Verkehr

Frischzellenkur für Straßen in Brilon

Etliche Straßen hat die Stadt Brilon in den vergangenen Wochen im sogenannten DSK-Verfahren sanieren lassen, hier die Grimmestraße.

Etliche Straßen hat die Stadt Brilon in den vergangenen Wochen im sogenannten DSK-Verfahren sanieren lassen, hier die Grimmestraße.

Foto: Jürgen Hendrichs

Brilon.  Mit einem wirtschaftlichen und umweltschonenden Sanierungsverfahren hat Brilon den beitragspflichtigen Vollausbau einiger Straßen hinausgezögert.

Für den Fachmann ist es eine Dünne Asphaltdeckschicht in Kaltbauweise, für den Kommentator auf Facebook „1 cm Bauernblind“: In den vergangenen Wochen hat die Stadt Brilon in der Kernstadt eine ganze Reihe von Straßen neu überziehen lassen - mit mal mehr und mal weniger spürbaren Ergebnissen. Zu letzteren zählt die Grimmestraße hinter dem Feuerwehrgerätehaus. Das sichtbare Flickwerk ist zwar Vergangenheit, der Wellengang beim Befahren indes hält an. „Die Grundsubstanz der Grimmestraße lässt keine wesentliche Verbesserung der Ebenheit zu“, so die Stadtverwaltung auf eine Anfrage der WP.

Bei den jüngst erfolgten Straßenbauarbeiten ging es um den „Schutz der Substanz, nicht um die Erneuerung der Straße“, so Beigeordneter Reinhold Huxoll. Dabei kommt standardmäßig das sogenannte DSK-Verfahren zur Anwendung, eben die Dünnen Schichten im Kaltverfahren. Diese Verfahren gelten, so die Stadtverwaltung weiter, „als bewährte Unterhaltungsmaßnahmen, die geeignet sind, die Lebensdauer einer Straße zu verlängern.“

Immer schwerere Fahrzeuge

Etwa acht bis zehn Jahre, so Reinhold Huxoll, lasse sich mit diesem Verfahren die Restlebensdauer einer bereits ramponierten Straße verlängern - „Manchmal auch mehr.“ Vorrangig gehe es dabei darum, kein Oberflächenwasser in den Straßenaufbau eindringen zu lassen. Einige der jetzt sanierten Straße seien vor rund einem halben Jahrhundert angelegt worden. Deren Standard, so Huxoll, entspreche längst nicht mehr den heute üblichen Belastungen. Huxoll: „Ein 7,5 Tonner war damals ein schweres Fahrzeug.“ Heute strapazieren wesentlich schwerer Lkw die innerörtlichen Straßen. Huxoll: „Der Unterbau reicht nicht mehr.“ Folge sind Setzungen und Verdrückungen.

Darunter leiden zahlreiche Straßen im Stadtgebiet. In der gerade abgeschlossenen Sanierungsrunde wurden elf Straßen ganz oder teilweise aufgearbeitet, bei denen eine Erneuerung der Deckschicht nicht mehr möglich oder nicht mehr wirtschaftlich war.

Elf Straßen in der Kernstadt saniert

Neben der Grimmestraße waren das die Papestraße, die Lerchenstraße, die Eichholzstraße, die Heusdener Straße, die Wittekindstraße, der Renzelsberg, der Itzelstein, der Sonnenweg sowie die Straßen Am Schönschede und Am Padbergschen Dorn. Auf rund 460.000 Euro sind diese Maßnahmen insgesamt veranschlagt, die Abrechnungen liegen noch nicht vor. Beruhigende Nachricht für die Anlieger: Anders als bei einem Ausbau brauchen sie sich hier nicht an den Kosten zu beteiligen. Der Vollausbau, so die Verwaltung, könne jetzt „noch einige Jahre geschoben“ werden.

Das DSK-Verfahren hat nach Angaben der Gütegemeinschaft für Asphalt-Kaltbauweisen zur Erhaltung von Straßen e.V. (AKB) zahlreiche ökonomische und ökologische Vorteile gegenüber. Nicht nur, dass der Rohstoffeinsatz um bis zu 50 Prozent reduziert werden kann.

75 Prozent bessere CO2-Bilanz

Durch den Wegfall der bei der Abmischung, dem Transport und dem Auftragen des Asphalts erforderlichen Materialerhitzung weise das DSK-Verfahren eine um 75 Prozent bessere CO2-Bilanz auf.

Ein weiterer Umwelt-Aspekt: Die Abrollgeräusche der Reifen liegen, das haben Studien der AKB gezeigt, auf einer so sanierten Straße deutlich unter anderen Fahrbahnbelägen - und zwar gerade in dem für den innerstädtischen Verkehr primär anfallenden Geschwindigkeitsbereich von 30 bis 50 km/h.

Nach halber Stunde wieder befahrbar

Und auch die Arbeiten gehen flotter voran. Zwar müssen vorab die Schachtdeckel und Regeneinläufe um einen Zentimeter angehoben und Schlaglöcher verfüllt werden. Dann jedoch zieht die Verlegemaschine die Füll- und Deckschicht auf. Und weil das alles im Niedrigtemperaturbereich erfolgt und deshalb keine lange Abkühlphasen erforderlich sind, kann eine DSK-behandelte Straße bereits nach 20 bis 30 Minuten wieder für den Verkehr freigegeben werden.

Für die Ausführung der Arbeiten empfiehlt die Gütegemeinschaft die nachtfrostfreie Zeit von Anfang April bis Mitte Oktober. Bei unter 5 Grad kann die Arbeit ebenfalls nicht vorgenommen werden. Die letzte Straße wurde in der vergangenen Woche fertig.

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