Kinderoper

Mozarts Zauberflöte in der Grundschul-Turnhalle

Schon gefunden: Tamino und Papageno (hinten) haben die entführte Pamina aufgespürt.

Schon gefunden: Tamino und Papageno (hinten) haben die entführte Pamina aufgespürt.

Foto: Stefanie Bald

Winterberg.  Winterberger Grundschüler hatten Besuch von der Wiener Kinderoper Papageno mit Mozarts Zauberflöte. Dabei wurde es begeisternd turbulent.

„Wollt ihr auch zur Oper?“ „Nein, wir müssen.“ Die Vorfreude der Grundschulkinder schien sich in Grenzen zu halten auf dem Weg in die Turnhalle zur Aufführung von Mozarts Zauberflöte. Und in der Turnhalle sah es auch überhaupt nicht nach Oper aus – da gab es keine Bühne, keinen Kristalllüster, bloß ein Stück freien Fußboden zwischen Turnmatten und Bänken, die als Sitzgelegenheiten dienen.

Doch trotz alldem dauerte es kaum eine Minute, bis Lucia Kim und Gregor Braun ihre jungen Zuhörer hatten. Die beiden professionellen Sänger der Kinderoper Papageno aus Wien bezogen die Grundschüler so vielseitig und geschickt ein, dass diese ganz schnell voll dabei waren.

Kleine Rolle für jeden

Klar, dass eine Oper Darsteller braucht. Schon einige Wochen zuvor hatten die Schüler Texte bekommen und die Rollen verteilt: Gebraucht wurden nicht nur der tapfere Prinz Tamino und sein Gefährte Papageno, sondern auch die schöne Prinzessin Pamina, ihre finstere Mutter, der weise Sarastro und drei Hofdamen, die den korrekten Hofknicks beherrschen.

Während aus einer Schatzkiste die Kostüme und erste Requisiten hervorgeholt werden, streuen Kim und Braun ein paar leichte Infos ein – zum Beispiel, welche Stimmlagen es in der Oper gibt und was das Wort Ouvertüre bedeutet.

Die Zuhörer dürfen dabei mitraten. „Wie heißt der, der in der Oper vor den Musikern steht und mit einem Stab wedelt?“ „Zauberer!“ Naja, fast. Dirigent wäre richtig gewesen. Und diese Rolle wurde natürlich auch besetzt und bekam Stab und Umhang.

Nun kann die Oper beginnen, und sie beginnt dramatisch: Der hübsche Prinz Tamino fällt um ein Haar einer aus acht Kindern bestehenden und gewaltig zischenden Riesenschlange zum Opfer. Die drei Hofdamen greifen ein, Tamino entkommt und lernt den Vogelfänger Papageno kennen, verliebt sich unsterblich in ein Bild der Prinzessin Pamina, die natürlich entführt wurde, bricht auf zu ihrer Rettung, beide müssen Hinterlisten durchschauen und schwere Prüfungen bestehen, bevor sie am Ende dank einer Zauberflöte unversehrt gemeinsam durch Feuer und Wasser gehen und glücklich leben bis an ihr seliges Ende.

Kinder spielen mit viel Elan

Mit viel Energie spielen die Mädchen und Jungen die kurzen Szenen, unterstützt von den Profis und der Musik. Die vielseitig verwendbaren Zuhörer werden dabei zur Schlange, zu singenden und tanzenden Sklaven, zu Feuer und Wasser.

Einige der bekanntesten Stücke aus der Zauberflöte singen Lucia Kim und Gregor Braun live. Melodien, die auch jeder kennen dürfte, der noch nie in der Oper war: In Werbung und Fernsehshows sind sie allgegenwärtig.

„Anfangs können Kinder, die zum ersten Mal Opernsänger hören, das oft nicht richtig einordnen – ob das vom Band kommt oder real ist“, erzählt Lucia Kim nach dem Stück. „Sie sind erstmal beeindruckt und müssen das verdauen.“

Dass es den Kindern trotz teilweiser Skepsis am Anfang offensichtlich gefallen hat, zeigte nicht nur der Elan, mit dem sie mitgespielt haben. Wer zum Beispiel während der Rachearie ins Publikum schaute, sah ein paar kleine Zuhörer, die sich anscheinend gerade selbst in der Rolle der Königin der Nacht sahen.

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