Kampfhunde

Kampfhündin „Paula“ ist in Brilon ein Familienmitglied

Nun ist die Familie komplett: Das Ehepaar Corinna und Martin Schrammen freut sich gemeinsam mit seinen Töchtern Greta und Inga über Familienzuwachs Paula. Die zehn Wochen alte Rottweiler-Hündin gilt in Nordrhein-Westfalen als Kampfhund.

Nun ist die Familie komplett: Das Ehepaar Corinna und Martin Schrammen freut sich gemeinsam mit seinen Töchtern Greta und Inga über Familienzuwachs Paula. Die zehn Wochen alte Rottweiler-Hündin gilt in Nordrhein-Westfalen als Kampfhund.

Foto: Linda Sonnenberg

Brilon.   Das Ehepaar Schrammen entscheidet sich bewusst für einen Rottweiler - vor allem wegen der Kinder. Viele Auflagen müssen erfüllt werden.

Die meiste Zeit schläft Paula. Sie liegt dabei auf ihrer kleinen roten Decke in der Küche und stört sich nicht an den Menschen, die an ihr vorbei laufen und sie kurz streichen. „Sie ist gerade mit einer Hundefreundin durch den Garten getobt. Das macht natürlich müde“, erklärt Martin Schrammen, während er den zehn Wochen alten Familienzuwachs betrachtet. In wenigen Monaten wird Paula, die zurzeit noch aussieht wie ein kleines schwarz-braunes Fellknäuel, einen Maulkorb tragen müssen.

Denn als Rottweiler zählt sie in Nordrhein-Westfalen zu den Kampfhunden. (Lesen Sie hier, wie viele Steuern Listenhunde-Halter im HSK zahlen müssen.) Doch wieso hat sich die Familie, zu der neben dem Polizisten Martin Schrammen auch seine Frau Corinna und die beiden drei und sechs Jahre alten Mädchen Inga und Greta gehören, ausgerechnet für einen Listenhund entschieden?

Zweifel im Vorfeld

„Es war schon so, dass wir uns im Vorfeld sehr viele Gedanken gemacht haben, welchen Hund wir haben möchten“, so Corinna Schrammen, die sich vor allem um das Ansehen ihrer Kinder sorgte: „Ich möchte nicht, dass Freunde unserer Töchter nicht mehr zum Spielen kommen dürfen, weil die Eltern Angst vor unserem Hund haben.“ Doch die positiven Erinnerungen überwogen: „Ich bin selbst mit Rottweilern aufgewachsen und weiß, was für unheimlich liebevolle Hunde das sind“, berichtet Corinna Schrammen

Und auch ihr Mann hat nur gute Erfahrungen gemacht: „Wir hatten auch in der Familie einen Rottweiler und für mich war klar, dass ich auch später einen haben möchte.“ Dabei entschied sich das Paar nicht trotz der Kinder für einen Rottweiler, sondern gerade wegen ihrer Töchter: „Ein Hund muss vom Wesen her zu seiner Familie passen“, erklärt Martin Schrammen. Rottweiler bringen in seinen Augen von Natur aus die perfekte Mischung mit: „Sie haben ein ausgesprochen ruhiges Wesen. Es reicht ihnen, wenn sie zweimal am Tag ausgelastet werden. Sie sind abwartend, anhänglich und absolut kinderfreundlich, was für uns natürlich ein wichtiger Aspekt war.“

Lob für die Züchterin

Und genau so zeigt sich auch Paula in den ersten Wochen bei ihrer neuen Familie: „Wir haben uns beim Züchter ganz bewusst für sie entschieden. Und haben dabei auch ihre Eltern, Tanten und Onkel kennen lernen dürfen. Alles tolle Tiere“, ist Corinna Schrammen sehr zufrieden mit der Arbeit der Züchterin und ihr Mann ergänzt: „Es war uns sehr wichtig, dass wir keinen erwachsenen Hund nehmen, sondern einen jungen. Alles andere wäre mir mit den Kindern zu unsicher gewesen, man weiß ja nicht, ob die Hunde nicht vorher schlecht behandelt wurden und dann vielleicht doch etwas gegen Kinder haben.“

Von nun an wird der Welpe auch überall hin mitgenommen und konnte seine Gelassenheit schon auf einem gut besuchten Reitturnier unter Beweis stellen: „Es war laut, es ist öfters mal was runter gefallen und viele Menschen waren da. Das hat Paula aber vollkommen kalt gelassen“, ist Corinna Schrammen stolz auf den jungen Hund.

Viele Auflagen sind zu beachten

Doch vor allem im Vorfeld bedeutete der Einzug von Paula einiges an Arbeit. Beide Eheleute mussten einen großen Sachkunde-Nachweis erbringen. In der theoretischen Prüfung mussten sie zeigen, dass sie sich über das Führen und Halten eines Hundes im Klaren sind und auch mit rassetypischen Eigenschaften umgehen können.

Zudem muss eine Erlaubnis vom Ordnungsamt vorliegen, ebenso wie ein Versicherungsnachweis für den Hund. „Wir haben uns viel eingelesen und vorher Gedanken gemacht. Aber man muss auch einfach mal ein Lob an die Stadt Brilon aussprechen. Dort waren alle sehr bemüht“, freut sich Martin Schrammen.

Von nun an steht einmal wöchentlich ein Besuch in der Hundeschule auf dem Programm. „Da hält Paula sich doch sehr im Hintergrund. Sie lässt die anderen Welpen mal machen und schaut sich alles aus sicherer Entfernung an“, lacht Corinna Schrammen über die Zurückhaltung ihres Hundes, der Konflikten schon jetzt eher aus dem Weg geht.

Wesenstest mit zwei Jahren

„Am Anfang war ich ja fast enttäuscht, dass sie noch nicht so viel macht und nicht so aktiv ist“, muss Martin Schrammen zugeben, ergänzt aber: „Eigentlich ist genau das der Grund, wieso wir uns wieder für einen Rottweiler entschieden haben. Die brauchen nicht stundenlang herum rennen und beschäftigt werden.“

Mit zwei Jahren können Hund und Halter einen Wesenstest ablegen. Sollte dieser bestanden werden, darf Paula im Anschluss auch ohne Leine und Maulkorb geführt werden. „Das wäre uns schon wichtig. Weil so ein Maulkorb schürt auch immer noch die Vorurteile, da wechseln die Leute schon mal schneller die Straßenseite“, macht Corinna Schrammen sich noch immer Gedanken darüber, was Freunde und Familie denken.

Selbst die eigenen Eltern, die immer Rottweiler hatten, rieten dem Ehepaar vom Kauf ab. Martin Schrammen ist allerdings vollends überzeugt von Paula: „Das ist eine alte deutsche Rasse, an der nichts überzüchtet ist. Kein Schicki-Micki. Einfach toll.“

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