Gleichberechtigung

Mehr Frauen im Hochsauerlandkreis sollen in die Politik

Die VHS Hochsauerlandkreis lädt zu einem Seminar ein: "Starke Frauen - Starke Kommunen." Es soll Frauen ermutigen, sich kommunalpolitisch zu engagieren. Das Foto zeigt die Projektkoordinatorinnen Sabine Kirchhoff (VHS Meschede) und Inga Bramane (VHS Winterberg).

Die VHS Hochsauerlandkreis lädt zu einem Seminar ein: "Starke Frauen - Starke Kommunen." Es soll Frauen ermutigen, sich kommunalpolitisch zu engagieren. Das Foto zeigt die Projektkoordinatorinnen Sabine Kirchhoff (VHS Meschede) und Inga Bramane (VHS Winterberg).

Foto: Jutta Klute

Hochsauerlandkreis/Brilon.  Immer noch sind Frauen in politischen Gremien im Hochsauerland unterrepräsentiert. Das soll sich ändern. Die Männerdomäne soll gestürmt werden.

Wo sollen neue Bauplätze entstehen? Wie schaffen wir ausreichend Kita-Plätze? Wie viel Geld fließt in die Sanierung unserer Schulen? Fragen, über die in vielen heimischen Kommunen vor allem die Männer entscheiden, denn nach wie vor sind hier bei uns im HSK – ob in Brilon, Winterberg, Marsberg oder Olsberg – Frauen in der Kommunal- und Kreispolitik deutlich unterrepräsentiert. Das wirkt sich natürlich auch auf die Entscheidungen aus.

Mit einem Seminar möchte die VHS Hochsauerlandkreis nun Frauen Mut machen, sich vor Ort politisch zu engagieren.

Im Kreistag beispielsweise sind unter den insgesamt 54 Mitgliedern gerade mal sieben Frauen. Das macht eine Frauenquote von nur 13 Prozent. Auch ein Blick in die Sauerländer Stadträte zeigt, dass sie mehrheitlich in Männerhand sind. Besonders krass ist das zum Beispiel in Winterberg: Nur zwei Frauen arbeiten im Winterberger Stadtrat mit - alle übrigen 31 Mitglieder sind Männer. Im Briloner Stadtrat dagegen liegt die Frauenquote immerhin bei 23 Prozent.

13 Volkshochschulen in NRW machen mit

Die heimische VHS ist eine von insgesamt 13 Volkshochschulen, die an dem Projekt „Starke Frauen - starke Kommunen“ des Landesverbandes teilnehmen. Gefördert wird das Projekt durch das NRW-Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichgestellung. Die beiden hauptamtlichen pädagogischen VHS-Mitarbeiterinnen, Inga Bramane (Geschäftsstelle Winterberg) und Sabine Kirchhoff (Meschede) kümmern sich um die Projektkoordination. Ihr Ziel: „Wir wollen den Frauen deutlich machen, dass sie vor Ort mitbestimmen können. Das Seminar soll ihnen die Hemmschwelle nehmen, ihnen Mut machen und direkten Erfahrungsaustausch mit Frauen ermöglichen, die in politischen Gremien bereits aktiv sind.“

Information und Qualifikation

Das heißt aber nicht, dass jede Frau, die an dem Angebot teilnimmt, sich bei der nächsten Kommunalwahl für den Stadtrat kandidieren muss, betonen die VHS-Mitarbeiterinnen. Es geht zunächst erstmal um Information, Qualifikation und die Vermittlung von Grundlagen. Jede Teilnehmerin kann später ja dann selbst entscheiden, ob sie sich tatsächlich kommunalpolitisch engagieren möchte. „Ganz wichtig ist uns, dass unser Angebot parteiunabhängig und politisch neutral ist“, erklärt Sabine Kirchhoff. Inga Bramane ergänzt: „Es geht erstmal nur darum, Frauen zu interessieren und zu informieren. Wenn daraus ein politisches Engagement hervorgeht, ist das natürlich schön.“

Fünf Qualifizierungsmodule

Das Projekt beinhaltet fünf Qualifizierungsmodule und zwei praktische Zusatz-Termine. Insgesamt erstreckt sich das VHS-Angebot über 40 Unterrichtsstunden, die in den Räumen der VHS in Meschede stattfinden. Ausdrücklich angesprochen sind Frauen aus dem gesamten Kreisgebiet. Die fünf Module finden ganztägig an Samstagen zwischen Januar und Ende März statt. Eine Anmeldung ist nur die komplette Veranstaltungsreihe möglich, aber falls jemand an einem der Termine nicht kann, sei das auch kein Problem, so die Projektkoordinatorinnen. Die Teilnahme ist übrigens kostenlos.

So funktioniert die Gremienarbeit

Und worum geht es inhaltlich? Unter dem Stichwort „Handlungsort Kommune“ geht es zunächst um die Grundlagen der Kommunalpolitik. Die Teilnehmerinnen lernen die Grundlagen der Kommunalpolitik kennen. Außerdem gibt es einen Vortrag mit dem Titel „Stärkung der eigenen Kompetenzen und Motivation.“ Unter der Überschrift „Handlungsfelder und Erfolgsstrategien“ soll gezeigt werden, wie Gremienarbeit funktioniert. Weitere Themen sind „Politische Kommunikation“ und Öffentlichkeitsarbeit.

Außerdem wird zum Abschluss in einem Planspiel eine Praxissituation simuliert. Dabei geht es vor allem um freies Reden, argumentieren und diskutieren. Geplant ist außerdem ein Termin, an dem die Frauen zum NRW-Landtag fahren (29. Januar) und dort mit politisch aktiven Frauen sprechen können. Außerdem wird eine Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung am 6. Februar besucht.

Kommunalwahl am 13. September 2020

„Das Seminar gibt Einblick in viele spannende Bereiche und man kann für sich persönlich viel mitnehmen“, versprechen Inga Bramane und Sabine Kirchhoff. Die nächste Kommunalwahl steht am 13. September an. Vielleicht wagt sich ja schon dann, die eine oder andere Frau mehr ins Kandidat/innen-Rennen.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben