Das sehen wir hier anders.“

Prämien im Handwerk sind nicht ungewöhnlich. Wertgegenstände, wie Handys, sollen den Azubi für die Arbeit begeistern. „Ich denke, dass die jungen Leute das aber alles schon von ihren Eltern bekommen. Wir wollen es an Geld festmachen“, erklärt Ruth Scharfenbaum. Dafür muss sich auch niemand dazu verpflichten über die Ausbildung hinaus bei dem Betrieb zu bleiben. Auch wenn die Scharfenbaums das begrüßen würden, denn auch ausgelerntes Fachpersonal ist nur schwer zu finden.

Verkäufer arbeiten in Paderborn

Die Stelle des Metzgers ist in Madfeld, Verkäufer werden in Paderborn, Bad Wünneberg und Steinhausen geschult. Immerhin für das kommende Jahr kann die Metzgerei Scharfenbaum mit einem Azubi planen. Ein Schüler absolvierte bereits ein dreiwöchiges Praktikum im Betrieb und wird 2020 nach seinem Schulabschluss als Metzger sein Berufsleben starten.

Ihre dreijährige Ausbildung als Fleischer abgeschlossen haben aktuell zwei Mitarbeiter. Eine Arbeitskraft bleibt im Betrieb. Wer eine Ausbildung beginnen will, muss nicht unbedingt Schüler sein – auch Quereinsteiger sind willkommen.

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