Mordprozess

Mordfall Medebach: Brutalität der Tat erschütternd

Seit heute müssen sich der 22-jährige Florin M. und die gleichaltrige Rebeca L. wegen Mord-Vorwurfs vor dem Arnsberger Schwurgericht verantworten. Sie sollen im Januar in Medebach einen 67-Jährigen umgebracht haben.

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Medebach/Arnsberg.  Sie sollen in Medebach einen Rentner aus Habgier umgebracht haben. Heute hat der Mordprozess in Arnsberg begonnen.

Auftakt im Medebacher Mordprozess. Vor dem Arnsberger Landgericht hat am Donnerstag das Verfahren gegen den 22-jährigen Florin M. und die gleichaltrige Rebeca L. begonnen. Den beiden rumänischen Staatsbürgern wird Mord aus Habgier vorgeworfen.

Tötungsdelikt wird eingeräumt

Am 7. Januar dieses Jahres sollen sie in Medebach einen 67-jährigen Rentner überfallen und brutal getötet haben. Am ersten Verhandlungstag wird gestern lediglich die Anklage verlesen. Am Rande des Prozesses erklärt der Verteidiger von Florian M., dass sein Mandant, die Tötung des Rentners einräumen werde. Allerdings habe er die Tat nicht aus Habgier begangen. Der Anwalt wird daher vermutlich auf Totschlag plädieren.

Ein unscheinbares Pärchen

Sie tragen Handfesseln. Um 9.32 Uhr betreten die beiden Angeklagten nacheinander den großen Sitzungssaal des Arnsberger Landgerichts. Beide sind sichtlich nervös, suchen den Blickkontakt. Jeweils zwei Justizvollzugsbeamte führen das Duo auf getrennte Anklagebänke. Dort hat jeder zwei Verteidiger und jeweils einen Dolmetscher neben sich. Weil es im Prozessverlauf terminliche Schwierigkeiten gibt, kommen die Juristen zu viert, um sich gegebenenfalls vertreten zu können.

Waffeleisen gegen den Kopf geschlagen

Bis die fünfköpfige Schwurgerichtskammer den Saal betritt, müssen Florin M. und Rebeca L. zwei, drei Minuten warten. Diese schmächtigen Persönchen sollen Mörder sein? Dieses Pärchen soll einen 67-jährigen Mann in Medebach aus Habgier ums Leben gebracht haben? Ihm zuvor ein Waffeleisen gegen den Kopf geschlagen haben? Ihm eine Schere neunmal in den Hals gerammt haben? Schwer vorstellbar, aber die Anklageschrift spricht Bände. Und die Staatsanwaltschaft ist davon überzeugt: Dort sitzen die Täter.

„Just be cool!“

Die junge, kleine Frau kommt aus der Untersuchungshaft in Köln und hat lange im Stau gestanden. Sie hat die schwarzen Haare zum Pferdeschwanz gebunden, trägt Perlenohrringe, eine Halskette und Ringe. Die Pailletten-Stickerei auf ihrem T-Shirt zeigt einen Tiger und die Aufschrift „Just be cool“. Das heißt „Sei bloß locker“. Gleich beim Verlesen der Anklageschrift wird sie die Hände unter dem Tisch halten und ohne eine Rührung nach vorne schauen. Ihr Verteidiger Ingmar Rosentreter wird für den nächsten Verhandlungstag eine „Erklärung ohne weitere Angaben“ ankündigen.

Mit großen wachsamen Augen

Eine Bank vor Rebeca L. sitzt Florin M., der in der JVA Hamm untergebracht ist. Ein schlacksiger junger Mann mit kurzen schwarzen Haaren, großen wachen Augen. Kameras und Smartphones sind auf die beiden gerichtet. Florin M. ist der Medienrummel unangenehm. Er spricht zu seinem Anwalt Bernhard Scholz und der bittet darum: „Mein Mandant möchte nicht, dass man sein Gesicht in der Zeitung sieht.“ Daher muss es aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes gepixelt werden. Das ist generell so üblich.

Kurzer Prozessauftakt

Der erste Verhandlungstag ist schnell beendet. Weil der Hauptankläger der Staatsanwaltschaft heute terminlich verhindert ist, verliest Staatsanwalt Thomas Schmelzer nur die Anklageschrift. Aber die macht noch einmal deutlich, mit welcher Brutalität der 67-jährige Anstreicher aus Medebach umgebracht wurde. Schmelzer spricht von einer „gemeinsam gefassten Tatplanung“ mit dem Ziel, den Rentner auszurauben und zu töten. Und er spricht von gemeinschaftlichem Mord.

Opfer und Täter kannten sich

Zwischen 18 und 0 Uhr sollen sie damals am 7. Januar in das schieferverkleidete Haus am Medebacher Südwall eingedrungen sein und ihr Opfer in den Flur gestoßen haben. „Der Rentner sei noch in die Küche geflüchtet, dort habe es die Schläge mit dem Waffeleisen und neun Stiche in den Hals gegeben, so der Staatsanwalt. Die beiden Angeklagten sollen dann Portemonnaie und Smartphone des Mannes an sich genommen, sein Nachttischschränkchen aufgebrochen und nach Geld durchsucht haben. Sie sollen den Schuppen aufgebrochen und von dort den Polo Cross gestohlen haben, mit dem sie bis nach Züschen flüchteten. Laut Verteidiger Bernhard Scholz haben sich Florin M. und das Opfer gekannt: „Es gab eine flüchtige, freundschaftliche Beziehung. Und der Anwalt ergänzt: „Mein Mandant wird sich dahingehend einlassen, das Opfer getötet zu haben. Er bestreitet aber, dies aus Habgier getan zu haben. Aus meiner Sicht liegt daher Totschlag, aber kein Mord vor.““

Tage später gefunden

Der alleinstehende Rentner wird erst einige Tage später tot aufgefunden. Einzelheiten über die Art der Verletzungen und die Todesursache wird der Leiter der Dortmunder Rechtsmedizin, Dr. Thomas Zweihoff, beim nächsten Verhandlungstermin erläutern. Klar ist aber: der Mann ist u.a. an dem enormen Blutverlust gestorben.

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