Justiz

Mit Rollkommando in Marsberg für Drogen-Betrug gerächt

Das Briloner Amtsgericht hat schon ungewöhnliche Sprüche gehört. Jetzt sprach ein Zeuge Klartext.

Das Briloner Amtsgericht hat schon ungewöhnliche Sprüche gehört. Jetzt sprach ein Zeuge Klartext.

Foto: Jürgen Hendrichs

Brilon.  So ein Alibi hört das Gericht in Brilon auch nicht jeden Tag: Er habe mit seiner neuen Freundin „das ganze Wochenende im Bett gelegen und gev….“

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Bisher sitzt der 26-Jährige alleine auf der Anklagebank. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm gemeinschaftlichen Raub und Körperverletzung zu. Ob der junge Mann, den Richter Schwens während der Verhandlung telefonisch aus dem Kreis Paderborn zur sofortigen Zeugenvernehmung nach Brilon beorderte, als Mittäter in Betracht kommt, ist noch offen. Bei seiner Vernehmung bestritt er das. Und konsternierte mit seinem offenherzigen Alibi die Beteiligten ein wenig. Er habe ein paar Tage vor dem angeklagten Vorfall eine neue Freundin kennengelernt, und mit der habe er das „das ganze Wochenende im Bett gelegen und gev….:“ Der Richter könne sie ja selbst fragen: „Sie wartet draußen.“

Mit 650 Euro einfach abgehauen

Davon sah das Gericht jedoch ab. Um was geht es? Der Angeklagte soll im November vergangenen Jahres gemeinsam mit drei, vier bisher unbekannten anderen in Marsberg abends bei einem 22-Jährigen geklingelt, ihn zusammengeschlagen und ihm einen hochwertigen Gaming-PC sowie zwei Handys gestohlen haben. Grund: Der 22-Jährige hatte ihn bei einem Drogen-Deal abgezockt. Der Angeklagte hatte dem 22-Jährigen wenige Tage vorher auf dem Parkdeck des Burghof-Centers 650 Euro gegeben, für das dieser ihm an Ort und Stelle 100 Gramm Marihuana besorgen wollte. Der dachte aber nicht daran: „Ich brauchte Geld. Deshalb haute ich ab.“ Der Vorfall ist aktenkundig. Das Amtsgericht Marsberg hat den 22-Jährigen deshalb wegen Betrugs zu einer Geldstrafe von 750 Euro verurteilt.

„Sofort die Faust gekriegt“

Wenige Tage, nachdem er von dem 22-Jährigen übers Ohr gehauen worden war, soll der 26-Jährige mit einem Rollkommando abends bei ihm aufgetaucht sein. Beim Öffnen der Tür habe er vom Angeklagten „sofort die Faust“ gekriegt, er sei zu Boden gegangen und von den anderen mit Schlägen und Tritten bearbeitet worden sein. Ein ärztliches Attest führt eine gebrochene Nase, Hautabschürfungen und Prellungen am ganzen Körper auf. Eine Nachbarin hatte wegen des Radaus im Treppenhaus die Polizei gerufen. Der gegenüber gab der 22-Jährige als Grund für die Racheaktion an, dass er den Angeklagten bei einem Ebay-Geschäft mit einem DVD-Player betuppt habe.

Zeugen als Mittäter wiedererkannt

Neben dem 26-Jährigen will dem Geschädigten einer der Mittäter in Erinnerung geblieben sein: Eben jener zur laufenden Verhandlung geladene Zeuge. Der sei ihm wegen seiner „Glubschaugen“ in Erinnerung geblieben. Damals kannte er ihn noch nicht. Wenige Tage später tauchte das Gesicht auf seiner Facebook-Seite auf - als „Person, die du vielleicht kennst“. Eine eventuelle Nähe zwischen den Facebook-Nutzern vermutet das Soziale Netzwerk unter anderem anhand der Standortdaten von Smartphones...

Rechtsanwalt Cramer (Paderborn) zog die Glaubwürdigkeit des Opfers in Zweifel. Und das nicht nur wegen des bei der Anzeige vorgeschobenen Ebay-Betrugs als mögliches Tat-Motiv des Angeklagten. Auch die damalige Schilderung des Überfalls wich nicht unerheblich von der Darstellung in der Hauptverhandlung ab. Ähnliches galt für die Aussage der Freundin. Auch ihr waren die auffallende Augen des bis dato unbekannten Mittäters in Erinnerung geblieben. Beim Betreten des Gerichtssaals habe sie ihn „100prozentig wiedererkannt“.

Der Prozess wird am 25. November fortgesetzt.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben